ÖSYC - Österreichischer Hochsee Yachtclub
  • Startseite
Wetter & Sicherheit oesyc.at | Fotoalbum oesyc.at | Forum oesyc.at | Veranstaltungen oesyc.at | sitemap

Benutzeranmeldung

Navigation

Segeln um die Welt
Verfasst von Gotthard am Mo, 04/08/2008 - 09:54.

Volkmar

Fuß mit Matte an Strand Eines der Beachhouses

Freitag, 23. Juli 2010

Wanderung zum Riff

Die Nase rinnt, das Auge tränt und im Hals kratzt es. Ich habe mich verkühlt. Ich nehme es als Einladung zu besonders extensivem Wahrnehmen der hier sich bietenden Aktivitäten.

Mit dem Kajak bin ich gestern in der Lagune herum gepaddelt. Eine sehr beschauliche Angelegenheit.

Heute wate ich hinaus zum Riff, dort wo ständig die weißen Schaumkronen hereinrollen. Es ist Ebbe. Die Lagune ist jetzt ziemlich ohne Wasser. Manchmal ist es knietief. Nach 300 Metern bin ich am Riff, dort wo der Boden tiefer wird. Hier brechen sich die großen, vom offenen Meer her kommenden Wellen. Die Schaumkronen gehen hoch und dann läuft die Welle in den flacheren Teil und verliert sich.

Der Boden hier heraußen ist mit Korallen übersät. Die Flächen dazwischen sind steinig und sandig, bewachsen mit allerlei weichen Pflanzen. Sie werden vom Wasser hin und her geschaukelt. Lange schaue ich den Wellen zu und wie das Wasser der auslaufenden Wellen so schubweise den Boden überflutet und in die Lagune abfließt. Und auch den beiden Frauen, die den Boden erfolgreich nach Tintenfischen absuchen.

Das Wasser ist bereits wieder im Kommen. Ich wende mich nun der Küste zu. Kleine, blitzblaue Fischchen suchen Schutz neben und unter den Koralleninselchen. Die Korallenfelder werden spärlicher. Zwischen den Pflanzen liegen pastellblaue Seesterne. Dann komme ich in den Bereich, wo Gras den Boden dicht bewächst. Und zuletzt ist nur noch Sand.

Im Restaurant ist „Happy Hour“ angekündigt. Da sind die Getränke etwas verbilligt. Ich hole mir ein Glas Hopfentee und setz mich an den Tisch mit Blick auf den Strand zu meinen Füßen. Langsam, ganz langsam kriecht das Wasser am flachen Strand heran.

Dunkle Wolkenbänke im Süden. Es dämmert und ich spüre eine Kühle. Die Strand-Reiter kehren zurück. Vor meinen Füßen galoppieren sie noch ein paar Mal hin und her. Ich habe das Reiten ausgelassen, um mein Immunsystem nicht abzulenken von der Bewältigung der Influenza.

Morgen werde ich in die nächste Herberge an der Südküste, nahe Sigatoka übersiedeln. Es sind mir 4 km Sanddünen versprochen worden. Es soll dort gute Wellen zum Surfen geben. Auch vom Reiten wird geschrieben, von Mountain Biking, Scuba Diving, Eco Park, Wasserfällen, pool side BBQ ---. Mal sehen, wofür ich mich verführen lasse.

Volkmar

»

Freitag, 23. Juli 2010

Beachhouse - eine traumhafte Rucksackler-Herberge

Im grünen Gesträuch, unter hohen Palmen sind an die 20 Häuser versteckt. Darin gibt es Schlafräume verschiedenster Größe. Für die Dormitorien (Schlafsäle) gibt es Häuser mit Sanitäranlagen, wie auf einem Zeltplatz. Ich habe wieder eines für mich alleine. Es ist eine sehr freundliche Architektur – von einem Österreicher, der in Suva lebt. Ziemlich vorne am Strand ist das Restaurant. Es gibt auch eine Backpackers Kitchen zur freien Benützung. Frei sind weiters die Kajaks und das Internet.

In diesem Paradies www.fijibeachhouse.com wird auch Massage angeboten. Das hatte ich jetzt 2 Jahre nicht mehr und ich beschloss, mir was Gutes tun zu lassen: 1 Stunde Massage um 20 F$, also etwa 9 Euro. Das ist ja wirklich sehr wenig. "It's Fiji Massage", strahlt die Masseuse. Ich versuche alles zu vergessen, was ich je über Massage gehört, gebend und nehmend genossen habe und warte was kommt.

Die Frau beginnt bei den Händen, tut weiter bei den Füßen, dann Beine und Arme. Während sie das tut redet sie unablässig auf fijianisch mit der nebenan massierenden Frau. Dann ruft sie einem Vorbeigehenden auf englisch zu. Einem Baby wird zugewunken. Ich entschließe mich dazu, der Frau zu sagen, dass sie sich doch bitte mir zuwenden möge. Das sei jetzt meine Zeit. Please be with me. Give me your presence. Und nicht immer mit den anderen reden. "Sorry", meint sie.

Sie bearbeitet etwas intensiver nun meine Rückseite. Wenngleich ich spüre, dass sie mich nicht spürt, gibt es zuweilen dennoch Anlass zu positivem Feedback. Da grunze und brummle ich sanft. Doch das Gespräch mit der Nachbarin geht fröhlich weiter. Auch deren Klientin gehört zu ihren Gesprächspartnern. "Oh, you are from UK. Wonderful. I like the Queen ---" Aus dem Restaurant dringt Musik an mein Ohr, von der Sorte, die ich nicht schätze. Ich hole mir Worte meiner Tanzpädaogin ins Gedächtnis: "Wenn mal was nicht so passt, etwa die Musik, oder der Partner beim Tanzen, oder dein Körper schränkt dich ein - einfach schauen was möglich ist." Ich halte es für möglich, dass ich die Massage abbreche und auf einmal bin ich aufgestanden und sage der Masseurin in bestimmtem Ton, I did not like, wenn sie stets wo anders ist als bei mir. "Sorry", sagt sie wieder. Am Nachmittag komme ich am Massageplatz vorbei. "Bulaaaa", tönt mir die Masseurin zu. Sie hat kein Problem. 2 Tage später bekomme ich das Geld der nicht beanspruchten Zeit zurück - eine Geste, die mich letztlich gut versöhnt.

Das nachmittägige Schnorcheln im nahen Korallenriff hat mich dann entspannt und halbwegs beruhugt. Heute, Freitag, gab es eine geführte Wanderung durch den Dschungel zu einem kleinen Wasserfall. Wenn der Führer über die Pflanzen, über die Geschichte seiner Familie erzählt, bekommen wir ein wenig was darüber mit, wie die Menschen hier leben, fühlen und denken.

Morgen gibt’s Kajaken in der Lagune zwischen Riff und Ufer. Dann vielleicht noch Horse riding am Sandstrand, freut sich

Volkmar

»

Mittwoch, 21. Juli 2010

Ein guter Tag beginnt manchmal mit einer warmen Dusche

Es ist merkwürdig, dass selbst im höheren Alter, wenn man meint, es könne einem das nicht mehr passieren, es manchmal einen Tag gibt, wo gleich mit dem Aufstehen am Morgen alles schwierig ist. Eine tiefe Depression bedrückt die Seele. Der Menschheit ganzer Jammer scheint gegenwärtig zu sein, und der eigene dazu. Über so einen Zustand gibt es von Hermann Hesse eine Betrachtung, die er aus gegebenem Anlass angestellt und zu Papier gebracht hat. Das Papier habe ich jetzt nicht vor mir, aber sinngemäß aus dem Gedächtnis war sie so ähnlich. Hesse hat gewiss auch die gegenteilige Stimmung gekannt. In einer solchen bin ich am Freitag unterwegs gewesen.

Ich hatte eine Dusche mit funktionierendem Warmwasser entdeckt. Nach der wirklich kühlen Nacht war das eine Wohltat ohnegleichen. Zum Frühstück im Hostel gibt es einen Straußwalzer zu hören. Mehr brauch ich nicht. Ich tanze zu meinem Frühstückstisch und genieße Erinnerungen an schöne Zeiten bei der Militärmusik. Im 11 km entfernten Suva steige ich aus dem Bus. Das Wohlgefühl hat auch meine Gelenke von Knien und Oberschenkeln erfasst. Sie rückmelden mir, mich gerne tragen zu wollen. Ich schreite.

Eigentlich wollte ich mich heute endlich um das Ausreiseticket kümmern. Das ist Vorschrift, wenn ich einreisen will in Fidschi. Doch ich lasse mich ins näher gelegene Internetcafe ziehen. Hier finde ich freundliche Nachrichten vor von Freunden aus Österreich, von Lesern meiner Beiträge in Foren und von der Tochter aus NZ. Ich versende meine Mails und surfe noch ein wenig herum.

Am liebsten hätte ich ein Proforma-Ticket gehabt, so eines, wie ich das in Trinidad in einem Reisebüro bekommen hatte: nicht geeignet, um damit zu fliegen, doch tauglich für das Einreisebüro und ganz billig. Der Mann im Tourist-Info-Büro kennt sich nicht aus, obgleich seit Trinidad mein Englisch schon viel besser geworden ist. Ich steuere auf ein Büro von Qantas zu. Dort erstehe ich um etwa 250 Euro ein Ticket nach NZ, mit dem Recht, es zurückgeben zu dürfen, gegen vollen Kostenersatz. Das genau genügt mir, denn ich will ja gar nicht fliegen, sondern segeln. Damit erscheine ich im Einreisebüro. Nun bin ich legal in Fidschi, mit Stempel im Reisepass.

Unterwegs spricht mich ein hilfsbereiter, sehr seriös aussehender Fidschianer an. Woher, wohin usw. Er sei der Präsident einer Fremdenführer-Company und könne mir die Stadt zeigen. Ich lehne ab. Oder die Dörfer rundherum. Mir ist der Preis zu hoch. Wegen Kostenteilung würde ich mich mit Freunden besprechen, bereite ich den Rückzug vor. Das trifft den Fremdenführer nicht unvorbereitet. Er zieht ein hölzernes Messer aus dem Köcher und beginnt den Namen meiner Tochter in den schwarzen Griff zu schnitzen, sehr gekonnt. Ein Souvernier zum Verschenken.

Bald zeigt sich: Das Verschenken bezieht sich auf den Eigentumsübergang von mir auf meine Tochter. Er werde mir einen sehr guten Preis machen, kündigt er an, während er „BULA“ (= hallo) einkerbt und „2010“. Nicht 30 Fidschi-Dollar, sondern nur 15 sei der Preis, weil ich es bin.

Da hat er mich erwischt. Was soll der freundliche Mann mit dem beschnitzten Messer denn machen? Hier heißen die Frauen Sinitiki, Mariani, allenfalls Rebecca, doch niemand heißt Sigrid, wie meine Tochter. Ich mache gute Miene zum gekonnten Spiel und erwerbe das Kunststück.

Der Freundliche zieht schon den zweiten Dolch. Ehe er mir den Namen meines Schwiegersohnes aus der Nase ziehen kann, habe ich mich freundlich, aber endgültig verabschiedet von ihm.

Heute bin ich nach Beachhouse übersiedelt. Wie der Name erahnen lässt, lebe ich nun am Strand. Mehr über dieses Paradies demnächst.

Volkmar

»

Sonntag, 18. Juli 2010

Erste Tage in Fidschi

Nach 3 Tagen noch an Bord der SY „St. Michele“ bin ich in das "Raintree Lodge" nahe Suva nahe dem Regenwald hoch auf einer Anhöhe eingezogen. Inzwischen lebe ich schon eine Woche hier. Es hat ein zauberhaftes Ambiente: Ich frühstücke auf freundlicher Terrasse, Kaffee mit Toast, Butter und Marmelade, dazu eine meiner geliebten sehr reifen Papaya. Zu meinen Füßen ein kleiner Teich, dahinter der Regenwald, Grillen zirpen ganz sanft. Bei den Menschen, die um mein Wohl besorgt sind, fühle ich mich sehr willkommen. Mein Schlafsaal, hier Dorm genannt, steht weiter hinten im grünen Park. Ich bin ich der einzige Schläfer in einem der 25 Betten. Daneben habe ich einen Swimming Pool mit Terrasse. Der Multi-Wegweiser hat einen Zeiger auch nach Vienna - 16296 km. Da wird es warm ums Herz. Das tut umso wohler, als die Außentemperaturen hier zurzeit ungewöhnlich tief sind. Nachts hat es unter 20°C, tags nicht mehr als 25°C. Das ist sehr seltsam geworden für mich, der ich inzwischen zwei nördlichen Wintern entronnen bin.

Gestern bin ich im nahen Regenwald-Naturpark gewandert auf schmalen Pfaden, zumeist entlang von Bächen mit vielen Kaskaden von kleinen Wasserfällen. Dazu das üppige Grün im Unterholz riesiger Laubbäume. Vögel sind nur sehr selten zu hören, nur das Rauschen des Wassers.

Am Lower Pool gibt es einen Strick, mit dem schwingen sich die Mutigen hinaus übers Wasser und lassen sich dann tief in den Pool hineinfallen. Es lockt mich sehr, mich als Mutigen zu beweisen. Als eine Wanderfrau aus Deutschland mir anbietet, mich dabei zu fotografieren, bin ich nicht mehr zu halten. Ich habe den Pool gut, wenn auch nicht ganz in der Mitte, getroffen. Das Foto hingegen ist daneben gegangen: Man sieht nur noch das aufspritzende Wasser. Das Publikum applaudiert. Ich werde Gast einer hier grillenden Wandergruppe. Es gibt Ziege, Huhn, Knackwurst und Salat. 20 Schritte höher werde ich in eine Cava-Runde eingeladen. Cava schmeckt gewöhnungsbedürftig bitter. Die Verabreichung wird durch ein kleines Ritual intensiviert: Einer der Männer reicht mir die gefüllte Schale und klatscht 2 x in die Hände. Ich trinke es leer, dann klatscht rundum alles 3 x und wenn meine Hände frei sind klatsche auch ich 3 x. Man fragt mich nach woher und wohin und ob mir Fidschi gefalle. Letzteres kann ich ehrlich bejahen.

Am Abend wird mir das neuerlich bestätigt. Eine musikalisch kräftig umrahmte Geburtstagsfeier rund um den Swimmingpool droht mir den vormitternächtlichen Schlaf zu nehmen. Ich bin kaum angelangt bei meiner Haustür, werde ich schon gefragt, ob ich was zu essen haben möchte. Schon begleitet mich jemand zum Buffet und ich darf mir wünschen, was noch da ist. Dann all die gleichen Fragen wieder und noch viele mehr.

So, wie Fidschi sich mir zeigt, werde ich gerne 2 oder 3 Monate hier bleiben. Vielleicht findet sich wer und was nach Samoa oder Tonga, ehe ich im Oktober mich segelbereit mache und mich zur letzten Etappe der ersten Hälfte nach Neuseeland einschiffe.

Weitere Tatsachenberichte über freundlich hilfs- und überhilfsbereite Menschen demnächst an dieser Stelle.

Volkmar

»

Mittwoch, 14. Juli 2010

Obige Bildchen mit links anklicken!

Das Segeln von Tahiti nach Fidschi

Den langen Beitrag von Martin und Astrid über Tonga im Weltreiseforum http://www.reise-forum.weltreiseforum.de/ (siehe dort „Königreich Tonga“) hatte ich schon vor Wochen ausführlich und sehr gerne gelesen. Ich mag sehr die Art, wie MArtin formuliert. Ich hatte richtig Lust bekommen, den Spuren der Beiden auf dem 120-Fuß-Segler „Infinity“ zu folgen. Doch dann habe ich mich entschieden, mit Joachim, einem inzwischen pensionierten, einstmals Kameramann-Segler, von Tahiti aus direkt nach Fidschi zu segeln.

Die zu Tonga gehörende Insel Vava'u ist in der Abenddämmerung zum Greifen nahe an uns vorbei gezogen. Joachim hat keinen Zwischenstop gemacht. Andre, der andre Mitsegler an Bord der SY „St. Michele“ und ich hatten überlegt, mit welchem triftigen Grund wir dem Joachim eine Landung in Tonga schmackhaft machen könnten. Milch war im Überfluss vorhanden, Wasser auch. Zum Essen gab es viel frischen Fisch, mal mit Reis, mal mit Kartoffel, mal mit Nudeln, mal roh, mal gekocht, meist gebraten. Was tun? Wir hätten die zweite und letzte Winschkurbel über Bord gehen lassen müssen. Ohne unser Zutun, sogar ohne unsere Beobachtung musste die erste Kurbel diesen Weg ins Kurbel-Nirwana gefunden haben. Im Gegensatz zur noch an Deck befindlichen Kurbel hatte sie bestens funktioniert und war zudem von wunderschöner Gestalt, eine Zierde eines jeden Seglermuseums. Unser böses Ansinnen haben wir schließlich verworfen.

Joachim will von A nach B und das schnell, wofür ein Segelboot freilich das Ungeeignetste ist. Das können Motorboote und Flugzeuge viel besser. In Thailand wartet seine Familie. Genau genommen will er von P nach A, P wie Papeete, A wie Australien. Wegen Wind unter 2 Knoten schaltet Joachim den Motor dennoch nicht ein. Erstmals erlebe ich mit ihm, dass ein Fahrtensegler auch aufkreuzt, wenn der Wind von vorne kommt. Das war in den letzten 3 Tagen der Fall, dank der südpazifischen Konvergenzzone, habe ich bei Jimmy Cornell nachgelesen. Joachim liebt das Segeln nach 40 Jahren immer noch. Er scheint Ja gesagt zu haben zur Langsamkeit, die sich mit den Jahren naturgemäß einfindet. Ganz allgemein gesprochen ein erfreulicher Aspekt, auch für das Liebesleben. Es schenkt mehr Zeit des Genießens – uns hat es 4 Tage mehr des Segelns in der Einsamkeit und Weite des Pazifiks geschenkt. Ich sehe Joachim oft und lange schauen.

Ich steige planmäßig in F wie Fidschi, aus.

Die 10 Tage von Tahiti mit Zwischenhalt in der Nachbarinsel Moorea bis in das Gebiet von Tonga sind wie im Bilderbuch gewesen: Sehr sanfter Passatwind aus ESE, meist wenig Seegang, Sonnenschein, zauberhafte Sonnenuntergänge, anfangs Vollmondnächte, später in der ersten Nachthälfte klarer Sternenhimmel. Venus als Abendstern, fast schon im Löwen. Die vertraute Deichsel des Großen Wagens ist noch zu sehen und heimelt an. Gegenüber mitten in der Milchstraße das Kreuz des Südens und andere Sterne, deren Namen ich nicht kenne. Lautlos streift ein Meteor von Ost nach West und hinterlässt eine Spur wie ein Feuerwerksgeschoß, das nicht platzen wollte. Als es in einer der Vollmondnächte in der Ferne regnet, sehe ich einen feinen, silbrigen Regenbogen – ich hatte nicht gewusst, dass es so was gibt. Am Morgen kommen Adler mit dem hellen Navigatationsstern Altair und der Schwan ganz groß heraus. Hoch oben der Jupiter und am Morgen, im ersten Schimmer des neuen Tages, schräg kopfüber taucht der schreckliche Riese Orion über dem Horizont auf. Orion am Abendhimmel verheißt uns Bewohnern der nördlichen Hemisphäre ja, dass es nun wirklich wieder Winter wird. Mich fröstelt. Die Nächte mit T-Shirt und kurzer Hose sind längst vorbei. Segeln wir doch bereits nahe 20° südlich des Äquators.

