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Segeln um die Welt
Verfasst von Volkmar am Mo, 04/08/2008 - 09:54.

Volkmar

Riesiger Buddha im Wat Indrawihan Mein Chan mit seinem Tuktuk
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Dienstag, 24. Januar 2012

Ab ins Kloster

Am Sonntag verlasse ich mein „Clean & Calm“ Hostel und mache mich auf den Weg in ein sauberes und ruhiges Kloster im Nordosten von Thailand, nahe der Stadt Udon Thani.

Zunächst begebe ich mich zum nahen Anlegeplatz der Expressbote. Ich lass nochmal alle kleinen Häuschen, großen Hotels und goldenen Tempel an beiden Ufern des Chao Phraya River an mir vorbeigleiten. Am Harbour Dept steig ich aus. Ich ziehe mein Kofferwagerl durch schmale, belebte Gassen. Sie sind zu beiden Seiten gesäumt mit Ständen, die alle schon was zum Essen anbieten. Mönche in ihren orangen Umhängen sind unterwegs. Sie sammeln Almosen ein, und ich sehe, dass sie nicht mit leeren Händen und Körben in ihr Wat kommen werden.

Anfangs bummelt der Zug aus Bangkok hinaus. Dann müht er sich eine Bergstrecke hoch. Schließlich saust er ziemlich flott dahin, denn wir haben eine Hochebene erreicht. Hier gedeihen Reis und Zuckerrohr. Nach 11 Stunden Bahnfahrt bin ich in Udon Thani (= Stadt im Norden) angekommen. In Bahnhofsnähe finde ich ein gutes Hotel.

Die Sammeltaxis hier sehen aus wie Klein-LKW mit sehr niedriger Ladefläche. Eingestiegen wird am Heck. Die Mitfahrer sitzen links und rechts einander gegenüber, maximal 5 an jeder Seite. Darüber ist ein Dach. Nach hinten und ab der Rückenlehne auch zur Seite ist alles offen. Neben dem Fahrer ist auch noch ein Sitzplatz. Den nehme ich ein und fahre 8 km in den Südosten. Dort steige ich auf ein Tuktuk um und komme damit bis ins Wat Pa Baan Taad.

Es wird als Waldkloster bezeichnet. Tatsächlich liegt es in ländlichem Bereich. Ich finde die große Gebets- und Meditationshalle inmitten eines lockeren Laubwaldes. Ich wende mich an drei Männer in weißen Hemden und Hosen. Das tragen hier die Gäste. Ken aus USA ist schon ein paar Monate da. Mit ihm vereinbare ich, dass ich Mittwoch in ein Kuti ziehen werde. Das ist ein Haus, wo 2 oder 3 Männer schlafen und auch den Tag verbringen können.

Was wird mich hier erwarten? Einen genauer Zeitplan für die zum Retreat gekommenen Gäste habe ich noch nicht zu Gesicht bekommen. Ich bin darauf gefasst, dass man zwischen 3 und 4 Uhr morgens aufsteht. Von 7 bis 8 Uhr ist Frühstück, die einzige Mahlzeit des Tages. Mit Einbruch der Dunkelheit wird geschlafen. In der Zeit dazwischen wird meditiert – alleine und in der Gruppe, sitzend, stehend und gehend. Es gibt Einzelunterweisungen von Mönchen und Einzelgespräche mit Mönchen. An manchen Tagen gibt es Vorträge. Als Mindestdauer habe ich an 1 Woche gedacht. Es darf aber auch mehr sein.

Genaueres über das Kloster auf http://www.retreat-infos.de/page1/page2/page34/page34.html. Hier gibt es auch weiterführende Links zu anderen Meditations-Zentren und –Klöstern. Siehe auch http://www.kammatthana.com/a_guide_to_buddhist_monasteries_.htm, oder http://www.vimokkha.com/.

Sollte jetzt 4 Wochen nichts zu hören oder zu lesen sein von mir – keine Sorge, ich bin nicht beim Segeln untergegangen, sondern bloß beim Meditieren länger geblieben. Aus heutiger Sicht werde ungeschoren wieder herauskommen, denn ich habe nicht vor als Mönch zu ordinieren.

Volkmar

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Samstag, 21. Januar 2012

Tempelhüpfen

Eigentlich wollte ich zum Zoo. Nicht so sehr wegen der Tiere, sondern wegen Michael. Er ist aus Kenia, schläft im Hostel und arbeitet als Akrobat in einer afrikanischen Truppe. Es gibt täglich 3 Aufführungen im Zoo.