Am Morgen zunächst meist klarer Himmel. Später sind auf einmal Cumulus-Wolkenberge da. Keiner hat gesehen, wo die eigentlich hergekommen sind. Wenn am Abend die Sonne schon tief steht, bekommt der Himmel eine unglaubliche Tiefe. Wolkenbank an Wolkenbank ist gereiht, bis zum Horizont hinunter, jede weiter entfernt liegende um ein klein wenig tiefer als die davor liegende. Dann wird es orange im Westen. Sobald die Sonne unten ist, kann es vorkommen, dass der Westen plötzlich sehr farblos ist. Dann Auge nach Osten wenden: Hier malt ein hellblauer, leicht pastellfarbener, breiter Streif den Himmel oberhalb des Horizontes von Nord bis Süd. Am oberen Rand wandelt sich der Streif von ein wenig gelb über orange in ein unwirkliches Violett. Es kommt vor, dass später das Orange im Westen neuerlich aufleuchtet, um dann ganz langsam zu verblassen.

Wir machen immer 3 Stunden Wache am Ruderstand, dann 6 Stunden frei. Wenn ich Joachim nachts ablöse mit einem „Schlaf gut“ verabschiedet er sich mit „Es ist eine wunderbare Nacht heute, mach dir eine schöne Zeit ...“

Über meine Eindrücke auf Fidschi gibt es in Bälde mehr hier zu lesen.

Volkmar

»

Montag, 12. Juli 2010

Auf Fidschi angekommen

Ich habe auf Fidschi eine wunderschöne Bleibe im vielverheißenden "Raintree Lodge" gefunden. Ich sitze auf einer Terrasse. Zu meinen Füßen liegt ein Teich. Am anderen Ufer beginnt der Regenwald. Im Prospekt wird mir einen Wasserfall versprochen, Birdwatching und Bushwalks. Im Moment habe ich Besuch aus der Welt der Insekten: Kleine Mücken fliegen lautlos heran und naschen an mir.

Ich habe wieder den Schlafsaal gebucht, doch scheine ich allein darin zu sein. Die Preise hier sind sehr niedrig. Ich denke, mit Fiji habe ich eine gute Wahl gefunden, was die Belastung meines Pensionskontos betrifft. Aber auch der erste Eindruck von den Menschen und der Natur hier lässt mich wunderschönen Wochen in der Südsee entgegenblicken.

Auf den Blick zur Sonnenfinsternis – am 11. Juli gegen Mittag (UTC-10) auf einer der Tuamotu-Inseln total zu sehen gewesen - musste ich leider zur Gänze verzichten. Ich hatte gehofft, sie heute am frühen Morgen wenigstens partiell zu erblicken. Doch scheint Fidschi nicht einmal vom Halbschatten erreicht worden zu sein. Das einzig sensationelle an diesem Morgen war das Fußballfinale.

Die Fahrt von Tahiti nach Fidschi hat 18 Tage gedauert. Mein Kapitän hatte die von mir sehr wohl empfundene Eigenheit, den Motor nicht einzuschalten, bloß weil wir unter 1,5 Knoten Fahrt kamen. Das war in den letzten Tagen mehrmals der Fall. Erstmals habe ich erlebt, dass ein Fahrtensegler aufkreuzt gegen den Wind. Die Stimmung und Harmonie an Bord war so gut wie nie vorher. An Bord war außer dem Kapitän Joachim auch noch Andre, der junge Brasilianer. Er hat beste Seglereigenschaften, sowohl technisch, wie auch beim Mitwirken im Team.

Schon in Tonga, etwa eine Woche zuvor, hatten wir die Datumsgrenze überquert. Sie ist dort nach Osten verschoben worden, denn die Menschen des Königreiches Tonga wollten das gleiche Datum haben, wie ihre westlichen Nachbarn. Mit ihnen sind sie in jeder Hinsicht näher verbunden als mit denen des ferneren und dünner besiedelten Ostens. An Bord haben wir die Uhren erst nach Ankunft im Hafen der Hauptstadt Suva umgestellt von Freitag, 09.10.2010, 01:45 auf Freitag 23:45. Eine Viertelstunde später – unser Freitag war nur 2 Stunden lang gewesen – war dann schon Samstag auf Fidschi. Nun sind wir nicht mehr die Letzten, bei denen noch der alte Tag geschrieben wird, sondern bei den Ersten, wo der der neue Tag gilt. Bei uns ist es nun nicht später so spät wie in Österreich und den anderen Ländern der gleichen Zeitzone, sondern früher so spät. Exakt ist Fidschi-Zeit (UTC + 12) der MESZ (UTC + 2) um 10 Stunden voraus. (UTC steht für ehemals Greenwich-Zeit). Alles klar? Wenn nicht, dann einfach mal hier herkommen und ausprobieren.

Die nächtliche Einfahrt in den von Riffen stark umsäumten Hafen ist ein mittleres Abenteuer gewesen, zumal Seekarten untereinander und gegenüber GPS unterschiedliche Gradnetze über die Geographie der Insel gelegt haben. Überdies ist das Richtfeuer nicht mehr rot und weiß, wie in den Karten eingetragen, sondern blau! Die Farbe blau trägt nachts nicht weit. Die angegeben Tragweite von 14 Seemeilen war daher nicht gegeben. Zum Glück kam ein kleines Frachtschiff aus dem Hafen heraus, sodass wir von da an sicher wussten, wo es lang geht. Im Durchschnitt stranden jährlich 3 Schiffe in den Korallenriffen rund um die Inseln von Fidschi. Wir sind nicht dabei gewesen.

Mehr von der Überfahrt von Tahiti hierher im nächsten Bericht.

Volkmar

»

Kapitän und Koch

Hallo Volkmar,

wenn du über die Einfahrt in die Bucht berichtest, dann bekommt man Lust , das selbst zu sehen. Ich hoffe, die Fotos lassen nicht lange auf sich warten.

Außerdem frage ich mich gerade, wenn ich an unsere Reisen mit dir als Skipper und an deine jetzige Rolle als Chefkoch denke: Wenn der Kapitän der nächste ist neben Gott, der Chefkoch offenbar gleich dahinter - wieviele Streifen hast du denn da am Ärmel? Und was sagt Gott dazu?

Bei unseren vier Paar- und Einzeltörns im Sommer werden wir diese Aufgaben gerecht aufteilen. Wir sind bis auf je einen Restplatz komplett voll, und auf jedem Törn scheinen auch gute Köche dabei zu sein :-)

Allerdings: Nachdem jetzt auch Christine geprüfte Skipperin ist, werden wir uns recht gut überlegen müssen, wie wir uns den Platz neben Gott gerecht aufteilen!

Wenn uns das gelingt, steht relaxten 4 Wochen in der mittleren Adria nichts im Wege:-)

Liebe Grüße, auch von Christine,
Max

PS: Wer neugierig ist auf unsere Törns kann nachschauen unter www.beziehungsarbeit.at

»

Natürlich ist der Chefkoch

Natürlich ist der Chefkoch der nächste neben Gott. Der Kapitän weiß das bloß nicht. Und das ist gut so.

Allzeit gute Köche euch Kapitänen, wünscht

Volkmar

»

Montag, 21. Juni 2010

Wir sind schon auf der Nachbarinsel Moorea

Am Samstag sind wir nicht ausgelaufen. Mitsegler Andre musste wegen seines entzundenen Knies zum Arzt. Am Sonntag holt er sich neuerlich eine Spritze. Die Tankstelle hat am Sonntag geschlossen. Wir tanken also heute, am Montag Wasser und Diesel und segeln dann los.

Moorea ist die einzige der Gesellschaftsinseln, die man von Papeete aus sehen kann. Das Wetter wird hier von der Südpazifischen Konvergenzzone (SPCZ) bestimmt, sofern sie aktiv ist. Sie erstreckt sich von Tahiti nach westnordwest bis zu den Salomonen. Manchmal verlagert sie sich. Wenn sie aktiv ist, gibt es unbeständiges Wetter, manchmal auch starke Stürme. Derzeit ist sie aktiv. Der Wind war nicht sehr heftig heute, aber er kam mit wechselnder Stärke aus wechselnden Richtungen. Dazu zeitweise Regen. Das hat unseren Kapitän bewogen, den hohen Wogen aus dem Weg zu motoren und in der Cook-Bay von Moorea zu ankern. Hier ist es still und friedlich während draußen die Wellen sowohl von links hinten, wie von rechts hinten heran gerollt sind. Das gibt dann zuweilen sehr hohe Berge und dann wieder mal sehr tiefe Täler. Ab der Westseite von Moorea lassen Wind und Welle nach.

Richtig malerisch die Einfahrt in die Bucht! Wie Tahiti, so ist auch Moorea von einem Korallenriff umsäumt. Das Riff ist an einigen Stellen unterbrochen. Diese Stellen sind freundlicherweise betonnt und zwar nach dem System A, das heißt, bei der Annäherung von der See sind die roten Bojen links, die grünen rechts - wieder wie in Europa. Es ist sehr spannend, durch so eine Öffnung in der Riff-Barriere zufahren. Meist hat es eine Strömung von einigen Knoten. Links und rechts der Durchfahrt befinden sich die Felsen des Riffes knapp an der Wasseroberfläche. Hier türmen sich die Wellen schaumgekrönt hoch auf und verlieren nach wenigen Metern am Riff ihre Energie. In der dann wieder tieferen Lagune dahinter ist das Wasser ruhig, wie in einem Hafenbecken. Durch die kleinen Öffnungen vermögen die großen Wellen nicht einzudringen in die Lagune, worüber ich immer wieder staunen muss.

Die Wellenberge sind der Ort, wo die Surfer ihren Spaß haben. Sie stehen auf ihrem segellosen Surfbrett und trachten stets am Wellenabhang abwärts zu gleiten, gerade so schnell wie der Wellenberg hinter ihnen herkommt. Sie surfen freilich nicht dort, wo im Auslauf das Korallenriff lauert, sondern knapp daneben. Das Ende der Gleitfahrt ist erreicht, wenn die Welle die Lagune erreicht und hier ausläuft. Dann schwimmt der Surfer mit seinem Brett wieder hinaus, wartet auf eine große Welle, steht plötzlich aufrecht am Brett und eine neue Gleitfahrt beginnt. Manche Surfer drehen sich während des Gleitens um ihre Körperlängsachse. Die Surfer, die auch Saltos machen, habe ich bisher nur im Film gesehen.

Am Freitag Abend habe ich Kartoffelschmarrn für uns alle gemacht. Dem Joachim hat das so gut geschmeckt, dass er es zum Anlass genommen hat, mich zum Chefkoch zu erklären. Alle meine Einwände helfen nichts. Gestern habe ich grünen Salat gemacht, selbstverständlich mit kleingeschnittenem Zwiebel darin, ein paar Paradeiser, Petersiliegrünes, Marinade aus Olivenöl, Essig, Zitrone, Salz. Joachim gab sich hingerissen und ich bekomme meinen Chefkoch nicht mehr los. Wem Gott gibt das Amt, dem gibt er auch den Verstand, heißt eine schlecht gereimte Weisheit. Und eine andere Weisheit sagt, der Kapitän an Bord ist immerhin der nächste neben Gott. Heute habe ich Spaghetti zu machen. Ich fürchte, da kann nichts schief gehen und ich werde bis Fiji der Chief bleiben.

Volkmar

»

Samstag, 19. Juni 2010

Wind aus der Antarktis

wehen ein ausgedehntes Hoch und ein ausgedehntes Tief heran. Er hat mir am Donnerstag die Wanderung auf den Berg verregnet. Heute hat er uner Auslaufen verhindert. Joachim, mein neuer Kapitän, hält es für gut, mit einer neuen Crew nicht gerade bei Schlechtwetter auszulaufen.

Auf der "St. Michele" bin ich gestern schon eingezogen. Es sieht alles bestens aus. Der Wind hat sich bereits gelegt. Im Internet habe ich mir heute noch Informationen über Fidschi, Vanuato und neukaledonien herunter geladen. Diese Inselstaaten liegen alle am Weg nach Australien und es könnte gut sein, dass ich auf einer von ihnen bleibe.

Volkmar

»

Freitag, 18. Juni 2010

Es kommt doch anders

Ras sitzt am Steuer. Nomen est omen. Er rast um die Insel, erst entlang der Nordküste, dann alle Straßen von Tahiti Iti und zurück an der Südküste von Tahiti Nui. Er ist Crew auf der SY „Bubles“. Ich habe die Amerikaner erstmals in den Galapagos gesehen, dann wieder in den Marquesas. Hier in Papeete auf Tahiti ist Ras mir auf der Straße begegnet.

Gemeinsam mit Skipper Alex und Diego, einem jungen Galapagoianer, sitzen wir im Leihauto. Am Grabmal von Pomare V., dem letzten König von Tahiti, sind wir vorbei gerast. Doch den Point Venus haben wir erfolgreich angesteuert. Hierher hatte Cook Wissenschafter sicher her- und zurückzubringen, deren Hauptaufgabe war, den Venustransites am 3.Juni 1769 vor der Sonne zu beobachten und zu vermessen. Mehr in Wikipedia.

Die Stelle am Meer mit den Blowholes ist wieder an uns vorbeigerast, doch in die Straße zu den 3 Wasserfällen sind wir rechtzeitig eingebogen. Sehr schöne Natur, sehr hohe, wasserreiche Wasserfälle.

Auf Tahiti Iti lockt uns das Aussichtsplateau auf einer Anhöhe. Wir verfehlen mindestens 4x die beiden Straßen, die da hinaufführen. Der Ausblick freilich lohnt das lange Suchen. Sandwich mit Wurst und Käse wird im Auto gegessen, denn die Zeit drängt. Wir müssen den weltberühmten Surfstrand von Teahupoo besehen. Zum Surfen ist die Welle heute zu schwach. Wir suchen eine Opferstätte bei Mateiea auf. Jetzt wird dort Bodscha gespielt. Im Dämmern halten wir an einer Höhle, die man aber auch bei Tag nur von außen sehen darf.

Während wir unterwegs sind, bekomme ich einen Anruf von einem Joachim. Er hat meine Anzeige gelesen und würde mich gerne aufnehmen, um mit mir auf seiner deutsch geflaggten SY „St. Michele“ nach Fiji und Australien zu segeln. Am Dienstag habe ich ihn am Boot besucht, eine Nacht darüber geschlafen und dann Ja gesagt. Bei der INFINITY habe ich mich abgemeldet. Ein wesentlicher Beweggrund waren die Kosten (700 € je Monat) und die Verbindlichkeit, 3 Monate bleiben zu müssen. Gesorgt habe ich mich auch, dass die jungen Leute auf der INFINITY vor vielleicht ständig lauter Musik der jungen Leute, vor Trink- Rauch- und Hasch-Gelagen. Bei Joachim bin ich frei von allen Kosten. Dass ich die Sonnenfinsternis total nun nicht sehen werde, sondern nur partiell, tut mir weh – vor allem jetzt, wo ich mich anders entschieden habe. So ist das halt, wenn ich für mich selbst entscheide, da kann ich nur mit selbst hadern. Selbst aus dem Weg kann ich mir nicht gehen. Immer bin ich bei mir. Ich müsste mich jetzt wohl betrinken oder einrauchen.

Morgen segeln wir los. Aber wenn der Wind dann auch noch so heftig ist wie heute, dann vielleicht erst übermorgen. Die Fahrt bis Fiji wird 2 Wochen dauern. Ich kann mich erst von dort wieder melden. Dann werde ich wissen, ob ich nach Australien weiter segle, oder bleibe. Joachim hat noch einen jungen Mann an Bord bekommen, sodass er ohne mich nicht alleine wäre.

Gestern bin ich am Berg gewesen. Der Mont Aorai ist 2066 m hoch. Bei 1200 m beginnt es zu regnen und es nebelt mich schwer ein. Da mache ich kehrt. Ich hätte 2 Tage ansetzen sollen. Der Weg ist unbeschreiblich schön: Steiler, schmaler Grat, manchmal geht es an der Flanke, stets Grün, auch an den sehr steilen Hängen, viele Farne, viele riesige, an der Unterseite violette Blätter, langhaarige Flechten wehen von dürren wie von grünen Bäumen, Bäume über und über mit großen, roten Blüten, jedoch auffallend wenig Vögel und Insekten.

Dann, bis in 2 -3 Wochen,

Volkmar

»

Mittwoch, 16. Juni 2010

Morgenfeier

Ich trete von der Heckseite ins Schiff ein. Niemand verteilt Gesangsbücher. Gleich backbord ist der Steuerstand mit elektronischen Geräten und einem Autopiloten von Yamaha. Er sieht aus wie ein Stromklavier. Den Raum erfüllt halblauter Gesang. Er geht von den ums Cockpit versammelten Menschen aus, getragen und begleitet von sanften rhythmischen Klängen aus den elektronisch angesteuerten Lautsprechern. Es ist erst 5 vor 9. Ich begebe mich ins vordere Schiff und nehme an der Steuerbordseite Platz.

Der Gesang verstummt. Es ertönen die Glocken. Dann betritt eine junge Frau das Deck. Sie stellt sich am Bug hinter einen niedrigen Aufbau und blickt auf die zum Gottesdienst Gekommenen. Ihre Schultern sind frei. Ihre Stimme ist klar, ihre Worte klingen gesetzt und bedacht. Sie begrüßt die Gemeinde. Alles erhebt sich. Aus den Lautsprechern tönt das von der Anlage auf Knopfdruck elektronisch angesteuerte Vorspiel. Ungewöhnlich für meine mitteleuropäisch geprägten Ohren ist das kräftig unterlegte Schlagzeug. Dann setzt der Gesang der Gemeinde ein. Die Texte sind an die Wand im Vorschiff projiziert. Wenn das Lied nur eine Strophe hat, dann wird die so oft wiederholt wie angegeben. Die Wiederholung setzt meist um einen Ton höher ein. Das intensiviert die Aussage des gesungenen Textes, empfinde ich. Die Frau mit dem schulterfreien Kleid hat zwischen den Liedern immer wieder was zu sagen.

Schließlich setzen wir uns alle. Eine Mutter mit Töchterchen trifft noch ein. Das Mädchen schiebt sich weiter vorne in eine Reihe. Sie gibt dort ihrer Oma die Hand, kuschelt kurz mit ihr und geht dann zur anderen Oma. Die beiden sind dann für den Rest des Gottesdienstes dicht aneinandergeschmiegt.