Der Weg zum Zoo führt am Wat (Kloster) Indrawihan vorbei. Ein riesiger, goldener Buddha steht vor mir (siehe Bild oben - anklicken ist hilfreich). Es gibt kleinere, lebensgroße, sitzend meditierende Gestalten. Ich halte sie für Abbilder ehrwürdiger, vermutlich verstorbener Mönche des Klosters. Die Gläubigen erwerben Goldfolien und heften sie den Skulpturen an den Körper. Manche entzünden Räucherstäbchen, oder gießen eine Flüssigkeit in eine Wasserschale. Die beiden aneinandergelegten Daumen ans Brustbein, die Handinnenflächen aneinander gelegt, so knien Thais vor den goldenen Statuen im Gebet. Ein Mann sitzt neben einem Vogelkäfig. Man ist eingeladen einige Vögel zu kaufen und sie dann frei zu lassen. Das bringt Glück ein Leben lang. Angeblich werden die Vögel immer wieder eingefangen und neuerlich an Glückssuchende verkauft.

Ich würdige den Tempel mit fotografischen Aufnahmen und gehe dann zu einer der mobilen Küchen im Tempel-Vorhof, denn es ist Lunch Time. Ein junger Mann spricht mich an. Heute gäbe es eine Aktion: Sich im Tuktuk zu 5 Tempel fahren lassen um nur 20 Baht (60 Euro-Cent). Ein Geschenk? Das ist unwahrscheinlich. Doch der junge Mann sieht sehr vertrauensvoll aus. Und viel kann ja nicht schief gehen. Er heißt übrigens Chan (siehe Bild oben - anklicken ist hilfreich).

Erste Destination ist das staatliche Touristzentrum. Die Frau will mir eine Tour verkaufen. Sie scheitert, denn ich habe schon eine Fahrkarte in der Tasche nach Udon Thani im Nordosten.

Ich setze mich wieder ins Tuktuk. Wir kurven zum nächsten Tempel. Er beherbergt das überlebensgroße Abbild eines liegenden goldenen Buddha. Und viele goldene lebensgroße Skulpturen von Meditierenden.

Ich bin gewiss kein defensiver Verkehrsteilnehmer. Doch Chans akrobatische Manöver mit dem Tuktuk im Gewühl des Straßenverkehrs lassen mich respektvoll aufschauen zu ihm.

Eine Fashion Factory, also Maßschneiderei ist unser nächstes Ziel. Chan zeigt es mir auf der Karte. Ich lass mir ein dunkelrotes Hemd anmessen. Viel zu teuer freilich. Dann wieder hüpfen wir zum nächsten Tempel. Er heißt Marmor-Tempel, weil er viel Marmor hat. Außerdem ein große Zahl stehender und sitzender Buddhas. Sie unterscheiden sich manchmal in der Haltung der Hand: Lehrend, das Meer befriedend, sich selbst dämpfend, ….

Chan zeigt mir am Stadtplan wo der Juwelier ist, den wir nun aufsuchen und die nächste Schneiderei. „Muss das sein?“ frage ich ihn. Ja, denn er braucht den Stempel. Ich müsse wirklich nichts kaufen. Aha, wir sind also eine Schicksalsgemeinschaft mit Aussicht auf Win-Win-Resultat: Er bekommt den Fahrlohn, für die Stempel an allen Shops, er benützt mich dabei. Ich bekomme Tempel zu sehen, ich benütze ihn dabei.

Beim Juwelier erzähle ich noch, dass ich nichts entscheiden könne, weil meine Frau nicht dabei sei. „Surprise your wife,“ rät mir die Verkäuferin. Ich surprise nicht. Dem Schneider sag ich gleich, dass ich hierher gekarrt worden bin und nichts zu kaufen gedenke. Er hat Verständnis und wir trennen uns in Freundschaft.

Letzte Station: Der Goldene Tempelberg. Vom Tempelhüpfen bereits ermattet begegnen mir noch 2 weitere Tempel – denn das ist so in Bangkok, alle paar Schritte ein Tempel. Diesmal darf ich einen Blick zu feiernden und singenden Mönchen werfen. Mönche haben großes Ansehen im Land. Heute ist Mönchstag in Thailand. Daher auch die Aktion mit dem Tempelhüpfen um 20 Baht.