Lucas 7, 37/?? bis 38/3 zeigt das Bild an der Wand. Pastorin und Gemeinde lesen abwechselnd immer je einen Vers. Ich lese und höre mehrmals „prostitution“ und „reputation“. Das war wohl die Stelle von der öffentlichen Frau und mit dem: „Wer ohne Schuld, der werfe den ersten Stein ----" Die Predigt dazu hält dann eine ältere Pastorin. Weil ich halt gar so wenig französisch verstehe, bin ich angewiesen, mir meine eigene Gedanken zu machen, ziemlich ohne die verbalen Anstöße der Pastorin. Etwa über jene Menschen, die in jedwelchem seelenlosen Job dem Geld nachjagen, oder die, die um die ganze Welt fahren und ihre Seele verloren haben. Oder an Frauen, die eine gute Partie gewonnen haben und später, vor oder nach der Scheidung, den Ehemann ausnehmen, den sie längst nicht mehr lieben. (Ich bin da kein direkt Betroffener). An die Predigt schließem wieder Lieder an.

Das letzte Lied wird in der Sprache der Polynesier gesungen, zuerst gesummt, dann 3 Strophen Text mit sich wiederholendem Refrain, zuletzt wieder gesummt. Es hat mich sehr feierlich gestimmt.

Nun erscheint erst- und letztmals ein Mann im Vorschiff. Er trägt Anzug und Krawatte und hat was anzukündigen. Doch dann haben schon wieder die Frauen das Sagen. Es wird das Gebet gesprochen, das der Herr gegeben hat. Schließlich Schlusssegen. Die Glocken läuten. Man steht auf. Die sich kennen begrüßen einander mit Händeschütteln und Wangenkuss. „Bon jour“, reicht mir ein bislang unbekannter Mann die Hand, während ich so herumstehe. Das kommt dann noch ein paar Mal so. Schließlich bekomme ich, bereits am Vorplatz stehender Fremdling, auch noch Wangenküsse ab. Die sind echt, das spürt man. Ich empfinde, das war eine Stunde, in der Menschen gemeinsam Herzen geöffnet haben, gemeinsam Weisheiten gelauscht haben, wie eine gebildete Frau sie darzulegen wusste.

Volkmar

»

Mittwoch, 09. Juni 2010

Glückssträhne auf deutscher Welle – Ich bin willkommen auf der „INFINITY“

Abgesehen von einer flüchtigen Bekanntschaft mit Ingi und Bert auf Galapagos, habe ich seit Panama niemanden mehr gehabt, zum reden auf Deutsch von Angesicht zu Angesicht. Ein junges Paar, gestern abend in meiner Herberge hier, ist mir gleich verdächtig vorgekommen. Tatsächlich, die beiden sind Deutsch-Schweizer. Tut das gut, sich einfach so frisch und locker von der Leber weg mal was zu erzählen!

Als ich heute Nachmittag im Hostel auftauche, wird mir Hans vorgestellt. Er ist fast 80 und lebt seit Jahrzehnten in Französisch Polynesien. Er hat viel Interessantes für mich zu erzählen.

Mein erster Weg heute früh ist der zum Restaurant gewesen, wo ich mich in ein Wifi-Netz einloggen kann. Klaus aus Deutschland hat sich gemeldet. Er tendiere immer mehr dazu, im September von Raiatea (eine Nachbarinsel) nach Neuseeland zu segeln. Das klingt gut!

Clemens, der deutsche Eigner einer deutsch geflaggten Segelyacht bedankt sich in seiner Mail für meine „nette Vorstellung“. Ich scheine ihm „ein fähiger und jede Reise bereichender Weggenosse zu sein“. Ich erkenne, ich habe nun nicht nur gelernt Kokosnüsse zu öffnen, sondern auch, mich auf Grundlage der deutschen Sprache tüchtig ins Fenster zu stellen. Ich übe es hier im Tagebuch seit nun fast 2 Jahren. Es spricht für die gute Menschkenntnis des Clemens, dass er mich so richtig einschätzt. ;-) Ein wenig hatte ich Angst gehabt, dass er mich wegen Überqualifizierung ablehnen würde.

Auf Clemens bin ich am Samstag in im Forum „FindaCrew“ gestoßen https://www.findacrew.net/. Da sind wir beide eingetragen, er als Crew suchend, ich als Koje suchend. Das System des Forums hatte mir gemeldet, dass er sich meine Seite im Forum angeschaut hat. Das System meldet aber nicht den Namen des Schiffes, wohl aber dass es auf Tahiti segelt oder steht. Bevor ich mich bei Clemens melde, entscheide mich für einen kleinen Spaziergang in den Hafen. 15 Minuten später stehe ich vor einer riesigen Ketsch (Zweimaster) aus Stahl, 40 Meter lang, Heimathafen Hamburg, alles wie im Forum auf Clemens’ Seite beschrieben. Name „INFINITY“! Ich habe ein gutes, informelles Gespräch mit Michael, dem 1. Maat. Ja, der Eigner ist der Clemens. Er sitzt auf Hawaii. Daher halte ich es für angebracht, mich per Mail bei ihm so richtig vorzustellen.

Mit seiner Mail hat der Eigner nun grünes Licht gegeben. Ich brauchte heute eigentlich nur noch das Boot aufzusuchen und alles fix machen. Doch ich scheue so schnelle Entschlüsse. Ich fahre zuvor noch in die Marina Taina, wo 300 Boote stehen und davon viele nach Crew suchen, hat man mir gesagt.

Ich packe mein Handfunkgerät aus, um auf Kanal 16 „All sailing yachts, all sailing yachts, all sailing yachts“ zu verkünden: „here is Volkmar, Volkmar, Volkmar, looking for a unpaid position as crew .... usw.“ Doch das Handfunkgerät streikt, die Batterie scheint leer zu sein. Im Ersatzteil-Shop gleich nebenan darf ich sie laden. Ich kann das Gerät kurz einschalten, doch schon ist es wieder weg. Morgen ist Generalstreik in Tahiti. Meine Funke bestreikt mich schon heute.

Was will mir das sagen? Ich gehorche und nehme den nächsten Bus zurück nach Papeete, gehe an die Lände zur „INFINITY“ und mache mit dem Michael alles fix: Ich werde am 25. Juni an Bord gehen. Die „INFINITY“ wird am 29. auslaufen zu den Tuamotus. Ein Filmteam wird an Bord sein und die totale Sonnenfinsternis, in der Südsee partiell erscheinend, filmen. Dann zurück nach Tahiti, nördliche Cookinseln, Samoa und schließlich Tonga. Tonga ist jener Archipel, wo viele Segler mit Ziel Neuseeland auf gutes Wetter warten.

Die „INFINITY“ http://www.infinityseatribe.com/infinity-sea-tribe.php erfüllt einen selbsterteilten Auftrag für den Umweltschutz. Die Crew-Mitglieder bekommen vor Ort die Situation der bedrohten Umwelt und der Auswege daraus gezeigt, erläutert Michael. Diese Leute können dann das Geschaute und Erlebte an Land in ihrer Erziehungsarbeit einbauen. Es gibt offenbar Experten an Bord und Unterrichtsmaterial. Als einst aktiver AKW-Gegner und später grüner Kaufmann bin ich auch als Referent willkommen an Bord der „INFINITY“.

Während ich in der Marina Taina so lange auf mein Funkgerät warte, lässt mich ein oberösterreichischer Alpenvorlands-Dialekt aufhorchen: Die Claudia kommt aus Losenstein im Ennstal. Ich unterhalte mich mit ihr und ihrem französischen Freund eine gute Stunde aufs Angenehmste.

Am Heimweg fasziniert mich eine Gruppe Frauen, die am Platz neben der Post, getragen von einer Trommel-Gitarrengruppe, choreographierte Tänze üben.

Aus der Kirche Notre Dame tönt Chorgesang. Die 8 Frauen und 5 Männer proben es auf polynesisch, sehr herzhaft und sehr laut. „Singet dem Herren eiheihein neues Lied“, singe ich herzhaft und laut mit.

Ein merkwürdiger, entspannt-ereignisreicher, guter Tag heute!

Volkmar

»

Das stimmt, liebe Tochter,

Das stimmt, liebe Tochter, lieber Schwiegersohn - reden wie der Schnabel gewachsen ist. Ja, jetzt wird NZ greifbar nahe. Ich freue mich auch auf euch und bin nun sch neugierig, wie sich meine Reise weiterentwickelt.
Vater, father in law und Volkmar

»

Austrian flagg is ready to greet you in NZ

Du bist ja nun wirklich auf dem besten Weg nach New Zealand. Ich kann dir deine Freude teilen Leuten zu finden ,die mit einem die "Sprache sprechen" , wie der Schnabel gewachsen ist. Wir wuenschen Dir gute Pause und Vorbereitung fuer die Zeit auf der Infinity..klingt gut. Hier ist Winter ...kalte Naechte und klare warme Tage.Unterkunft und Verpflegung ist fuer Dich gebucht im 'family Motel McTurk'..lass uns wissen was wir zu deiner Ankunft in NZ beitragen koennen. Wir freuen uns sehr. herzlich Sigrid und Chris

»

Freitag, 05. Juni 2010

Angekommen auf Tahiti

Um 6 Uhr früh musiziert mich mein Handy aus dem Schlaf. Ich liege im Cockpit. In der Kabine war es mir zu warm geworden. Hier im Freien musste ich mich einem Badetuch zudecken, um nicht zu frieren. Auf fast 18° geografischer Breite macht sich der Winter schon ein wenig bemerkbar. Es wird früh dunkel, so um dreiviertel sechs. Und um sechs Uhr früh erst beginnt die Morgendämmerung die Nacht zu brechen. Den Großen Wagen mit Deichsel und zwei Radachsen kann ich in der ersten Nachthälfte am nördlichen Sternenhimmel noch gut erblicken. In der zweiten Nachthälfte erinnern mich Schwan und Adler an den heimatlichen Himmel. Skorpion – zu Hause ist nur sein Stachelschwanz zu sehen, steht hier mitternachts im Zenith.

Das alles beobachte ich in den beiden Nachtwachen auf der Fahrt von Fakarava nach Tahiti. Der Wind hatte am Mittwoch in der Früh nachgelassen. Wir verlassen die friedliche Lagune an jener Öffnung des Inselringes, durch die wir vor einer Woche hereingekommen sind. Die starke Strömung des Wassers aus der Lagune ins offene Meer ist diesmal mit uns. Der Seegang nimmt zu, sobald wir uns aus dem Schutz des Atolls entfernen. Das Zwischentief lässt den Wind ganz einschlafen. Wir fahren die ganze Nacht unter Motor. Erst gegen Mitte des Donnerstags kommt eine Briese auf, die das Segeln gebietet und erlaubt.

Gestern sind wir in Papeete auf Tahiti angekommen. Genauer gesagt im Tahiti Yacht Club in Arue, 6 km östlich. Heute früh habe ich mein Boot verlassen und habe meine Herberge im Zentrum von Papeete bezogen.

Gemessen daran, dass 105 Tage wirklich eine lange Zeit gewesen ist, haben wir gut zusammengelebt. Ich denke, wir haben alle voneinander gewonnen. Wir konnten uns heute früh als Freunde trennen.

Jetzt bin ich also auf 149,5° geografischer Länge angelangt. Meine Zeitverschiebung gegenüber Österreich ist genau 12 Stunden. Jetzt, wo es gerade Mittag geworden ist, habt ihr in Mitteleuropa Mitternacht. Mit dem Datum hinken wir um 1 Tag nach, sobald es in Mitteleuropa über Mitternacht gegangen ist.

Ich werde hier sicher 1 Woche bleiben in meiner Herberge. Ich schlafe im Gemeinschafts-Schlafraum um etwa 20 Euro je Nacht. Im Gegensatz zum USD hat sich der hiesige XPF (Polynesische Franc) in seiner Relation zum € nicht geändert. Dennoch ist das langfristig zu viel. Ich hoffe, bald gefunden worden zu sein. So richtig ist noch nichts in Aussicht.

Hier ist alles sehr teuer. Aber nach den dreieinhalb Monaten, in denen ich viele Tage hindurch nur US$ 10 als Pauschale für das Essen abzugeben hatte, darf es auch mal etwas mehr sein.

Ansonst befinde ich mich in der Fülle. Dennoch passt der Gürtel immer noch am 4. Loch - eine Errungenschaft aus der Zeit meines Darniederliegens in der letzten Pazifiküberquerungswoche.

Jetzt schau ich mal in Papeete in den Hafen, um zu schauen, wo mein neuer Kapitän denn bleibt.

Volkmar

»

Montag, 31. Mai 2010

Wir segeln nach Tahiti – aber nicht heute,

denn heute hat es über 20 Knoten Wind. Da laufen Fahrtensegler nicht aus.

Ich kenne das von vor drei Jahren in Griechenland: Ich, mit einer gecharterten Yacht, warte ab, bis es unter 30 Knoten hat. Dann müssen wir raus, die Crew ist nicht mehr zu zügeln. Wir haben eine Woche Charter bezahlt, den Flug hin und her, weil wir segeln wollten, nicht um im Hafen zu relaxen. Der Franzose neben uns wiegt den Kopf. Nein, er bleibt im Hafen. Bei so viel Wind, da müsste man so viel Leine ziehen. Und er habe Zeit.

Eigentlich wollten wir ja schon am Sonntag auslaufen. Aber da ist uns am Samstag was dazwischen gekommen. Wir dinieren im nahen Snack-Restaurant an Land. Mit dem Dinghy motoren wir in der Dunkelheit wieder zum Schiff zurück. Wie immer, steigen Lynn und ich zuerst aus. Stu sucht nach der zweiten Leine, mit der wir das Boot nachts zusätzlich sichern. War es wirklich nur der halbaufgepumpte linke Schlauch des Dinghys oder hat auch der Rotwein, dem Stu zum Abendessen immer gerne zuspricht, mitgewirkt – jedenfalls liegt Stu plötzlich im Wasser. Der Einsatz seines, vor einem Monat verrissenen Schultergelenkes, hat den Sturz ins Wasser nicht verhindern können, dem Stu aber höllische Schmerzen bis in den nächsten Tag hinein zugefügt.

Wir nützen den so gewonnen Sonntag für kleine Reparaturen am Boot.

Heute beginnt mein Tag mit einem Spaziergang in die Richtung des Hotels zum weißen Strand mit dem Internet-Zugang. Eine sehr große Kokosnuss stellt sich mir mitten in den Weg. Die Prüfung ergibt, dass sie mit Wasser gefüllt ist – sehr köstliches Wasser wie ich nach eindringlicherer Prüfung bald genießen darf. Dazu weißes Gelly. Das ist ein guter Anfang.

Es geht ganz gut weiter: Im Weltreiseforum hat mir jemand Tipps gepostet über günstige Unterkünfte im teuren Tahiti und auf den anderen der Gesellschaftsinseln. Und noch eine gute Nachricht: Ein Eigner hat mich in einem Forum gefunden, wo ich mein Mitsegeln angeboten habe. Er will zu den Philippinen. Ein Stück gemeinsamen Weges wäre da schon drin. Aus der vorigen Crew ist einer ausgeschieden, weil er sich beim Öffnen einer Kokosnuss den Finger abgehackt hat. Ich werde also wachsam sein müssen, um mich nicht auch vorzeitig zu verstümmeln und als Mitsegler mich zu disqualifizieren.

Die Fahrt nach Papeete auf Tahiti wird zwei Nächte und einen Tag brauchen. Ein mächtiges Hoch bestimmt das Wetter hier. Es dreht – wie alle Hochs auf der Südhalbkugel gegen den Uhrzeigersinn. Da wo wir sind, bewirkt unser Hoch eine vorübergehende Verstärkung des Südostwindes, der hier grundsätzlich weht. Falls wir morgen auslaufen sollten, werde ich am Mittwoch in Papeete auf Herbergssuche gehen. Weil wir hier UTC - 10 haben, ist es gegenüber der MESZ erst 12 Stunden später so spät als in Österreich - das heißt vor Donnerstag gibt es von mir nichts Neues zu lesen, es sei denn, Illa, meine Webmasterin, bringt inzwischen den nächsten Bericht - Trinidad 2, Venezuela 1, Tobago 2 usw. - auf die Homepage.

Bis bald!

Volkmar

»

Samstag, 29. Mai 2010

Betrachtungen über Leben in den Dimensionen, Leben mit wenig Geld und das Lächeln aus dem ganzen Körper

Ich sitze nun wieder im Internetbereich des Hotels "Zum Weißen Strand", 7 km entfernt vom Hauptort Rotoava auf der Insel Fakarava, die wiederum zu den Tuamotus, Französisch Polynesien gehören. Ich bin noch nie vorher auf so einer Atoll-Insel gewesen. Hier leben die Menschen entlang einer 60 km langen Straße. Um zu definieren, wo jemand lebt, genügt eine einzige Angabe: die der Entfernung vom Hauptort. Die Menschen leben an einer Linie, "eindimensional".

Als Segler lebt man ausgesprochen zweidimensional, wie die Blattläuse übrigens auch. „Where is your position?“, tönt es über Funk zwischen unserer „Onda“ und befreundeten anderen Segelschiffen. Daraufhin tönen vom anderen Boot zwei Koordinaten: soundsoviele Grade, Minuten, Komma Süd und soundsoviele West. Alles klar damit. Um einen bestimmten Ort zu erreichen, wird dem Rudergänger seine Aufgabe mit einem Wert aus dem Vektor-System beschickt: „Kurs 205 magnetic“, nach 20 Seemeilen sind wir daundda. Dass wir natürlich immer auf der ziemlich genau kugelig gekrümmten Oberfläche der Erde segeln, lassen wir mal beiseite. Für unsere Seekarten hat Mercado vor ein paar hundert Jahren auch einen Weg gefunden, ungekrümmt sein zu dürfen.

Im krassen Unterschied dazu leben die Menschen in den Marquesas: Unglaubliche steile Berge sind dort dreiminsionaler Lebensraum. Die Angabe der dritten Koordinate, der Höhe, wäre zu Auffindung eines Ortes dann notwendig, wenn wir Höhlensysteme mit einbeziehen. Ansonst gibt die Höhe Information über die Dauer des Anstieges, oder über den Treibstoffverbrauch, oder über die Notwendigkeit des Anlegens von Schneeketten (nicht in den Marquesas).

Entlang einer Straße leben, oder auf einer Ebene sich ausbreiten oder Lebens-„Raum“ zu haben - was tut das mit Menschen?

Das Ambiente dieses guten Hotels kann ich sehr genießen. Eine sehr gelungene Architektur, finde ich. Dazu die sehr freundlichen Menschen an Rezeption und beim Service. Ich bin zwar zufrieden mit der Höhe meiner Pension, dennoch, so ein Hotel würde mich schon mittelfristig überfordern in meiner Zahlungskraft. So beglückwünsche ich mich, dass ich einen Weg gefunden habe, bei dem ich für's gleiche Geld 5- bis 10-mal mehr essen und nächtigen kann.

In diesem Hotel habe ich mir ein Fahrrad ausgeborgt - nein, ich brauche nichts bezahlen dafür, lächelt mir die Nathalie zu. Damit bin ich gestern bis ans Nordende der Insel geradelt. Ich habe meine Kunst im Erkennen guter Kokosnüsse, sowie das Tempo an Wasser und Gelly heran zu kommen beachtlich gesteigert. Außerdem habe ich zwei Leuchttürme besucht. Der alte aus Beton ist schon längst nicht mehr in Betrieb. Doch bei Tag ist er das erste, was der nahende Segler erspäht. Der neue, ein hohe Nadel aus Stahl ist bei Tag schlecht er zu erschauen, bei Nacht gar nicht. Außer Betrieb, steht in der Seekarte.