Volkmar

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Mittwoch, 18. Januar 2012

Bangkok 2

Vorgestern habe ich mein Visum nach China beantragt. Für den Rückweg von der Botschaft ins Hostel vertraue ich mich der U-Bahn an. Da sieht alles aus wie in Singapur – blitzsauber, die Fahrkarte ist ein elektronischer Datenträger, die Sperren, der Bahnsteig, die Ansagen. Der Zug rollt hinter einer transparenten Wand heran. Er bleibt mit seinen Türen genau dort stehen, wo die Türen in der Wand sind, dann gemeinsames Öffnen, „Vorsicht vor dem Spalt zwischen Zug und Bahnsteig“, tönt es wie in Singapur. Wieder auf der Straße, ist es schwül und heiß wie in Singapur. Die Straßen sind in thailändischer Schrift beschildert, mit englischen Untertiteln und – im Gegensatz zu Singapur – nicht recht sauber. Ich suche nach der Bootsanlegestelle, um mich per Boot nahe ans Hostel bringen zu lassen. Finden tu ich den Wat Samphathawong (Wat = Tempel). Ich verirre mich dann ins Chinesenviertel. Bevor mich die Platzangst befällt, flüchte ich flusswärts und komme genau bei einer Anlegestelle an. Ich lass mich zuvor noch mit Mangostücken laben und einem bereits zum Verzehr geöffneten Granatapfel.

Die Boote mit dem orangen Wimpel sind die richtigen, wenn man nach Thewet will. Wieder wunderschöne Fahrt am bewegten Fluss. Ich erspähe den englischen Untertitel am Stationsschild zu spät. Das bringt mir eine weitere lange Fahrt bis zur Endstation am Nordende der Stadt ein und dann wieder zurück.

Zurück in Thewet, heuere ich ein Tuktuk. Das sind dreirädrige Motorräder. Hinter dem Fahrer haben 2 Fahrgäste samt Gepäck Platz. Ich lass mich zum Wat Songwet bringen. Gleich in der Nähe suche ich das Hostel mit dem vielversprechenden Namen Clear and Calm auf. Ich darf die Räume besichtigen und buche, die Nacht um € 2,50, zwar nicht sauberer, aber ruhiger als zuvor im „Tourist Guesthouse Area“.

Volkmar

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Montag, 16. Januar 2012

Bangkok 1

Der Bahnhof in Hat Yai stammt aus der guten alten Zeit. Alles hier ist alt, ehrwürdig und ein wenig ungepflegt. Wenn mehrmals laute Pfiffe aus der Trillerpfeife des Fahrdienstleiters ertönen, dann heißt das, dass ein Zug im Anrollen ist. Und da kommt er auch schon, im Laufschritttempo. Ich steige ein. Mit einer Stunde Verspätung, beginnt es zu ruckeln. Dann ziehen wir ganz langsam los. Wie dann die Schienenstöße zu klopfen beginnen, finde ich mich in meine jungen guten Zeiten zurückversetzt, wo Schulferien mit diesem Klang begannen, später dann Urlaub in den Bergen.

Es geht auf Mittag zu, als ich in Bangkok am Bahnhof ankomme und am Kiosk Landkarte und Stadtplan kaufe. Damit versuche ich erst mal den Standort zu bestimmen und dann den weiteren Kurs festzulegen. Ich entscheide mich für 200 m Fußweg zu einem nahen Hotel. Der Preis erscheint gut. Ich möchte mir das Zimmer vorher anschauen. Doch das lehnt der Chef ab. Warum, will ich wissen. Er hat offenbar schlechte Erfahrungen damit: „Viele schauen das Zimmer an, und dann gehen sie wieder.“ Ich kann dem Chef die Erfahrung nicht sparen, dass Gäste auch dann wieder gehen, wenn sie das Zimmer nicht anschauen dürfen.

Nachdem das empfohlene Atlanta voll und zu teuer ist, lass ich mich vom Taxifahrer in das Touristenviertel bringen. Da gibt es an die 100 Hotels und Hostels. Ich bekomme ein Bett in einer Einzelzelle, Fenster auf den Gang, TV, Ventilator und Stellplatz für den Koffer. Schöne Terrasse mit Blick auf den Strom der vorbeiziehenden Touristen, Tuktuk-Fahrer, Eis-, Früchte-, Spießchen- und Souvenirverkäufer. Gegenüber wird an der Straße gekocht und aufgetischt. Die Luft ist voll von Grillschmauch und blöder Musik. Um die Ecke sind Liegen aufgestellt. Darauf werden müde Touristen gelegt und kleine Thaimädchen massieren die Füße der Genießenden. Allabendlich gegen 20 Uhr saust eine kleine weiße Gestalt auf einem elektrisch betriebenen Behindertenfahrzeug vorbei. Dabei drückt sie ständig auf eine Hupe mit Rotlicht. Das ist eine Nonne, klärt mich eine Reisebekannte im Hostel auf. Vermutlich eine besondere Meditationsform – im Elektrorolli durch die Massen rasen.