Ja, in French Polynesia nehmen die Menschen für ihre Dienste dem Gast ebenso viele Euros ab, wie in Euro-Ländern. Ich denke, ich werde in Tahiti entweder nicht lange bleiben, oder ich finde jemanden/mich findet jemand, mit dem ich meine Talente gegen Koje und Futter tauschen kann.

Aus diesem Anlass habe ich begonnen, mir ein paar Tonga-Seiten http://www.worldtrip.de/Tonga/Tonga-Tagebuch/Tongatapu_2/tongatapu_2.htm... im Weltreiseforum genauer anzusehen. Hier beschreibt ein mit vielen nützlichen Talenten ausgestattetes Paar – Martin und Astrid -, wie es mit ganz wenig Geld offenbar vorwiegend von dem lebt, was sie vor Ort mit ihren Talenten eintauschen können. Nein, so "herunter gekommen" (Ausspruch einer verständnislosen Freundin der beiden) wie Martin und Astrid bin ich auf meiner Reise noch nicht ;-). Das hat mit meiner Pension zu tun. Anstelle das Leid eines Studierenden noch länger auf mich zu nehmen, habe ich mir das Leid dessen angetan, der für irgendwelche unbekannten Menschen technisch interessante Anlagen macht. In den letzten 20 Erwerbsjahren als ich mir als "grüner" Kaufmann meinen eigenen Kaufmannsladen 1:1 geschenkt habe, bin ich zwar finanziell herunter gekommen. Nun fühle ich mich wie Hans im Glück, plus Pension am Monatsende.

Das Weltreiseforum http://www.worldtrip.de/ von Astrid und Martin zu besuchen finde ich sehr lohnend – egal ob du vom Reisen bloß träumst, konkret was planst, auf einer bist oder das Reisen hinter dir hast.

Das im Hotel entliehene Fahrrad ist über Nacht gestohlen worden. Das hat mir, Hans im Glück, eine beschauliche Fußwanderung über 7 km vom Dorf bis hierher geschenkt. Ich habe gewechselt zwischen der bewegten Pazifikseite und der stillen, grünlich leuchtenden Lagunenseite. Eine Kokosnuss hatte ich innerhalb 5 Minuten trinkfertig. Das süße Gelly war in weiteren 5 Minuten freigelegt. Mein Kokosnuss-Öffnungs-Talent ist immer noch steigerungsfähig, wie ich bemerke. Was wird wohl die schöne Nathalie von der Rezeption - sie versieht ihren Dienst barfuß bis zum Knie, dann wieder ab Höhe der Achseln, wunderschöne braune Haut und ein herzliches Lächeln aus ganzem Körper - dazu sagen, wegen dem Fahrrad?

Volkmar

»

Donnerstag, 27. Mai 2010

Schlechte Zeiten für gute Früchte und für mich

Wie ich vorhin meinen Laptop aus dem Rucksack hole, weiß ich, warum es beim Einpacken so süß nach Mango gerochen hat: Mit dem Laptop ziehe ich den Teil einer dieser, nun leider vermusten Früchte hervor. Ich bin heute lobenswert gut gerüstet, denn den Laptop hatte ich beim Einpacken im letzten Moment noch in seine feuchtigkeitsfeste Hülle gegeben, und – ich habe saugfähiges Papier für Notdürfte aller Art mit mir.

Gestern Abend mache ich einen ersten Erkundungsspaziergang auf der im Tuamotu-Atoll liegenden Insel Fakarava. Ich suche mir eine junge, gutaussehende Kokosnuss, begehre ihr Fleisch und ihr Wasser und beginne sie zu öffnen. Nach 10 Minuten Schwerarbeit habe ich ein Loch in der harten inneren Schale aufgebrochen – sie ist trocken und leer.

Vier Tage und vier Nächte sind wir von der Marquesas-Insel Oa Pou hierher gesegelt. Am Morgen des vorletzten Tages wird die wachhabende, stets vorausschauende Lynn von einer von hinten gekommenen Regenfront überrascht. In der Folge entgleitet ihr das Ruder und das Boot gerät in arge Schräglagen. Das trägt ihr eine heftige Rüge des Kapitäns ein. Die Rüge flammt am Abend neuerlich auf, was aber weniger mit der Sache zu tun hat, als mit dieser Kiste, die sich das Ehepaar auf’s Boot mitgenommen hat. Zu Mittag merke ich, dass meine allerletzte, allergrößte, vermutlich allerbeste Pampelmuse während einer der starken Schräglagen nach backbord ins Meer gefallen sein muss. Das Obst- und Gemüsenetz am Heck des Bootes ist jetzt jedenfalls leer.

Es gibt manchmal eine Pechsträhne, da muss man eben durch. Alle guten Dinge mögen 3 gewesen sein. Es gibt Zeichen, dass sich die Zeiten bereits geändert haben:

Im Kühlschrank gibt es noch die Kalotte einer fleischhältigen Kokosnuss. Mit einem Messer schabe ich das Weiße aus der Schale. Damit erhält das Kokosfleisch jene Gestalt, in der die Lynn sie für ihre köstlichen Muffins und Kuchen benötigt. Die Muffins sind gelungen. Ich habe sie zum so genannten „Frühstück“ bekommen. Ein Kokoskuchen war zu Redaktionsschluss dieses Berichtes noch im Rohr.

„So genannt“ von mir deshalb, weil wirklich früh ist dieses Stück um 9 Uhr 30 nicht. Die Anglophonen sagen wohl deshalb auch gar nicht Earlypiece dazu, sondern Breakfast – eine Unterbrechung des Tagwerkes mit Fast, was von Fastfood kommen könnte. Das Frühstück an Bord – wenn ich mir nicht selber was Ordentliches, Zeitliches zubereite – ist immer so was Vages, Unbestimmtes, Nebensächliches. Wann wird es heute eines geben? Wird es überhaupt eines geben? Dann sitzt irgendwann jeder in einer Ecke mit zwei Sandwicherl und spachtelt scrambeld Eggs von einem Tellerchen. Manchmal ist es Haferflockenporretsch oder ein Omletterl. Den Kaffee gibt es schon vorher, und nachher noch einmal.

Wenn ich da an die Frühstücke im Waldhaus meiner Schwester und meines Schwagers denke, oder in der Mühle von meinen Freunden Friedl und Werner – das sind immer Feste, das festigt so richtig am Tagesanfang! Da gibt es was zu erzählen und zu betrachten. Oder so ein zweisames Frühstück, so richtig mit Kerzenlicht und feiner Musik. Oder auch so ganz alleine am sauber gedeckten Tisch. Ohne mit den Anglophonen wertend vergleichen zu wollen – ich glaube, da fehlt mir manchmal einfach meine Tradition. Ich sehne mich nach Frühstücken am Festland, wo ich weitgehend selbstbestimmt wählen kann zwischen einer Unterbrechung des Tagwerkes oder einem Fest zum Tagesanfang.

Morgen werde ich frei wählen können zwischen einem Landgang zu Fuß, oder mit einem geliehenen Fahrrad, oder per Anhalter. Die Insel ist die verlandete Hälfte eines riesigen Ringes von Korallen. Die andere Hälfte dieses „Atolls“ ist noch nicht ausreichend verlandet, dass darauf Menschen leben könnten. Innerhalb des Ringes ist die Lagune. Unsere Insel ist ein eher rechteckiger Ring mit ca 70 km Länge und 20 km Breite. Das Land, auf dem Menschen leben, ist kaum breiter als 300 m, aber 100 km lang, teils unterbrochen. Mehr darüber in Wikipedia (siehe Artikel „Atoll“) und im nächsten Bericht.

Volkmar

»

Montag, 17. Mai 2010

Letzte Tage in den Marquesas

Taiohae ist die Hauptstadt des Marquesas-Archipells, schrieb ich vor ein paar Tagen. Das stimmt nur teilweise. Taiohae sieht nicht aus wie eine Stadt. Es gibt keine Straßenschluchten, keine Wohn- oder Büro-Blocks. Es ist eine Gartenstadt. Jedes Haus hat Garten, Blumen und Bäume um sich. Es gibt fast nur Erdgeschoß. Bloß Gendarmerie, Hospital und ein paar andere Häuser haben ein einziges Obergeschoß. Ich habe mich mehr als 1 Jahr in der Karibik, dann in Venezuela, Kolumbien und Panama, gewöhnt an die hohen, mit Stacheldraht gekrönten Zäune, an die schwer bewaffneten Polizisten, die vielen Security-Leute in den Geschäften, auf den kleinsten Baustellen und in den Banken, an den Dreck auf und neben den Straßen, an das ständige auf der Hut sein, ob dir nicht jemand was aus den Taschen zieht. Bettelarme Menschen lungern und hungern dort herum, obwohl das Klima – wie hier - alle Voraussetzungen hat, um die Menschen reichlich zu sättigen. Es herrscht dort permanenter Kleinkrieg unter den Menschen. Der Fremde kann sich dem nicht entziehen.

Hier in Taiohae sind die Straßen und Hausgärten so sauber wie zuvor schon auf den anderen Inseln der Marquesas bestaunt. Die Zäune, wenn überhaupt vorhanden, deuten an, wo das Privatgrundstück beginnt. An den Einfriedungen des Eigentums ist die Friedfertigkeit der Menschen abzulesen, hat mir vor langer Zeit einmal ein alter Mann verreaten. Ich finde das hier bestätigt.

Am Samstag sind wir 5 sm weiter nach Westen gesegelt in die Bucht Taioa, auch Hakatea genannt. Während wir an der Südküste von Nunku Hiva entlang segeln, lasse mich verzaubern von den steilen Felsen an der Südküste der Insel Nuku Hiva. Sie sind durchfurcht von steilen Graten und tiefen, fast senkrechten Schluchten. Ganze Felspartien sind überhängend. Die Sonne steht etwa 20° im Norden. Das ergibt ein faszinierendes Spiel von Licht und Schatten.

Die Bucht ist dreiteilig. Im mittleren Teil gehen wir vor Anker. Von hier aus kann man nicht auf’s offene Meer hinaussehen. Wir sind umgeben von steilen, hohen, zerklüfteten Felsen an der Westseite. Die Felsen im Süden sind niedriger, aber nicht weniger schroff, spitz und steil. Im Osten erheben sich sanfte, mit leicht grünem Gesträuch bewachsene Hügel Sie trennen uns von der östlicher gelegenen Bucht. Und nach Norden hin weitet und verflacht sich die Bucht, endend mit einem Sandstrand. Dahinter 10 Palmen, ein paar Obstbäume mit Pampelmusen und Mangos. Hier steht „Daniels Hütte“.

Wie ich mit dem Dinghy lande und mich abmühe, es vor dem steigenden Wasser am Strand hoch zu ziehen, kommt der Mann von der Hütte herzu und hilft mir. Er lädt mich ein, an seinem Tisch Platz zu nehmen. Sein Name ist Tangi, stellt er sich vor. Er lebt hier im Paradies, eröffne ich das Gespräch. Ja, das findet er auch, sagt er. Seiner Frau gefalle das leider nicht so. Sie ist Chinesin aus wohlhabenden Verhältnissen und lebt mit der gemeinsamen Tochter in Papeete. Ich frage ihn nach einem Wanderweg in der Bucht. Ich finde einen auf die sanften Hügel. Von oben kann ich auf die andere Seite, in die östliche Bucht hinunter schauen. Wie ich wieder zurückkomme, hat Tangi einen Sack mit 10 der riesigsten Pampelmusen für mich bereitgestellt. Nein, er will kein Geld dafür. Ich frage ihn nach Wasser für unser Schiff. Ja, hier ist der Anschluss. Es kostet nichts, aber er nimmt gerne was im Tausch an. Das Tauschen hat hier was Vornehmeres, wahrscheinlich aus einer ungebrochenen Tradition heraus. Unter Freunden wird getauscht, nicht gekauft. Das scheint mir hier Gepflogenheit zu sein. Beim gemeinsamen Sundowner auf der „Australia 31“ ist auch Tangi zu Gast. Wir erfahren, dass er der Eigentümer der drei Buchten ist. Seine Familie umfasse 1000 Leute. Ich frage ihn zum Spaß um die Namen dieser Verwandtschaft, was er aber heiter ablehnt. Seine Familie sei sehr groß, sagt er, denn es sei eine „kingfamily“.

Am Sonntag lass ich mich von Stu in die westliche Bucht absetzen. Ich mache dort eine kleine Runde, lass mich verführen von einer großen Kokosnuss, sie anzubohren und ihr köstliches Wasser zu trinken. Dann will ich auch noch an ihr weißes Fleisch heran. Das ist mein Lunch an diesem Tag.

Wir werden morgen, Dienstag, den 18. Mai die Marquesas-Inseln verlassen und zu den Tuamotous segeln. Das braucht 4 Tage und Nächte. Es könnte sein, dass ich dort kein brauchbares Internet vorfinde, sodass ich hier im Tagebuch mich erst Anfang Juni aus Tahiti wieder melde.

Volkmar

»

Lieber Volkmar und alle LeserInnen dieses Tagebuchs

die technischen probleme die dazu geführt haben, dass sehr lange keine neuen bilderberichte auf Volkmars website erschienen, sind endlich behoben. In der nächsten zeit werden also immer wieder neue berichte zu lesen sein.
Den anschluss finden Sie bei den berichten über tobago.
http://segelnumdiewelt.at
Lieber Volkmar, ich wünsche dir ein schönes ankommen auf tahiti und freue mich, dass jetzt endlich wieder alles klappt,
liebe grüße,
illa (webmaster)

»

Auf der anderen Seite unserer Welt

Hallo Volkmar,

bei deinen Zeilen bekommt man richtig Lust, ebenfalls einmal in dieser wunderbaren Inselwelt herumzusegeln. Ein bisschen mühsam würde zwar die Anreise sein, selbst mit dem Flugzeug.... Gibt es dort überhaupt so etwas wie Charterstationen? Wie sind die Preise? Welche Boote sieht man?

Ich kann es nur zu gut verstehen, dass ihr euch nicht beeilt, weiter zu kommen, sondern das Hier und Jetzt genießt. Ist deine Skipperin schon wieder freundlich zu dir, auch wenn du ihre köstlichen Dosen verschmähst? :-)

Bei uns hat es derzeit gerade einen Kaltwettereinbruch, aber dennoch sprießt schon überall das frische Grün!

Liebe Grüße,
Max

»

Lieber Max!

Ich werde Anfang Juni auf Tahiti landen und hoffe auf eine mehrwöchige Pause an Land. Da werde ich mich umschauen, wegen Charter. Ich denke aber, dass österreichische Charter-Agenturen da auch hilfreich sein könnten. Fliegen hierher wird man wohl von Paris aus ziemlich direkt können. Aber es ist teuer, umweltbelastend und - schön kann es überall sein auf der Welt. Wichtig ist es, dass man die eigenen Antennen auf die entsprechenden Frequenzen eingestimmt hat. Aber wem sage ich das! ;-)
Herzlichen Gruß!

Volkmar

P.S: Im Jänner 2011 habe ich bereits 2 Anmeldungen für Charterwochen in NZ - wenn du dich bald entscheidest, gibt es noch Platz für dich - und für alle, die zu dieser Zeit gerade in NZ sind!

»

Freitag, 14. Mai 2010

Wie kommt das Wasser in das Dieselöl?

„I like Diesel“ beteuert Stu. Wir haben 3 „Drums“, das sind so Kanister mit 20 Litern Inhalt, aus der „Lazarett“, das ist die hinterste Kiste am Deck des Schiffes, hervorgeholt. Die sind in Galapagos gefüllt worden. Nun wollen wir sie in den Tank der „ONDA“ umfüllen. Ein erfahrener Fahrtensegler wie Stu lässt nie Diesel in den Tank rinnen, ohne ihn zuvor zu filtern. Stu’s Filter ist ein Trichter, in dessen Mitte sich ein senkrechter Zylinder befindet. Der ist aus sehr feinmaschigem Drahtgitter gebildet. Da geht nicht einmal das Wasser durch, nur das Dieselöl mit seinem kleinen Kopf.

Der Füllstutzen für den Schiffstank befindet sich am Heck und ist von außen – wo normalerweise der Tankwart mit Schlauch und Füllventil aufwartet – gut zugänglich. Vom Ruderstand aus sind da einige Konstruktionselemente im Weg. Wir stellen den Kanister erhöht auf, stecken einen Schlauch hinein. Mit einer Handpumpe wird der Durchfluss gestartet. Dann rasch die Pumpe wegnehmen und der Schlauch arbeitet alleine durch die Schwerkraft (Heber-Wirkung). Im Kanister bleibt ein Rest von 3 Litern. Den füllen wir in den nächsten Kanister um, sobald auch dieser gestartet ist und Platz hat. Den Rest des 3. Kanisters fülle ich von Hand ein. Wie wir fertig sind, haben wir jede Menge Dieselöl an Armen, Händen, Beinen und Füßen. Diesel im Cockpit, an Deck und an der Schiffsaußenseite. „I like Diesel“, schließe ich mich Stu an.

Das Filtern hat sich gelohnt. Es bleibt aus 60 Litern Diesel ½ Liter Wasser zurück. Sowas kann einen Motor zum Stehen bringen, wenn es in den Tank gerät – und der Wasserfilter in der Kraftstoffzuleitung zum Dieselmotor nicht gewartet worden ist.

Mir ist vor 3 Jahren mitgeteilt worden, dass ein Boot, das ich in der Woche zuvor gechartert hatte, 3 Minuten nach dessen Auslaufen mit der Nachfolgecrew zum Stehen gekommen ist. Grund für den Motorausfall sei Wasser im Treibstoff gewesen. Man hatte mir vorgehalten, ich hätte Wasser in Dieseltank gegeben. Ich war mir keiner Schuld bewusst. Es war mir völlig rätselhaft, wie so viel Wasser (man sprach von 50! Litern) in den Tank kommen konnte, wo wir doch nur 40 Liter nachgetankt hatten. Ich konnte der Schadenersatz-Forderung nur dadurch entgehen, dass ich dem Bankeinzug, den das Charterunternehmen (Pitter) gegen meinen Protest vorgenommen hatte, widersprochen habe. (Hätte ich die Kaution bar und nicht über Kreditkarte erlegt, hätte ich um die 1200 Eure prozessieren müssen).

Heute weiß ich, dass immer ein wenig Wasser im Dieselöl sein kann. Viele Charterskipper vor mir und auch ich könnten solchen Diesel getankt haben und – niemand hat je das Wasser am schiffseigenen Wasserfilter abgelassen. Das macht der Vercharterer.

Wie kommt nun Wasser in das Dieselöl? Wenn einem Behälter Diesel entnommen wird, strömt Umgebungsluft nach. Ist die Temperatur im Dieseltank erheblich niedriger als es die Temperatur der Luft zuvor gewesen ist, fällt Kondenswasser an und in das Dieselöl. Jedes Umfüllen birgt die Gefahr, dass Wasser in das Öl gerät. Das beginnt wahrscheinlich schon im Tankwagen, wenn er in der Raffinerie Öl tankt. An der Tankstelle und in Zwischenabfüllungen wiederholt es sich. Diese Erkenntnis ist mir in keiner Segelschule zuteil geworden. Kein Charterskipper weiß davon, denn normalerweise lässt das Wartungspersonal des Vercharterers das Wasser rechtzeitig ab.

Bei einem Fahrtensegler, der ja immer zugleich auch Eigner ist, ist alles einfacher: Er ist immer für alles selbst verantwortlich. Das macht schlau! Auf meiner Reise lerne ich manches dazu. Da gäbe es noch vieles zu berichten.

Volkmar

»

.

.

»

Dienstag, 11. Mai 2010

Ich bin in Taiohae, auf Nuku Hiva angekommen Taiohae ist die Hauptstadt von den Marquesas-Inseln. Die wieder gehören zu Französisch Polynesien, für das Papeete auf Tahiti die Hauptstadt ist. Dort wollen wir - meine australisches Eignerpaar Stu und Lynn, sowie ich - Anfang Juni eingetroffen sein. Es ist französisches Übersee-Departement. Die Leute hier sind französische Staatsbürger, somit auch EU-Bürger. Doch es gilt nicht alles so, wie in der EU: Man zahlt mit Polynesischen Franc, ich darf mich hier nicht frei niederlassen, die Polynesier dürfen es auch nicht in der EU.

Die Leute sind hier sehr offen gegenüber den Fremden. Man reicht mir die Hand und stellt sich vor, bloß weil ich 5 Minuten dem Botscha-Spiel der Männer zuschaue. Ein Mann pflückt mir 4 riesige Pampelmusen vom Strauch, 6 weitere darf ich mir vom Boden auflesen. Das sorgt - so hoffe ich, für ausreichend Vitamine und andere lebensbeglückende Stoffe. Eine Kokosnuss trinkfertig mit meinem Taschenmesser zu öffnen beansprucht inzwischen nur noch 23 Minuten - schweißtreibende Minuten. Im Kokosnusswasser vermute ich lebensfreundliche Inhaltsstoffe. Jedenfalls schmeckt und bekommt es mir sehr gut.

Nach einer Woche Bauchweh und Leberschmerzen - Herkunft nicht ganz geklärt - geht es mir wieder gut. Mein Kapitän und Chief berücksichtigt - soweit er es erfasst hat - meine Essensbedürfnisse. Ich erkläre mich für zu alt, um zu alte Eier oder Hühnchen zu essen und kauf mir frisches Obst, Kartoffel und Tomaten selbst. Seine Frau schaut böse und denkt wohl, ich solle die Konserven-Kost, das "Worst-Case-Food" essen, denn nach Australien dürfen keinerlei Nahrungsmittel eingeführt werden. Da ich aber gelernt habe, nicht bloß deshalb was durch den Körper zu ziehen, weil es sonst in den Abfall kommt, habe ich die vorwiegende Versorgung mit Can-Food abgelehnt, und meine Absicht bekundet, andernfalls mich selbst zu versorgen und zu bekochen, oder das Schiff zu verlassen. Aus heutiger Sicht werde ich das Schiff planmäßig in Tahiti verlassen. Zuweilen koche und versorge ich mich selbst. Es würde meine Eigner in arge Verlegenheit bringen, würde ich das Schiff jetzt verlassen - und mich auch. Die Onda ist unter der Voraussetzung versichert, dass immer drei Leute an Bord sind (wenn es ausläuft). Ich müsste hier im von Seglern weniger frequentierten Nuku Hiva auf Mitsegelgelegenheit warten. Stu zeigt sich sehr kooperativ und an meinem Wohlergehen interessiert. Das ziehe ich jetzt durch.

Dieses Wahren der eigenen Grenzen ist die größere Herausforderung bei meiner Art des Reisens. Das Segeln hingegen ist eine ziemlich stresslose Geschichte. Bloß bei An- und Ablegemanövern, da scheint mir mein Chef so richtig stressfreudig zu sein, als ob er richtig Lust hätte, sich in einem hohen Adrenalinspiegel zu baden.

Wir werden hier auf Nuku Hiva sicher ein paar Tage bleiben. Näheres, Tagakuelles wieder hier im Tagebuch.

Volkmar

»

Samstag, 01. Mai 2010

Vor und auf der Insel Tahuata

Der Canal Haava, an anderer Stelle auch Canal du Bordelais genannt, ist etwa 2,5 Seemeilen breit. Er trennt die Insel Hiva-Oa von der südlicher gelegenen und viel kleineren Insel namens Tahuata. Hier leben 600 Menschen in 4 oder 5 Dörfern. Von Nord nach Süd verläuft eine 450 m hohe Gebirgskette.

Wir verlassen die Insel Hiva-Oa am Donnerstag, dem 29. April und segeln 5 sm südwärts. Dann biegen wir nach Osten ab in den Canal Haava. An unserer Backbordseite zieht die Insel Tahuata vorbei. Ich kann mich kaum satt sehen an den steilen Felsabstürzen. Manchmalsind sie begrünt in vielen Farbschattierungen, zumeist sind es sehr helle Grün. Dazwischen wieder Sandbuchten mit Palmenhainen. Sie reichen oft weit in die Hänge hinauf. Ich versuche immer wieder mit dem Fotoapparat den Augenblick festzuhalten – was freilich nicht möglich ist. Ein Foto ist nicht viel mehr als ein gehabter Blick durch’s Schlüsselloch.

Wir umkreisen die Insel im Norden entgegen dem Uhrzeigersinn. Die Buchten an der Westseite sind die ruhigeren, denn denn der Südostpassat ist der vorherrschende Wind. In der südlichern Bucht gehen wir vor Anker, gleich neben der „Australia 31“. Ich schwimme gleich mal ans Ufer und lande unter einem Mangobaum. Es ist diesmal die kleinere gelbe Sorte. An die zehn Früchte finde und verzehre ich. Mit 2 Kokosnüssen kehre ich zur „Onda“ zurück. Hier hilft mir eine Bohrmaschine, an das begehrte Wasser in der Nuss heranzukommen.

Am nächsten Tag mache ich einen „Wirtschaftsausflug“ ins nahe Dorf und hinauf auf einen Sattel in der Gebirgskette. Ich kehre mit 20 grünen Papayas im Plastiksack heim. Die grünen Früchte werden von Einwohnern hier gekocht und wie Kartoffel gegessen. Das wird unsere Küche bereichern.

Dann noch ein Schnorchelausflug ans Ufer. Peter von der „Australia 31“ schnorchelt hier bereits herum. Er zeigt mir kleine Höhlen, wo im Schutz eines Seeigels – es gibt hier drei Sorten – eine Muschel lebt. Ein riesiger Seestern, in Form und größe eher einem etwas flachgedrücktem Fußball gleichend, liegt lose auf einem Felsvorsprung. Und dann die vielen bunten Fische: die Gelbgestreiften, die Schwarzgelbgetupften, dazwischen die farblos Grauen. Sie nuckeln an den Felsen herum. Riesige Schwärme von schlanken, silbrigen Fischen umschwärmen mich. Und dann die kleinen Ultramarinblauen. Sie leuchten in einer unglaublichen Intensität. Die Korallen sind hier sehr klein und eher spärlich vorhanden. Es heißt, dass die Marquesasinseln zu jung sind, um von großen Korallenriffen umgeben zu sein. Dort wo das Ufer aus mächtigen, gerundeten Steinen besteht und flacher ist, bilden die heranbrandenden Wellen starke Strömungen. Es macht Spaß, sich davon hin und her spülen zu lassen.

Heute, am Tag der Arbeit, wird gearbeitet auf der Onda. Stu hat die Nähmaschine ausgepackt und näht am Bimini (das ist das Sonnendach über dem Steuerstand) allerlei nach. Die Sonne setzt den Fäden, mit denen alles zusammengenäht ist, mächtig zu. Lynn reinigt den Bootsrumpf über Wasser und, soweit der Arm reicht, auch unter Wasser. Ich putze die Fender. Dann gehe ich mit Schnorchelmaske und Flossen ins Wasser und mache mich am Unterwasserschiff zu schaffen, wohin der Arm von der Wasseroberfläche nicht reicht.

Volkmar

»

Mittwoch, 28. April 2010

Es geht wieder weiter

Stu, mein Kapitän auf der australisch beflaggten SY „ONDA“ will morgen zur Nachbarinsel Tahuatu segeln. Das sind gerade ein paar Seemeilen. Es wird dort, wie auf den meisten anderen Inseln, kein Internet geben. Daher keine Sorge, wenn ich mich nun ein paar Wochen nicht melde. Über das WINLINK an Bord habe ein paar Mal meiner Tochter einen Bericht geschickt fürs „Tagebuch“. Das WINLINK arbeitet über Kurzwellen-Frequenzbänder der Amateurfunker. Es ist leider nicht sehr betriebssicher. Ich werde es daher künftig nicht nützen können.

Längst überfällig sind ausführliche, bebilderte Berichte über die „Aktuelle Reise“ von Trinidad über Venezuela, Kolumbien bis Panama. Meine Webmasterin hatte einige Probleme zu meistern. Ich freue mich schon sehr darauf, wenn sie alles in Gestalt und Form gebracht hat.

Die Alternative für mich, hier an Land zu leben, erweist sich als sehr teuer. Es herrschen hier in vieler Hinsicht sehr europäische Verhältnisse – so auch die Preise in den Hotels. So Billig-Herbergen wie in Venezuela und Panama habe ich hier noch keine gefunden.

Die Menschen auf der Straße hier sind sehr offen und freundlich. Gestern mache ich mich im Park vor der Kirche unter einem riesigen Mangobaum zu schaffen. Es locken mich ein paar riesige, sehr reife Früchte. Mit meinem Messer gelingt es mir, Angeschlagenes und die Schale zu entfernen. So süß wie diese Früchte habe ich zuletzt welche in St. Lucia vorgefunden – paradiesisch! Da kommen vom anderen Ende des Parks zwei Halbwüchsige auf mich zu. Sie reichen mir zwei von den wunderbaren Mangos, einfach so, als Geschenk für mich. Ich fühle mich sehr willkommen bei den jungen Menschen. Das war mein Mittagessen. In der Kirche halte ich dann meinen ganz einsamen Dankesgottesdienst.

Es hat hier nicht den Anschein, dass die Menschen hier gegenseitig oder den Fremden gegenüber in einem ständigen Stellungskrieg stehen: Kein Stacheldraht auf den Zäunen, fast gar keine Zäune. Keine vergitterten Fenster, keine vergitterten Verkaufstische mit kleinen Durchreichen, keine Sicherheitsleute vor und in den Banken und Geschäften. Es fällt auf, dass es auf den Straßen und vor den Häusern sehr sauber ist, vergleichbar mit mitteleuropäischen Verhältnissen.

Ich frage mich, woher diese Unterschiede kommen. Die Hitze alleine kann es nicht sein, dass die in Äquatornähe lebenden Menschen offensichtlich mehr zu Kriminalität und Schmutz neigen. Zum Unterschied zur Karibik, sind diese Menschen hier nicht ihrer Tradition beraubt worden. Sie sprechen „ihre“ Sprache. Sie schreiben sie inzwischen mit lateinischen Lettern. Wie ich in Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Marquesas-Inseln) lese, hat die Eroberung der Insel so richtig erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts stattgefunden. Die Christianisierung wurde erfolgreich durchgedrückt, wobei letztlich die katholischen Missionare gegenüber protestantischen Kollegen die Nase vorne behielten. Die Figuren und Symbole der früheren Religion genießen Ansehen und Würde im öffentlichen Straßenbild.

Ich sehe mit Neugier und Freude den nächsten Wochen entgegen, die mich diesen freundlichen Menschen noch viel näher bringen werden.

Volkmar

»

Gott sei Dank, der Volkmar ist nicht untergegangen!

Hallo Volkmar,

ich hatte die letzten Tage immer wieder auf deine Website geschaut, denn nach meiner Berechnung hättest du dich ja schon vor einigen Tagen melden müssen. Wetterumschwung? Gegenwind? Schiff gesunken?

Jetzt lese ich, dass ihr ja schon vor einigen Tagen in Fatu-Hiva gelandet seid und es euch in den Buchten gemütlich gemacht habt. Willkommen am Festland! Ich freue mich, dass alles gut gegangen ist.

Liebe Grüße,
Max

»

Lieber Max!

Vielen Dank, für deine aufmerksame Begleitungen. In deine Berechnungen ist nicht eingeflossen - auch mir ist es neu gewesen - dass es auf Fatu Hiva kein Internet gibt. Das WINLINK an Bord (arbetet über Kurzwelle) war zuletzt nicht verfügbar.
Ich sitze hier am Postamt im Internetbereich. Alles um mich schwankt, nach jeder Nacht an Bord aufs Neue. Die Alternativen für Zeit an Land sind sehr teuer - hier herrschen europäische Preisverhältnisse. Mal sehen. Herzlichen Gruß!
Volkmar

»

Dienstag, 27. April 2010

Ich bin nun auf Hiva-Oa angekommen

Die Fahrt über den Pazifik hat 3 Wochen gedauert. Ich bin zuletzt etwas krank gewesen. Ich nehme an, dass ein verdorbenes Hühnerfleisch Auslöser war.

Am Freitag sind wir von der Bucht Omoa zunächst in die nächste Bucht namens Hanavava übersiedelt. Da habe ich an zwei Tagen zwei ausgedehntere Wanderungen gemacht, eine zu einem Wasserfall, die andere auf einen Berggipfel von ca 800 Metern. Vorgestern, am Sonntag, gab es zuerst Lunch am Strand, dann Volleyballspiel mit Einheimischen und Seglern. Anschließend wunderbares Frisbee spielen, bis es dämmrig wurde. Dann waren 2 Einheimische mit Gitarren da, andere sangen und trommelten dazu. Es war ziemlich voller Vollmond. Ich habe getanzt für mich alleine und mit anderen. Dann Frisbee bei Mondschein. Und schließlich "Heimfahrt" von der Bucht hinaus zu meinem Schiff, das - wie alle Segelschiffe - in der Bucht vor Anker liegt.

Gestern, Montag, sind wir 45 Meilen nach Norden gesegelt in die Bucht Tahuku der Insel Hiva-Oa. Hier werden wir morgen einklarieren. Ich werde mir in der Apotheke was besorgen, das meine Verdauung mal in Bewegung setzt. Da habe ich ein großes Problem damit an Bord. Dann ausgiebig Internet schauen und herumsurfen.

Volkmar

»

Sonntag, 25. April 2010

Angekommen in Französisch Polynesien

Am Mittwoch, dem 21. April, nach 21 Tagen und 2 Stunden sind wir in der Bucht Omoa von Fatu-Hiva vor Anker gegangen. Ein paar Bootslängen weiter liegt bereits „Australia 31“, das Boot von Bernie und Yvonne, den australischen Freunden meines Eignerpaares. Wir heben das Schlauchboot (Dinghy) vom Vorschiff ins Wasser.

Gegen Abend fahren wir an Land damit. Das stehen auf festem Boden ist für meine Gleichgewichtsorgane so was von unglaublich, dass ich wirklich Mühe habe, nicht umzufallen. Ich treffe hier gleich mal auf Heinz, dem Burgenländer. Ihn habe ich zuerst in Trinidad kennengelernt und dann wieder in der Shelterbay-Marina in Panama wiedergesehen. Er ist – wie die meisten hier – in Richtung West unterwegs. Wir werden uns noch öfter sehen.

Es gibt ein kleines Geschäft. Da decke ich mich mit Kartoffeln ein, gutem Trinkwasser und ein paar Keksen. An der Pier hat jemand eine riesige Pampelmuse liegen gelassen. Drei Männer, die da gerade Feierabend machen, laden mich ein, mir die Pampelmuse anzueignen.

Am nächsten Tag mach ich alleine eine kleine Wanderung entlang der Straße, die auf den Hang links hinaufführt. Wieder muss ich mich mit großer Mühe auf den Beinen halten. Ich gehe ganz langsam, Schritt für Schritt. Meine Magenschmerzen sind nun vergangen, aber ich spüre, dass die Leber noch sehr mitgenommen ist, das heißt, ich bin ein wenig kraftlos. Ein Baum lädt mich ein, an seinem Fuß Platz zu nehmen. Ein Auto kommt vorbei. Es hält an. Ich verstehe „promenare“ und nicke. Woher ich komme, will man von mir wissen. Auch das bringe ich noch hinüber. Dann ist es ziemlich aus mit der Unterhaltung. Freundliches Winken und ich bin wieder allein.

Am Weg ins Tal treffe ich eine Kokosnuss. Es gelingt mir mit dem Messer sie anzubohren und das Wasser zu trinken. Dann entferne ich von der Nuss die widerspenstigen Kokosfasern und es geling mir, sie auf einem Stein in 2 Teile zu zerschlagen. Nun schäle ich das weiße Kokosfleisch heraus und lass es mir schmecken.

Im Dorf angekommen begegnen mir erst meine Gastgeber Stu und Lynn. Yvonne ist auch dabei. Sie hat ein fabelhaftes Organisationstalent: Sie schleppen Bananen, Brotfrüchte und riesige Pampelmusen zum Schiff. Da kommt Bernie daher. Wir wechseln ein paar Worte. Auf einmal steht ein Polizist unter uns. Er will unsere Reisepässe. Die haben wir am Schiff. Ob wir bereits einklariert hätten? Nein? Dann aber schnell aufs Boot! „Allez“ und „maintenant“ höre ich. Er eskortiert uns richtig bis zum Dinghy. Sofort abfahren zur Insel Hiva-Oa, denn nur dort können wir einklarieren, befiehlt der Polizist. Wir müssen noch auf Peter warten. Er ist Crew auf der „Australia 31“ und befindet sich auf einer ausgedehnten Wanderung in den Bergen von Fatu-Hiva. Der Polizist hat ihn nach 2 Stunden aufgespürt und zur Bucht gebracht. Dann hat der Beamte Dienstschluss. Wir bleiben noch die ganze Nacht und bis nächsten Tag Mittag. Es ist Freitag. Bis zur nächsten Bucht Hanavava sind es nur 2 Seemeilen. Hier bleiben wir das ganze Wochenende. Ich habe 2 ausgedehnte Wanderungen in wunderschöner Landschaft gemacht.

»

Dienstag, 20. April 2010

Es fließt nicht alles!

Ein Schrei kommt aus der bugwärtigen Toilette. Lynn hat getan, was nötig war, doch die elektrische Pumpe versagt ihren Dienst. In der Muschel kreist horizontal, was eigentlich vertikal fließen sollte, abgesaugt von der Elektropumpe. Stu werkt einen ganzen Tag und einen weiteren, um die Blokade weg zu kriegen. Mit viel Essig entfernt er aus Pumpe, Vakuumbehälter, Ventilen und Schläuchen zementartige Verkrustungen. Die Fäkalien werden bei der Onda nicht einfach auf kürzestem Weg ins Meer geführt. Nein, da gibt es – nach Vakummbehälter und Elektropumpe – erst eine Druckleitung bis auf Augenhöhe, allerdings hinter dem fixen Möbelverbau. An der höchsten Stelle befindet sich freundlicherweise ein Ent- oder Belüftungsventil, freundlicherweise mit einer Revisionsöffnung im Wandverbau von außen zugänglich gemacht. Und dann führt der Schlauch nach unten zu einem Dreiwegeventil, wahlweise in den Fäkaltank oder direkt ins Meer. Da sitzt dann auch wo das Seeventil. Wir füllen die aufsteigende Leitung mit Essig und lassen das 3 Tage wirken. Das scheint geholfen zu haben – leider nur 1 Tag.

Mich befällt starkes Bauch- und Kopfweh. Ich bin verstopft. Mit einigen Tabletten und schließlich 2 Tassen kräftigen Kaffees bringe ich meine Verdauung ins Fließen. Die Schmerzen bleiben. Es befällt mich eine Schwäche, wie nach einer Gallenkolik. Da scheint mir die Leber überlastet zu sein. Ich habe mich mit was vergiftet. Ich tippe auf das Huhn, das Stu vor 2 Tagen aus der minus-5-gradigen „Tiefkühl“-truhe entnommen hat. Der Vogel hat schon gewaltig gestunken. Stu meint, das seien nur die Haut und das Fett gewesen. Das habe er alles weggeschnitten. Im übrigen sei er ein sehr guter Koch und wisse ..... Er hatte die Speise ungewöhnlich scharf zubereitet. Lynn findet es ausdrücklich als eine Beleidigung, dass ich das Huhn, bzw. den Stu verdächtige, mich vergiftet zu haben. Damit hängt der Schiffssegen schief. Er krängt gewissermaßen. Ich habe keine Kraft, ihn gerade zu richten. Ich beschließe, dass ich von nun an für mich selber koche, dies ist allein in Hinblick auf die nun gebotene Schonkost wichtig. Mir genügen Haferflocken, Mais und ein paar Kartoffel. Auch mein Trinkwasser koche ich ab nun ab. Stu hat zwar ein Aktivkohlefilter fürs Trinkwasser eingebaut. Ich will jetzt aber kein Risiko eingehen, Stu sieht meine Maßnahmen ein. Lynn meint, es könne nicht sein, dass ich mir selber was koche. Das brauche zu viel Gas. Und sie habe nicht so viele Kartoffel. Ich empfehle ihr, die Hühnchen zu genießen und mir die Kartoffeln zu überlassen. Und sollte sie nicht genug Nahrung für mich an Bord haben, dann esse ich nichts. Ich könne das, sage ich ihr. Das war eine Drohung mit Hungerstreik. Nach diesen Beweisen ihrer Gastfreundlichkeit und in die Einsicht, was ein Kranker braucht, sehe ich keinen Anlass mit Lynn noch sachlich darüber zu reden.

Ich koche mir am Morgen Haferflocken, manchmal pikant, manchmal süß. Am Nachmittag manchmal nichts, manchmal eine Kartoffel. Ich habe 5 Tage Bauchweh und bin sehr ohne Tatkraft. Ich liege viel und mach mir Leberwickel. Es wird jeden Tag einen kleinen Schritt besser.

Morgen werden wir in Fatu-Hiva ankommen. Ich hoffe, dass ich an Land wieder Fuß fasse. So richtig Spaß habe ich zur Zeit nicht an Bord der Onda.

Wir hatten in den letzten 10 Tagen Wind mit 10 – 20 Knoten aus ostsüdost. Wir fahren über Grund ziemlich genau nach Westen mit 5 – 9 Knoten. Die Strömung hilft uns dabei mit ca. 1,5 Knoten.

Volkmar

Letzte Meldung vom Mittwoch, 21.04.: Wir sind gelandet auf der Insel Fatu-Hiva in der kleinen Bucht Omoa.

»

Dienstag, 20. April 2010

Es fließt nicht alles!

Ein Schrei kommt aus der bugwärtigen Toilette. Lynn hat getan, was nötig war, doch die elektrische Pumpe versagt ihren Dienst. In der Muschel kreist horizontal, was eigentlich vertikal fließen sollte, abgesaugt von der Elektropumpe. Stu werkt einen ganzen Tag und einen weiteren, um die Blokade weg zu kriegen. Mit viel Essig entfernt er aus Pumpe, Vakuumbehälter, Ventilen und Schläuchen zementartige Verkrustungen. Die Fäkalien werden bei der Onda nicht einfach auf kürzestem Weg ins Meer geführt. Nein, da gibt es – nach Vakummbehälter und Elektropumpe – erst eine Druckleitung bis auf Augenhöhe, allerdings hinter dem fixen Möbelverbau. An der höchsten Stelle befindet sich freundlicherweise ein Ent- oder Belüftungsventil, freundlicherweise mit einer Revisionsöffnung im Wandverbau von außen zugänglich gemacht. Und dann führt der Schlauch nach unten zu einem Dreiwegeventil, wahlweise in den Fäkaltank oder direkt ins Meer. Da sitzt dann auch wo das Seeventil. Wir füllen die aufsteigende Leitung mit Essig und lassen das 3 Tage wirken. Das scheint geholfen zu haben – leider nur 1 Tag.

Mich befällt starkes Bauch- und Kopfweh. Ich bin verstopft. Mit einigen Tabletten und schließlich 2 Tassen kräftigen Kaffees bringe ich meine Verdauung ins Fließen. Die Schmerzen bleiben. Es befällt mich eine Schwäche, wie nach einer Gallenkolik. Da scheint mir die Leber überlastet zu sein. Ich habe mich mit was vergiftet. Ich tippe auf das Huhn, das Stu vor 2 Tagen aus der minus-5-gradigen „Tiefkühl“-truhe entnommen hat. Der Vogel hat schon gewaltig gestunken. Stu meint, das seien nur die Haut und das Fett gewesen. Das habe er alles weggeschnitten. Im übrigen sei er ein sehr guter Koch und wisse ..... Er hatte die Speise ungewöhnlich scharf zubereitet. Lynn findet es ausdrücklich als eine Beleidigung, dass ich das Huhn, bzw. den Stu verdächtige, mich vergiftet zu haben. Damit hängt der Schiffssegen schief. Er krängt gewissermaßen. Ich habe keine Kraft, ihn gerade zu richten. Ich beschließe, dass ich von nun an für mich selber koche, dies ist allein in Hinblick auf die nun gebotene Schonkost wichtig. Mir genügen Haferflocken, Mais und ein paar Kartoffel. Auch mein Trinkwasser koche ich ab nun ab. Stu hat zwar ein Aktivkohlefilter fürs Trinkwasser eingebaut. Ich will jetzt aber kein Risiko eingehen, Stu sieht meine Maßnahmen ein. Lynn meint, es könne nicht sein, dass ich mir selber was koche. Das brauche zu viel Gas. Und sie habe nicht so viele Kartoffel. Ich empfehle ihr, die Hühnchen zu genießen und mir die Kartoffeln zu überlassen. Und sollte sie nicht genug Nahrung für mich an Bord haben, dann esse ich nichts. Ich könne das, sage ich ihr. Das war eine Drohung mit Hungerstreik. Nach diesen Beweisen ihrer Gastfreundlichkeit und in die Einsicht, was ein Kranker braucht, sehe ich keinen Anlass mit Lynn noch sachlich darüber zu reden.

Ich koche mir am Morgen Haferflocken, manchmal pikant, manchmal süß. Am Nachmittag manchmal nichts, manchmal eine Kartoffel. Ich habe 5 Tage Bauchweh und bin sehr ohne Tatkraft. Ich liege viel und mach mir Leberwickel. Es wird jeden Tag einen kleinen Schritt besser.

Morgen werden wir in Fatu-Hiva ankommen. Ich hoffe, dass ich an Land wieder Fuß fasse. So richtig Spaß habe ich zur Zeit nicht an Bord der Onda.

Wir hatten in den letzten 10 Tagen Wind mit 10 – 20 Knoten aus ostsüdost. Wir fahren über Grund ziemlich genau nach Westen mit 5 – 9 Knoten. Die Strömung hilft uns dabei mit ca. 1,5 Knoten.

Volkmar

Letzte Meldung vom Mittwoch, 21.04.: Wir sind gelandet auf der Insel Fatu-Hiva in der kleinen Bucht Omoa.

»

alles fließt - und wo ist Absolutes?

Samstag, 10. April 2010

weitergesendet von Sigrid mit Gruss aus NZ

Es ist merkwürdig: Alle Segler (jedenfalls die segelnden Segler) erfreuen sich an dem Dahingleiten im Wasser, sie schätzen den Regen, sie genießen den Wind, die Sonne, das Sein in der sehr ursprünglichen Natur und in der Eigenverantwortlichkeit darin. Doch sobald der Wind nachlässt, schauen sie missmutig auf die Windanzeige. Das dauert doch viel zu lange, bei dem bisschen Wind! Und ganz schnell ist auch schon der Motor gestartet.

"Kein Government, keine Vorschriften, keine Unterschriften, keine Formulare! Wir wissen nicht, was in Austria und Australia gerade passiert", lobt und preist Stu unser Sein am Boot. Das ist vor ein paar Tagen gewesen. Eine Stunde später kommt er daher mit der guten Zwischenzeit: "1050 Seemeilen in 7 Tagen. Das ist ein hervorragender Durchschnitt! Wenn wir in diesem Tempo weiter segeln, werden wir nach 20 Tagen French Polynesia erreicht haben", frohlockt er. Nun spiele ich den Traurigen: "Nur 20 Tage segeln? Ich habe mich auf 25 bis 30 Tage gefreut. Nur 20 Tage kein Government, keine Vorschriften, keine Unterschriften, keine Formulare. Nur 20 Tage wissen wir nicht, was in Austria und Australia gerade passiert!" Stu kann herzlich lachen darüber, dass ich ihn ertappt habe.

Stu und Lynn sitzen im Cockpit. Die Sonne sinkt. Das Licht bekommt die abendliche Schärfe. Im Westen sind die Wolken ziemlich dunkel. Wie eine schwarze Wand reichen sie bis an den Horizont herunter. In den anderen Himmelsrichtungen sind die wenigen Wölkchen weiß. Die Sonne verschwindet ganz. Nach einer Stunde haben wir einen schönen Sternenhimmel über uns. Delphine begleiten uns wieder einmal. Lynn und Stu scheinen sich wohl zu fühlen. Dort die Sterne in unglaublicher Entfernung, hier die Erde; alles ist so relativ; die Erde bewegt sich um die Sonne - oder umgekehrt? Die Sonne zieht durch das All, hier am großen Meer unser kleines Schiff. Ich bin in der noch kleineren Küche beschäftigt. "Kennst du Einsteins Formel?" ruft Stu herunter. "Freilich, kenn ich die. "Das ist die Relativitätstheorie", ergänzt Stu. "Es ist alles so relativ", teilt er mir seine eben gehabte Erkenntnis mit. "Ob der Einstein mit seiner Formel genau dieses ausdrücken wollte?" Wir sind uns beide nicht sicher.

Stu sucht offenbar nach Absolutem.

Wie ist das mit dem Meter. Das ist doch in Paris? In jenen Jahren in denen die Franzosen den König abgeschafft haben, haben sie auch mit dem Durcheinander der vielen Maßeinheiten aufgeräumt und das Urmeter zum Längenmaß aller Dinge erklärt. Wenngleich alles fließt, wie Plato von sich gegeben hat - das Zusammenleben braucht feste, absolute Anhalte! Ganz Europa hatte sich längst angeschlossen ans Urmeter. In Wien haben wir uns eine Kopie aufgestellt, damit wir nicht so oft nach Paris fahren müssen. Die Engländer, wie die Amerikaner zieren sich heute noch, den von den Franzosen gelegten Maßstab anzulegen, zur allgemeinen nationalen Norm zu machen.

Frankreich und England haben sich bei der Aufteilung der Welt bittere Schlachten geliefert. Somit war das Meter ein Werk des Feindes und als Maßstab für die Engländer zunächst nicht akzeptabel. Die Engländer sind zwar die Ersten gewesen, die die Sklaverei abgeschafft haben, da haben die Franzosen sich noch ein paar Jahre geziert und sind dann schließlich bei den Letzten gewesen. Doch bis heute teilt man England lieber die Inches, Feet und Pounds in die Hälfte, dann nochmal und nochmal in die Hälfte, anstatt sie gleich mal kräftig durch Zehn (die absolut natürliche Anzahl unserer Zehen) zu teilen, und allenfalls ein weiteres kräftiges mal.

Doch auch das Urmeter ist inzwischen ein alter Hut, gut für's Museum. Es ist nicht genau genug, nicht absolut genug. Es gibt da ein bestimmtes Metall, das bei einer bestimmten Temperatur in einem bestimmten Spektrum Licht mit einer ganz bestimmten Wellenlänge, multipliziert mit einem ganz bestimmten Faktor die Gesamtlänge von 1 Meter hat. Wie dieses Metall heißt, wie hoch die Temperatur ist, welche Farbe das Spektrum hat, wie lang eine Welle ist und welche Zahl diesen Faktor darstellt - wir wissen es nicht, denn wir haben nicht nur kein Government, keine Vorschriften, keine Unterschriften, keine Formulare! Wir wissen nicht nur nicht, was in Austria und Australia gerade passiert - denn wir haben auch kein schnelles INTERNET! Aber in Hiva-Oa, in 10 Tagen, wenn wir es schaffen, da werden wir ins Internetcafe eilen und uns das alles ergoogeln!

Volkmar

»

Ostermontag, 05. Apri 2010

Sanftes Gleiten im Pazifik

Ich stehe schon in der Schlussphase und arbeite mit der Hand an der Pumpe. Da geht die Klotür auf. Ich sehe kurz Stu's Hand. "Oh, sorry, Volkmar", sagt er. Schon schließt er die Tür wieder. Er wischt sich den kalten Schweiß aus der Stirn und lächelt. Was war geschehen? Ich hatte gerade Wache. Der "Arbeitsplatz" ist in diesem Fall das Cockpit. Stu saß am Navigationstisch, mit dem Rücken zu meinem WC, als ich mich da hinein begab. Ich hatte nicht bemerkt, dass er nicht bemerkt hat, dass ich, hinter seinem Rücken gewissermaßen, meiner Notdurft Zeit und Raum gebe. Kurz darauf steht er auf und hält er im Cockpit nach mir Ausschau. Weil er mich nicht sieht, fährt es ihm durch die Glieder, ich könnte über Bord gegangen sein. Ich weiß nicht, wo überall er nach mir gesucht hat, bis er im WC fündig geworden ist. Seither zeige ich mich mit Finger, Blick, und Lächeln mein abgeschiedenes Vorhaben an. Ich bekomme ein Lächeln zurück und weiß mich abgemeldet.

Nach Tagen körperlichen Bauchwehs und der offenbar hilfreichen Einnahme von Darmfauna-Tropfen habe ich 6 Stunden guten Schlafes hinter mir. Um 04:50 weckt mich das Handy. Um 05:00 beginnt diesmal meine Wache. Ich löse immer Lynn ab. Nach mir ist Stu dran. So geht das im Radl. Tagsüber sind es 3 x 4 Stunden (Beginn jeweils 08,12, 16 Uhr), nachts 4 x 3 Stunden (Beginn jeweils 20, 23, 02, 05 Uhr), macht zusammen 24 Stunden. Weil es insgesamt 7 Wachen sind, rückt der Wachebeginn eines jeden von uns jeden Tag um einen Termin vor. Der Beginn um 05 Uhr früh ist mir der liebste.

Es ist noch finstere Nacht, heute auch nicht vom Mond erhellt, denn der Himmel ist bedeckt. Es nieselt. Im Halbschlaf sitze ich da auf der höheren luvseitigen Bank. Mit den Füßen stütze ich mich an der Lenkrad-Säule ab. Daran sind auch Autopilot-Eingabegerät und die Anzeige des GPS montiert. Ich habe also schnellen Zugriff für eine nötige Kursänderung.

Der Autopilot ist auf "Windsteuerung" eingestellt. Das bedeutet, dass er versucht, den Winkel zwischen dem scheinbaren Wind und dem der Schiffslängsachse auf einen konstanten Wert zu halten - genau das, was eine (fremdenergielose) Windsteueranlage auch tut. Der Vorteil dabei ist, dass nicht ständig die Segelstellung gewechselt werden muss, wenn der Wind Stärke oder/und Richtung ändert. Oder, falls man einen konstanten Kurs zum Wind fahren will (etwa hart am Wind), man nicht ständig den Kompasskurs dem Wechsel des Windes gemäß zu ändern hat. Die rein mechanische Windsteueranlage verbraucht keinen elektrischen Strom. Das ist ihr großer Vorteil. Und sie hat was Geniales. Doch sie braucht Platz am Heck und kostet Geld. Ich habe Erfahrung mit so einer genialen Windsteueranlage am Atlantik machen dürfen. Sie ist sehr leicht außer Tritt gekommen.

Stu gehört nicht zu jenen Seglern, die am liebsten alles mit der Kraft von Wind und Sonne bewegen. Er verzichtet daher weder auf den elektrischen Autopiloten, noch auf Tiefkühltruhe, Kühlschrank, Wassermacher, ausreichend Licht unter Deck, ausreichend Strom für unsere Computer und Elektrowinschen, eine für die Leinen und eine für den Anker. Ein Windrad läuft den ganzen Tag mit und tags liefern 1 m² Solarzellen alternativen Strom. Wenn die Hauptmaschine nicht gestartet worden ist, muss ein bis zweimal täglich das Stromaggregat angeworfen werden, um die entladenen Batterien wieder aufzufüllen. Sobald der Wind nachlässt und die Segel zu schlagen beginnen, besorgt die Hauptmaschine den Vortrieb des Schiffes.

Zusammen laufen die beiden Maschinen täglich etwa 6 Stunden. Das feine, sanfte Segeln stört das ein wenig, finde ich.

Wir haben heute, nach genau 4 Tagen, 530 Seemeilen hinter uns. Das ist etwa ein Sechstel der gesamten Strecke bis zu den Marchesas Inseln. Das bedeutet noch weiter 20 Tage nur Wasser rundherum. Wir sind jetzt voll in der von Ost nach West mit 1,5 Knoten setzenden Äquatorialströmung des Wassers. Der Wind um Galapagos herum ist traditionell unstetig in Richtung und Stärke gewesen. Nun sind wir im Bereich eines sehr konstant aus Ostsüdost kommenden Passats. Seine Stärke wechselt zwischen 10 und 20 Knoten. Die Onda hat 3 Vorstage. Wir wechseln je nach Windstärke von Genua, auf mittelgroßes oder kleines Vorsegel. Damit machen wir über Grund zwischen 4 und 9 Knoten Fahrt.

Heute 12 Uhr hatten wir die Position 04°52,16'S, 97°21,87'W, Kurs über Grund 245°, 7,5 Knoten Fahrt über Grund bei Wind aus ESE 17 Knoten.

Die Stimmung an Bord ist gut. Stu navigiert nicht nur bestens. Auch als Chief in der Küche ist er Meister. Mehr über Schiff, Meer, uns und mich ein andermal.

Volkmar

»

Donnerstag, 1. April 2010

Wir laufen heute aus

Überraschend für mich, werden wir in den nächsten Stunden auslaufen. Lynn lacht schon wieder. Die bösen Bauchviren und -bakterien sind dank ärztlicher Hilfe niedergeknüppelt. Für die Wiederherstellung hat Stu mineralienreiche Getränke für sie besorgt. Die Bordapotheke ist um einige Mittel reicher geworden. Das Bauchweh, sollte es eine psychische Komponente gehabt haben, hat auch auf dieser Ebene Beachtung gefunden.

Mein Frühstück heute morgen habe ich im 1. Stock einer gestern entdeckten Bar gefeiert. Adios Amigos. Ich zolle einem Maurer gegenüber noch kurz meine Bewunderung, wie er die Barriere gegen Wasserzustrom in das dahinterliegende Lokal mit eine Lage rutschfesten, gefälligen Waschbetons überzieht. Jetzt noch Internet. Stu steht schon da und drängt zum Aufbruch.

3000 Seemeilen liegen vor uns. Wenn wir im Durchschnitt 5 Knoten fahren (9 km/h), dann sind das am Tag 120 Seemeilen, und in 25 Tagen 3000 Seemeilen. Der Wind in Galapagos ist schwach zur Zeit. Stu wird mit der Maschine nachhelfen, wie ich kenne.

Volkmar

»

Mittwoch, 31. März 2010

Morgenfeier

Schon geraume Zeit drängt die Blase nach Entleerung. Es ist schon heller Tag, als ich endlich am Pumpklo sitze. Die Pumpe quietscht. Ich weiß, sie ruft nach Öl. Ich gieße ein paar Löffel Maiskeimöl nach. Zum Zubereiten von Speisen genießt diese Ölsorte bei Stu und Lynn nicht jene Wertschätzung wie bei mir. Hiefür bevorzugen sie das ernährungsphysiologisch nicht so hervorragende (Quelle: meine Ernährungsberaterin) Olivenöl. Wenn ich für mich alleine mal eine Eierspeise mache, dann zweige ich mir was vom Pumpklo-Schmieröl für mein Frühstück ab. In der Regel kommt es dann, etwas später zwar, doch wieder der Pumpe zugute.

Von draußen dringen Geräusche ins und ans Boot. Ahnungsvoll halte ich Nachschau. Tatsächlich, da liegt ein junger Kerl eines Seelöwen auf dem Deckel der steuerbordseitigen „Lazarettkiste“. Das ist die Kiste ganz am hinteren Ende, schon außerhalb des Steuerstandes. Die niedrigere, mittschiffs liegende Badeplattform hat Stu kunstvoll mit Kreuzundquer-Leinen gegen die nächtlichen Besucher versperrt. Bei aller Gastfreundlichkeit meiner Gastgeber gegenüber Mensch und Tier – das geht ihnen zu weit, oder anders gesehen, ist ihnen zu nahe. Sie sagen, diese Tiere stinken und hinterlassen Haare.

Heute früh ist es einem jungen Seelöwen gelungen, Grenzen zu überwinden, die andere ihm gesetzt haben. Ein guter Tag für das Tier. Ich sympathisiere mit ihm. Wir schauen uns groß in die Augen. Ich spüre, heute geschieht auch noch was Großes. Ich mache das – wann immer es sich schickt – unter Umgehung der Bordtoilette. Von Pumpklos bin ich traumatisiert. Es wäre nicht das erste, das unter meinen Händen seine Funktionsfähigkeit verlöre. Und außerdem hängt mir noch nach, dass ich in meiner Herkunftsfamilie aus angeblich gegebenen Anlässen als der „Kaputtmacher“ gehänselt worden bin. Ich mache heute einen Bogen um die Kunststoffschüssel und die sensible Pumpe.

Die Gelegenheit ist günstig. Am Ufer bellt ein kleiner Hund. An der Baustelle für die neue Mole klopft schon jemand. Sanft rauscht die leichte Dünung ans steinige Ufer. Ein Wassertaxi quert fern die Bucht. Eine anlasskonforme, richtig feierliche Stimmung. Wie mein junger Freund merkt, dass ich mich anlassbedingt auf die backbordseitige Lazarettkiste begebe, gleitet er still ins Wasser. Ich gleite ihm ein wenig geräuschvoller nach und feiere das Loslassen der Kutteln von vor 3 Tagen. Sie hatten sich längst schmerzfrei irgendwo im Bauch isoliert, so wie das mein PC mit den ungebetenen Viren macht. Ja, so schnell lassen mich üble Attacken nicht los. Die Fische haben ihre Freude damit.

Die Morgenfeier dreht sich weiter um meinen Körper, allerdings außen herum. Ich trockne mich mit Hingabe und Ausdauer ab. Pilzsalbe Zehen- und Fingernägel, vor- und nachbeugend. Aloe Vera – ein Geschenk noch von der Nuria, meiner Chefin am Eco Huerto in Gran Canaria – massiere ich in beide Knie ein. Ein Orthopäde und Chirurg wollte schon vor 8 Jahren ein neues Knie vermessen. Sollte das der Schulmedizin einzige Lösung sein, sollte es für mich das Signal sein, mich nach Wundermitteln umzuschauen. Es „geht“ mir und meinen meniskusarmen Kniegelenken gut damit.

Der Wasserkessel pfeift mir. Ich gieße mir meine Drogen auf: Grüner Tee und schwarzer Kaffee. Die überreife Papaya im Kühlschrank lockt mich. Ich schneide 2 Scheiben ab. Kerne und Schale bekommen gleich die Fische, das köstliche Fruchtfleisch esse ich vorerst selber.

Ich habe mich als Kind immer gewundert, dass Karl May bei der Spurenvermeidung und –Wahrnehmung nie von den tierischen oder menschlichen Exkrementen schreibt. Dabei müssen die doch sehr aufschlussreich gewesen sein: Aha, Kutteln gegessen, nicht ordentlich gekaut – VB war da! Von solchen dunklen Geschäften zu schreiben, ist damals tabu für Karl May und für seine Fans gewesen. Ich bin nicht Karl May und lebe in einer aufgeschlossenen Zeit, wo die Medien seit Jahren die Menschen mit viel unappetitlicheren Dingen beschmeißen und durchbohren.

Dass ein deutschsprechender Abgeordneter just in dem Augenblick auf’s Häusl musste, als über die künftige Amtssprache in den USA abgestimmt worden ist, und es daher mit einer Stimme Mehrheit das Englische wurde, soll nur eine Legende sein.

Wahr ist, dass der berühmte Astronom Tycho de Brahe bei der Audienz vor Seiner Majestät, es nicht gewagt hat, aus der Warteschlange auszutreten, um auszutreten und dann an einem Blasensprung, wohl sehr schmerzhaft und zu früh, verstarb. Diese tödliche Geschichte fällt mir immer ein, wenn ich im Bett, unter Druck stehend, liegend mich wälze. Und besser wird es überdies nicht vom Warten. Und schließlich, wenn gut gemacht, kann das Ausleiten eine schöne Morgenfeier einleiten.

Es ist noch immer ruhig am Boot. Mein junger Freund kehrt noch zweimal zurück zum Boot. Zuletzt gibt er ein paar zu Herzen gehende Klagelaute von sich. Er weiß nichts davon, dass die Menschen hier am Boot fleißig jene Fische füttern, die sein Futter sind.

Ich feiere auch noch einen anderen Abschied, denn ich erwarte den letzten Tag auf Galapagos. Das soll sich bald als Irrtum erweisen. Ich werde in ein paar Tagen neuerlich feiern dürfen, dann wenn Lynn ihren heute Nacht ausgebrochenen Durchfall hinter sich hat und klar ist, dass Stu und ich von der Epidemie verschont geblieben sind oder wir sie erfolgreich hinter uns gebracht haben.

Volkmar

»

Dienstag, 30. März 2010

Das Geld wird immer knapper

Der Schmerz zieht vom Magen bauchwärts. Um 16 Uhr finde ich, es sei an der Zeit, mich zu bewegen. Ich kleide mich in aller Langsamkeit an und gehe bedächtig zur Straße hinunter, die vom Hafen beginnend nach Osten verläuft. Links und rechts kleine Restaurants, Bars, Tourenanbieter, Hostels, Tauchklubs. Unten, inmitten einer kleinen dreieckigen Grünfläche die Skulptur eines überlebensgroßen Leguans. Und dann kommen meine Freunde von der gestrigen und vorgestrigen Tour daher: Carlos, Ben und Wilton. „How are you?“ und „¿Que tal?“ Ich berichte von meinem Bauchweh und dass um meine Liquidität schlecht bestellt sei. Carlos hat für beides ein Mittel. Er lädt mich auf einen, die bösen Bakterien tötenden Whisky ein.

Mich erinnert meine augenblickliche Situation an die vor 43 Jahren in Hamburg gehabte: In der Jugendherberge am Stintfang hat man mich nach 3 Tagen wegen zu langen Aufenthaltes vor die Tür gesetzt. Mit meinem Geld war ich ziemlich am Ende. Bankomaten gab es damals keine. Ich fand an der Straße Berge von Sperrmüll. In einem davon habe ich mich für die Nacht eingerichtet. Am frühen Morgen wecken mich Geräusche, die so klingen, wie wenn ein Bagger Sperrmüll ergreift und auf LKW verlädt. Ich flüchte aus meiner Unterkunft, hinter mir das Gelächter der nahegekommenen Müllmänner.

Am nächsten Morgen ist alles wieder gut. Ich verleibe mir eine Papaya ein. Ich habe sie um 1 Dollar eingekauft. Weil so eine Frucht daheim in Österreich mindestens 7 Euro kostet, spare ich mindestens 9 Dollar. Meine angespannte Liquidität entspannt das leider gar nicht.

Ich habe heute ein wichtiges Ziel: Fahrkarten-Kiosk am Hafen. Hier muss ich mein von vorgestern bereits auf morgen umgemerktes Ticket auf heute ummerken lassen. Geschrieben, oder umgeschrieben wird hier nichts. Die Frau im Kiosk ruft wo an, dann ruft sie woanders an. Ich solle in 20 Minuten wiederkommen. Weil sie noch immer nichts sagen kann und auch die Nachfrist ergebnislos verstreicht, sage ich ihr, ich werde um 13:45 da sein und mitfahren müssen. Denn ich habe kein Geld mehr für ein eine weitere Nacht im Hotel. Die Frau ist einverstanden.

Am nahen Volleyballplatz versucht man seit einer halben Stunde die Beschallungsanlage für den heute im Freien geplante Palmsonntags-Gottesdienst auf Lautstärke zu bringen: „Dos, dos anos, son, dos ...“ Dann verheißungsvolle Klänge einer Gitarre. Da kommt endlich ein weißbekittelter Mann daher, im Eilschritt, leicht vorgebeugt, mit den Armen rudernd – nicht das mir vertraute Bild eines Herrn Hochwürden, eher das eines Fahrgastes, auf den der Autobus schon wartet. Er rudert auf die Tribüne, ergreift das Schnurlosmikrofon, begrüßt in freier Rede und liest dann längere Zeit was vom Blatt. Dazu klimpert melodram die Gitarre. Es klingt gut und fast wie ein Sprechgesang. Nun ertönt von der Kirche her laute Musik mit Gesang. Die Gitarre am Podium klinkt sich ein und alles am Platz beginnt zu singen. Eine Prozession kommt daher, an der Spitze das Polizeiauto mit Rot- und Blaulicht, dahinter der tönende Lautsprecherwagen, dann drei rotbekittelte und zwei weitere weißbekittelte Männer, daneben ähnlich gekleidete Knaben und schließlich die singende, Palmenwedel schwingende Gemeinde. Richtiger Jubel herrscht am Volleyplatz. Zwei Nonnen wiegen singend sich im Takt der Musik, eine Trommlerin ist in Ekstase. Eine Bombenstimmung, wie man das beim Evangelisten herauslesen könnte, der diesen Einzug des Jesus von Nazareth in Jerusalem einige Jahrzehnte später vom Hörensagen her niedergeschrieben hat. Es berührt mich. Da versammeln sich ein paar hundert Menschen, sind sich einig, dass es was ganz Großartiges gibt und feiern, wie die Tradition es konkretisiert hat. Wüsste ich nicht, dass hier eine Firma präsent ist, die Wasser predigt und Wein trinkt, wo die Prokuristen und Filialleiter Ehelosigkeit, manche auch Keuschheit schwören, ihre eigenen Frauen und Kinder (wogegen ich überhaupt nichts habe) mehr oder weniger verstecken, also in permanenter Lüge leben, wüsste ich nicht, dass die ehrwürdigen Herren Kinder missbrauchen, ohne viel Reue zu zeigen oder gar reuig tätig zu werden, wüsste ich nicht dass diese Firma zum eigenen Vorteil und den Menschen zur Qual die Hölle, das Fegefeuer, den Teufel, die Sünden, die 7 Todsünden und die Erbsünde aufzuschwatzen versuchen, anstatt zu sagen, dass wir e erlöst sind – nächste Woche gibt es dazugehörige Fest der Auferstehung -, ich würde geneigt sein, dieser Firma meine Dienste anzubieten.

Mein favorisiertes Frühstückslokal hat geschlossen an diesem Sonntag. Ich finde um 3 Dollar in der nahen Bäckerei Frühstück und freundliche Bedienung. Die Feier ist vorbei. Ich sitze der Kirche gegenüber auf eine Bank. Die Männer haben ihre Kittel abgelegt, die Nonnen nicht. Sie steigen in einen Klein-LKW. Darauf sind Teile der Tonanlage geladen. Das Zeug muss schließlich wer zurück bringen. Und dann schaue ich Löcher in die Luft. Eine Frau neben mir tut das auch, während ihr Mann der kleinen Tochter die Sandelen zuschnürt.

„Hellow Volkmar“, tönt es unter einem Hut mit breiter Schlappkrempe hervor. „I’m Shila“, hilft die kleine sehr Hellhäutige mir Hilflosem weiter. Der braunhäutige Riese neben ihr kennt mich auch, sagt er. Tatsächlich, das war ja unser Führer am Schnorcheltag in der Vorwoche! Nach 10 Minuten kommt Shila wieder, diesmal mit ihrem Mann Stuart. Die beiden sind zur gleichen Zeit auf ihrer SY „Imagen“ wie wir auf unserer „Onda“ von Panama nach Galapagos gesegelt. Sie sind heute am Ende einer Dreitagestour. Ob ich mit ihnen Pizza essen mag? Ei, gerne. Sollen wir dir was leihen. Ja 20 Dollar, das wäre schön. In der nahen Pizzeria sitze ich zwischen Christine und Christian, 2 jungen deutschen Reisenden. Ich bin Gast der ganzen Dreitages-Gruppe zum großen Pizzaessen. Ohne das Leihgeld anzupacken kann ich gerade noch mein Getränk bezahlen.

Auf dem Schnellboot, heim zur Insel San Cristobal, habe ich fein Platz. Mein Barvermögen sinkt unter 1 Dollar, als ich 50 Cent dem Wassertaxi-Kapitän zahle und dem Stuart seine 20 Dollar wieder gebe.

Das war knapp an den Rand genäht! Und erstaunlich, was sich daraus alles ergeben hat.

Volkmar

»

Montag, 29. März 2010

Das Geld wird knapp

An die Dreitagestour zur Isla Isabela habe ich spontan 3 weitere Tage drangehängt. Mit zunächst 120 US$ in der Tasche, nach einer Investition von 50 US$ für die Lavatunnel-Tour, eine weiter Nacht im ***-Hotel San Vicente auf Isla Isabela, stehe ich mit Scheinen im Gegenwert von US$ 50 in der Tasche frühmorgens an der Pier in Isabela, um zurück auf die Insel San Cristobal zu fähren. Mehr Geld und die Kreditkarte habe ich auf der „Onda“ gelassen. Sie ankert in der Bucht vor der Insel San Cristobal. Dort sind Geld und Kreditkarte vor fremden Zugriff viel sicherer, habe ich gelernt auf meiner Reise. Leider habe ich auch selbst keinen Zugriff, was meiner spontanen Entscheidung einen gewissen Reiz gibt. Ich schlittere in die Erfahrung, mit leeren Taschen in der Fremde zu sein.

Mein Ticket war für den Vortag ausgestellt. Ich habe es verschenkt, zu spät habe ich mich um ein neues gekümmert. Ich möge mich an Capitano Fernandez wenden, hat man mir im Hotel mitgegeben. Fernandez verteilt an der Pier die Plätze in den Schiffen. Ich kriege auch einen. Es meldet sich niemand bei mir, der von meinem wenigen Geld was haben will. Ich habe kein großes Problem damit.

Im Hafenort von Santa Cruz ist gleich links ein belebtes Restaurant. Da sitzen Lila und Franc und winken mir zu. Ich bestelle das, was ich auf ihren Tellern sehe: 1 Semmelnknödel, wo anstelle des Semmeln Kochbananen die Masse sind, zusammengehalten von zähem Käse. Dazu gibt es eine braune Soße mit Fleisch. Das Fleisch erweist sicht als Kutteln, also Magen von einem toten Tier und als sehr zähe für meine 3. Zähne. Weil ich als Nachkriegskind heute immer wieder glaube, ich müsse alles aufessen was auf den Tisch kommt, verleibe ich mir die Kutteln ein wenig weniger zerkaut ein. Nach einer Stunde, befällt mich, den am frühen Morgen noch taufrischen jungen Mann, die Müdigkeit eines alten Gauls. Dann der Druck im Magen. Klar, was ein guter Magen ist, lässt sich selbst im geschlachteten Zustand, selbst von meinem guten Magen nur schlecht verdauen.

Ich versuche ich ein 10-Dollar-Hotel zu finden, muss mich aber auf dann ein 15-Dollar-Zimmer ohne Frühstück, ohne Klimaanlage, aber mit TV einlassen. Ich buche 2 Nächte, lege mich ermattet hin und mache den restlichen Tag zur Nacht. Wer schläft, der sündigt nicht – auch so eine Weisheit meiner Mutter aus der Nachkriegszeit – und der kann kein Geld ausgeben. Diese Erkenntnis ist neu für mich.

Weitere Erkenntnisse und Gefühle, wie es ist, mit wenig Geld als Fremder in fremden Straßen in einem fremden Dorf herum zu streunen werde ich morgen an dieser Stelle meinen virtuellen Reisebegleitern mitteilen.

Volkmar

»

Freitag, 26. Maerz 2010

Tour zum Vulkan "Chico" auf der Insel Isabela

Mich hat man als Letzten aufs Pferd gesetzt. Da marschiert meine Stute auch schon los. Sie scheint gewohnt zu sein, an der Spitze zu gehen. Ich klopfe ihr ermunternd auf den Hals. Mehr kann ich nicht beitragen, um mein Pferd zu bewegen oder still zu setzen. "Follow me" rufe ich den anderen zu. Da beginnt eines der Pferde hinter mir zu traben. Andere kommen auch in Trab. "What is the word in Spanish for STOP" ruft Bernie hinter mir. "Mas" ruft Carlos zurueck. Ich muss mich vor Lachen sehr fest halten, um nicht vom Pferd zu fallen. Heisst "mas" doch "mehr".

Von dort, wo die Strasse endet und uns der 12sitzige LKW abgeladen hat, ist es zu Fuss eine Dreiviertelstunde bis zum Kraterrand gewesen. Wir haben einen guten Tag erwischt, denn der Himmel ist klar und wir haben freien Blick in den Krater. Er hat einen Durchmesser von etwa 6 km. In der Mitte ist gruener Bewuchs. In der Randzone ist schwarze Lava. Sie stammt vom letzten Ausbruch 2005. Der Ausbruch hat am alten Kraterrand stattgefunden. Wir sind dann am Kraterrand entlang gewandert. Nach einer Stunde treffen wir auf unsere Pferde. Der Ritt endet nach eine halben Stunde. Wir wollen versuchen, den Krater "Chico" des Ausbruchs von 2005 zu erreichen. Doch es beginnt sehr stark zu regnen. Wir machen kehrt. Total durchnaesst treffen wir im Hotel in Villamil, dem Hauptort der Insel, ein.

Unser Fuehrer kennt kein Erbarmen. 20 Minuten Zeit zum Duschen und Kleiderwechsel. Schon sitzen wir im Boot und fahren in eine Schnorchellagune. Schwarze Lavasteine begrenzen di Lagune oder ragen als kleine Inseln aus ihr. Daruf sitzen Pelikane, Seevoegel mit blauen Fuessen und - ganz kleine Pinguine!

Nach dem Schnorcheln gibt es einen Rundgang auf einer ganz besonders schuetzenswerten Insel. Hier legen schwarze Leguane ihr Eier in den Sand und vergraben sie. Wir sehen diese schwarzen Tiere in grosser Zahl starr herumsitzen. Sie sind sehr unerschrocken. Erst wenn man naeher an sie herankommt als einen halben Meter, bewegen sie sich weg. Es daemmert bereits. Einige sind schon beim Gruppensex. In einem natuerlichen Kanal tummeln sich Haie - aber nicht heute. Seeloewen liegen herum. Andere schwimmen im Wasser, die Babies hinterher. Ich staune immer wieder, wie tolpatschig sich diese Tiere an Land bewegen, welche Hoehen sie aber dennoch zu ueberwinden in der Lage sind. Sie erklimmen die Bordwand von kleineren Fischerbooten und schlafen darauf.

Heute frueh bin ich nach Santa Cruz gekommen mit einem der schnellen Motorboote, die hier von Insel zu Insel fahren. Hier in Santa Cruz befindet sich das "Charles-Darwin-Institut". Es beforscht die biologische Besonderheit der Insel und bemueht sich um deren Erhaltung. Mehr darueber im naechsten Bericht hier im Tagebuch.

Volkmar

»

Gastgeber

Lieber Volkmar,

es berührt mich, wie ihr euch Zeit lässt und und auf eurer Fahrt ein schönes Plätzchen nach dem anderen erkundet.

Deine Berichte machen mich auch neugierig auf deine Gastgeber. Du hast geschrieben, dass sie auch schon älter sind und jetzt nach einer langen Reise langsam wieder heim nach Australien fahren. Wie sind die vom Lebensgefühl her? Wie gehen sie miteinander um? Wie teilen sie sich die Aufgaben auf? Was haben sie vor, wenn sie wieder daheim sind?

Übrigens noch ein Tipp zum Übermitteln von Fotos: Es gibt kostenlose Internet Dienstleister, bei denen du problemlos bis zu 2 GB parken kannst, und die dann in Österreich heruntergeladen werden können. Das wäre sicher einfacher und sicherer, als sie per Post zu schicken.

Liebe Grüße,
Max

»

Dropbox

Hallo Volkmar,

danke für deine Schilderungen, ich habe deine Skipper schon durcheinander bekommen. Australier vom "relaxesten Typ"! Das klingt interessant. Vielleicht kannst du darüber noch einmal etwas schreiben. Ich fühle mich ja leider manchmal weniger relaxed, auch wenn ich weniger tue. Was macht den Unterschied aus im praktischen Leben?

Für die Übermittlung deiner Daten kann ich dir http://www.dropbox.com/ empfehlen. Hier habe ich schon größere Fotodateien ausgetauscht. Der Engpass ist höchstens die Upload Geschwindigkeit des Modems, an der Menge scheitert es sicher nicht. Bis 2GB ist der Platz kostenlos, darüber kostet es eine Kleinigkeit.

Ich bin gespannt auf deine weiteren Abenteuer als temporärer "Habe - nichts" (zumindest gerade kein Geld :-)

Liebe Grüße,
Max

»

Meine Gastgeber

Lieber Max!

Meine Gastgeber sind Stu und Lynn. Stu ist 58, Lynn um ein paar Jahre älter. Sie sind es nicht, von denen ich schrieb, sie seien mit mir im gleichen Alter. Stu ist gelernter Segel- und Riggmacher und im 2. Bildungsweg Professor füt Englisch als 2. Sprache geworden. Er hat eine zeitlang als Skipper für Yvonne und Bernie gearbeitet. Die beiden Paare, alle 4 sind Australier vom relaxesten Typ, sind eng befreundet. Bernie und Yvonne sind es, die mit mir das gleiche Alter haben. Mit ihnen habe ich meine 1. Fahrt durch den Kanal gemacht - so erfolgreich, dass sie ihren Crew suchenden Freunden Stu und Lynn mich wärmstens empfohlen haben. Das hat mit den beiden damit begonnen, dass ich ein 3. mal durch den Kanal gefahren bin.

Stu hat Pläne, wieder mal Lehrer zu sein.
Lynn unterrichtet Bussines-English für Fremdsprachler. Ich denke, sie wird das wieder machen.
Yvonne wird sich gesundheitlich erholen wollen.
Bernie hat mir im Scherz gesagt, mit 70 sei es aus mit ihm. Ich denke aber, er wird ein weiteres Buch schreiben wollen/können, nach 16 Jahren des Segelns.

Das mit den Fotos erscheint mir interessant. Hast du eine Adresse von so einem Anbieter? Bleibt die Bildqualität erhalten. Meine Kamera erzeugt so 2000 kBit je Bild ---?

Beste Grüße!

Volkmar

»

Sonntag, 21. März 2010

Feiern, schnorcheln, Leguane, Schildkröten und Seelöwen

Heute ist Frühlingsanfang im Norden und Herbstanfang im Süden. Ich beginne beide Erdhälften zu betrachten – die gehabte und die neue. Den Geburtstag von J. S. Bach feiern wir heute auf beiden Hälften.

Vorgestern, Freitag am Abend ist das angekündigte BBQ (Grillen) in Pablos Haus gewesen. Huhn mit Reis und Gemüse. Zuletzt spielt ein Gruppe von Indios auf: Trommel, Gitarren, Violine, Block- und Panflöte. Recht brav und authentisch gespielt und gesungen. Tanzen dazu durften wir selber.

Gestern war die Schnorchel-Exkursion. In einem Motorboot-Katamaran fahren wir an der Nordwestküste unserer Insel San Cristobal in nordöstliche Richtung. Nach 20 Minuten steuern wir in den Kanal zwischen Cristobal und einer ihr vorgelagerten, langen, flachen Insel. Unser Boot geht vor Anker, 20 Schnorchler gehen ins Wasser. Ich halte mich an das Ufer der kleinen Insel und finde mich auf Armlänge in der Gesellschaft vieler brauner, gelblippiger, kleiner Fische. Manchmal kommt eine Gruppe von den etwas größeren Gelbschwanzfischen daher. Eine Gruppe bratpfannengroßer und –förmiger dunkelbrauner Fische lässt mich kurz erschrecken. Ein kleiner Manta mit Spannweite von etwa 50 cm schwebt unter mir über den hellen Sand.

Am Ende des Kanals sind Seelöwen im Wasser. Im Gegensatz zu den Landlöwen sind sie völlig ungefährlich, hat man mir versichert. Ich mische mich also frohgemut unter und neben die im Wasser sehr beweglichen Tiere. Wie dann eines der größeren Exemplare bis auf 20 cm mit seinem Kopf auf mich zukommt, bin ich doch etwas verunsichert. Doch es passiert nichts.

Zum nächsten Schnorchelgang fahren wir hinaus zum Roce Patreadora. Von dem gewaltigen Felsen ist auf seiner Westseite ein Stück losgelöst. Der Kanal, der dadurch gebildet ist, ist an die 10 Meter breit und 80 Meter lang. Die Felsen ragen zu beiden Seiten senkrecht auf und senkrecht in die Tiefe. Es hat eine leichte Strömung. Von ihr lassen wir uns durch den Kanal driften. In wunderschönen Farben zieht die Unterwasserwelt an den Felsen und im Wasser an uns vorbei. Jemand will einen Hai gesehen haben.

Heute haben wir ein Refugium von Landschildkröten besucht. Dann hat uns Carlos an einen Strand mit vielen großen, schwarzen Lavasteinen geführt. Hier sitzen starr und unbewegt die Galapagos-Leguane herum, so, wie sie mir vor 50 Jahren mal in der Schule in einem Film gezeigt worden sind. Das ist Galapagos, wie ich es seither im Kopf habe. Die Leguane sind nicht scheu. Bis auf 2 Meter kann man herankommen, ohne dass sie sich bewegen. Nähert man sich noch mehr, dann vertrollen sie sich langsam. Es sind zauberhafte Wesen. Sie scheinen aus einer anderen Welt zu stammen, was sie wohl auch tun. Daneben krabbeln emsig kleine und mittlere Krabben herum. Die Brandung donnert heran.

Wir wandern weiter zu einer kleinen geschützten Bucht. Schnorcheln ist wieder angesagt. Diesmal schwebe ich über weiß-grau gestreifte kleinen Fischen. Sie schwärmen an jeder tieferen Stelle der Bucht unter mir. Wo Sandboden ist, da sind auch Wasserschildkröten. Die größeren haben einen Durchmesser von 70 cm. Eine solche packe ich von hinten an ihren Seiten. Sie schwimmt langsam weg von mir. Ein kurzes Stück lasse ich mich ziehen.

Ich will schon aus dem Wasser gehen, da zeigt sich hinter mir ein junger Seelöwe. Er lädt mich ein, mit ihm zu spielen. Das lass ich mir nicht zweimal sagen. Ich gleite wieder raus. Ein paar Mal spielen wir fangen, doch es kommt zu keiner Berührung. Der Seelöwe schwimmt auf mich zu. Kurz vor meinem Gesicht dreht er ab.

Morgen ist Rasttag. Übermorgen machen wir eine Dreitagestour auf die Inseln Santa Cruz und Isabela.

Volkmar

»

Mittwoch, 17. März 2010

Angekommen auf Galapagos!

Um 16 Uhr Galapagoszeit (UTC-6) sind wir in der Wreck-Bay vor der Galapagos-Insel San Cristobal vor Anker gegangen. Es ist eine sehr schöne, wenig dramatische Fahrt gewesen.

Zuerst hatten wir guten Wind. Doch dann sind wir in diese Intertropicale Konvergenzzone gekommen, wo der Südostpassat und der Nordostpassat aufeinandertreffen und die waagrechten Winde senkrecht nach oben abbiegen. Das war nicht unser Weg. Da gab es dann einiges unter Motor zu fahren, bis wir in den Einfluss des Südostpassates gekommen sind. Der Wind kam sehr von Süd. Das hat uns ein wenig vom Idealkurs (240°) abgegebracht und etwas nördlicher gedrängt. Wir haben 3 x aufgekreuzt.

Letzte Nacht sind wir unter Motor genau nach Süden gefahren. Wie die Anzeige des Breitengrades am GPS immer mehr gegen Null ging, hat Lynn den Gashebel zurückgestellt. Und dann sind wir langsam über den Äquator geglitten. Es war sehr finster - ich konnte nicht sehen, ob es da einen roten Strich gibt oder nicht.

Es geht so unmerklich und ohne sichtliche Veränderung - wie ein Geburtstag. Erst später merkt man, dass es ein bisschen anders geworden ist. Immerhin haben Äquator und Geburtstag gemeinsam, dass sie absolute Ereignisse sind. Über den Äquator bedurfte es keiner Vereinbarung, wo er ist - es gibt ihn (im Gegensatz zum Nullmeridian). Den Geburtstag gibt es ohne Vereinbarung - im Gegensatz zum Hochzeitstag, Wochenanfang, Ende des Karnevals oder Jahreswechsel.

Die Erde hat mich in ihrer nördlichen Hemisphäre 70 Jahre getragen, hat mich genährt, und ihre guten Geister sind zu mir gestanden. Ich habe die Erde gebeten, mich auch auf ihrer südlichen Hälfte willkommen sein zu lassen.

Volkmar

»

Dienstag, 2. März 2010

Ich jubiliere

Ich schaue zurück auf mein heute vollendetes 7. Lebensjahrzehnt und den Rest der Zeit zuvor. Es hat sich da einiges ereignet in dieser Zeit.

Was hat es für Ereignisse gegeben, die mich aufgebaut haben? Welche Begegnungen mit Menschen sind wirkliches Leben gewesen? Es tut gut, das anzuschauen, was angehm war, was Freude war. Diese Weisheit habe zwar nicht ich erfunden, aber ich habe sie in vielen Stunden der Begegnung mit anderen Menschen, deren Gedanken und Kreativität, aufgegriffen. Sie beschäftigt mich, oder sie lässt mich ruhen, wenn ich alleine bin. Das lässt das Alleinesein sehr schön und wohltuend sein. Ich scheue nicht den Blick auf Verfehlungen – egal, ob ich sie mir zuschreibe oder anderen - wenn sie auftauchen vor den rückschauenden Augen. Ich bin froh, dass ich gelernt habe, mich darin nicht fesseln und einsperren zu lassen, dass ich das Bewerten sein lassen kann, dass es mir genügt, zu erkennen, was ein andermal anders zu tun oder zu lassen ist.

Natürlich fallen mir die vielen Menschen ein, deren Freundschaft und Nähe ich genießen durfte. Von anderen Menschen mich so angenommen zu wissen und zu spüren wie ich bin, erlebe ich als Geschenk, das mir mehr und mehr wichtig, wertvoll und wahrnehmbar geworden ist.

Ich bin hier an Bord immer der Erste, der aufsteht. Ich mache ganz leise den Kaffee. Da ist es meist 07:30 (UTC -5, das heißt, um 5 Stunden weniger so spät als am Nullmeridian, also etwa in London). Heute habe ich mir erlaubt, zur Feier des Tages Cornflakes mit Milch als Vorfrühstück zu mir zu nehmen. Das mag hier an Bord sonst niemand. Zwischen 08:30 und 09:30 kommt für gewöhnlich Stu aus der Bugkabine. Lynn folgt 10 Minuten später. Sie finden dann schon meinen Kaffee vor. Den lassen sie üblicherweise eine halbe Stunde wirken, ehe man an das Zubereiten von Essbarem denkt. Für das Zubereiten des eigentlichen Frühstückes ist immer Stu zuständig. Er ist zu allen Tages- und Mahlzeiten ein sehr guter Koch. Zu kochen ist für ihn echte Lebensfreude. Heute wünsche ich mir Omelett mit Tomaten und Zwiebel. Es labt mich bestens. „Es låabt mas“, wie der Mühlviertler sagt. womit er meint, dass es dem Leib wohl bekommen ist. Auf Englisch, so habe ich von Stu und Lynn lernen dürfen, sage ich „I’ve reached capacaty and contentment, “ when I’m satisfied after a good meal.

Ich denke, ich konnte den Lesern dieses Berichtes verdeutlichen, dass es mir gut geht, was Geist, Seele und Leib angeht.

Volkmar

»

Waipara, 11.3.2010

Im Auftrag meines Vaters schicke ich euch seinen neuesten Bericht.

"Wir segeln in den Perleninseln"

Von Panama aus sind wir ueber Tabogo nach Contadora gesegelt, wie bereits berichtet. Dann war die Tsunamiwarnung bei der Insel Mogo Mogo. Dann wieder zurueck nach Cotadora. Schliesslich sind wir von dort aus zur suedlicher gelegene Isla Casaya gesegelt. Hier ankern wir in einer sehr grossen, daher unruhigen Bucht. Um in diese Bucht zu gelangen, muss man vorbei an Untiefen und Felsen, die kaum oder gar nicht aus dem Wasser schauen. Es gibt hier keinerlei Seezeichen. Das ist nicht wie in der Adria, wo auf jedem Stein ein Seezeichen steht. Ohne GPS waere beim Navigieren hier allerhoechste Aufmerksamkeit geboten. Die Tide macht hier 5 Meter. Bei Niedrigwasser tauchen die dunklen Felsen aus dem Wasser, weisse Sanddtraende tun sich auf.

Weil es uns hier zu unruhig ist, segeln wir 7 Seemeilen weiter suedwaerts. Zwischen der grossen Insel Rey und der schmalen Isla del Espiritu Santo bietet sich ein schlanker Kanal zum ruhigen Ankern. Nach drei Naechten brechen wir neuerlich auf. 10 Seemeilen segeln wir zwischen der grossen Insel Rey und einer Anzahl kleinerer, ihr vorgelagerten Inseln durch sehr schoen, sehr naturbelassene Landschaft. Es gibt hier tatsaechlich keine Hotelanlagen, bloss einmal einen groesseren Badestrand. Ich vermute, dass die hier Badenden und sich Sonnenden vom kleinen Kreuzschiff kommen, das draussen vor Anker gegangen ist. Wir gehen am Dienstag, dem 09.03. in der Bucht San Telmo vor Anker. Morgen frueh, wenn das Wasser steigt, wollen wir mit dem Schlauchboot uns in die Muendung eines Flusses "spuelen" lassen. Dann wollen wir auslaufen nach Galapagos. Das sind etwa 900 Seemeilen, das heisst 6 - 10 Tage, je nach Wind und Strom."

ja das ist eine gewaltige Anaeherung an NewZealand.
gute weiter Reise und den richtigen Wind
Sigrid

»

Montag, 1. März 2010

Noch 2 Geburtstagsfeiern und dann Galapagos

So wie es heute aussieht, werden wir am 3. März nach Galapagos auslaufen. Erst nach Süden, bis nahe der südamerikanischen Küste. dann am Äquator entlang nach Galapagos. Das ist bei den derzeit herrschenden Winden die bessere Route.

Morgen feiern wir den Geburtstag von Stu, meinem Kapitän, einen Tag verspätet und zugleich den meinen, taggenau. Zu uns treffen werden Yvonne und Berny, das australische Paar mit dem ich meine meine erste Tour durch den Kanal gemacht habe.

Die Überfahrt wird etwa 7 Tage dauern. Ebensolange wollen wir auf den Galapagos verweilen.

Volkmar

»

Danke, Max,für deine guten

Danke, Max,für deine guten Wünsche!
Ja so ist das. Da glaubt man, man hat Freunde und dann wissen die nicht mal meinen Geburtstag! :) . Dabei ist das so leicht zu merken. Es ist doch der gleiche Tag, an dem Michail Gorbatschow Geburtstag hat. Und der Smetana auch.
Herzlichen Gruß!
Volkmar

»

Suchen

Events

« Juli 2010 »
MoDiMiDoFrSaSo
1234
567891011
12131415161718
19202122232425
262728293031

Einschaltungen