Meine Halsschmerzen, die ich mir beim Untergang der Titanic zugezogen habe (Museumsbesuch in Singapur), sind zu einem ordentlichen Schnupfen mit Kopfweh aufgestiegen, begleitet von Unternehmungsunlust. Eines Tages lass ich mich dann doch in eines der Flussschiffe fallen und das Ufer an mir vorbeiziehen. Der Fluss heißt Chao Phraya River.

Am Abend bringt mich der Heimweg von veganischen Restaurant (Curry-Gemüse mit Kokosmilch und braunem(!) Reis – so was von lecker!) durch die Khaosan Road. Das ist die Touristen-Meile von Bangkok. Es ist sehr laut. Verrückte Musik kommt aus Konserven und von Lebenden, letztendlich aus leistungsstarken Lautsprechern. Restaurants und Bars, fahrende und geparkte Buffets, Küchen auf Rädern, Verkäufer von Souvenir-Kitsch, aufdringliche Tuktukfahrer, Verkaufsstände mit T-Shirts, Hosen, Schuhen und ---- zuletzt noch Bettler am schmutzigen Gehsteig hockend. Ich komme mir vor, wie in einem Tollhaus. Laut, schrill, schräg, verrückt – das alles ist noch geprahlt. Massen von Touristen. Woran sich die vergnügen –ich weiß es nicht. So glücklich oder gar glückselig sieht da keiner aus. Wie wenn sie was suchten, die bereits Tätowierten, und die Anderen.

Volkmar

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Samstag, 14. Januar 2012

Noch ein Blick auf Singapur

Ich habe den Eindruck, da ist sehr viel durchdacht, geplant, organisiert und reguliert. Für Gesetzesübertretungen stehen schwere Strafen, die angeblich auch vollzogen werden.

So haben es in Singapur die Raucher sehr schwer. Es herrscht generelles Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden, öffentlichen Verkehrsmitteln und Restaurants sowie in Personengruppen mit mehr als fünf Personen (zum Beispiel bei Warteschlangen). Es gilt auch für Terrassen, die halb oder ganz im Freien sind. Ich, einstmals militanter Nichtraucher, sehe ohne Mitleid die armen Raucher auf den Gehsteigen stehen. Wer einen Zigarettenstummel wegwirft, wird hart bestraft. Er darf öffentliche Flächen reinigen, mit einer Leuchtweste, wo drauf steht, warum er das tut. Wer mehr als 500 Gramm Cannabis bei sich hat, wird zwingend zum Tode verurteilt. Schläge mit dem Rohrstock auf das nackte Gesäß gibt es nur für Männer, bei Vergewaltigung, Vandalismus, Wände besprühen und fürs Lügen beispielsweise. Damit schreckt Singapur Gesetzesübertreter ab und zieht jährlich etwa 40 zu Gesetzesbruch tendierende Menschen unwiderruflich aus der Gesellschaft ab. Bezogen auf die Einwohnerzahl von Österreich wären das etwa 70. Das ist immerhin viel weniger, als wir uns an Verkehrstoten – hier ist die Unschuldsrate viel höher als bei der Todesstrafe – gestatten. Die Folge: Singapur gilt als eine der sichersten Städte der Welt. Es lohnt sich, auf Wikipedia, http://de.wikipedia.org/wiki/Singapur, mehr darüber zu lesen. Keine Beobachtungen habe ich gemacht, wie sehr High-Kriminalität, wie Geldwäscherei, Korruption und dergl. gedeiht oder nicht.

Ich halt Singapur für stabil und fragil zugleich. Mir ist alles viel zu künstlich, zu wenig Natur. Ich möchte da weder wohnen noch arbeiten. Singapur lebt offenbar davon, dass ständig viele Menschen zuwandern. Die Geburtenziffer liegt bei 1,2 Kinder je Frau.

Erste Tage in Thailand

Der Autobus bringt mich bis Tah Yai. Das ist die erste größere Zugstation im Süden von Thailand. Gleich neben der Busstation frühstücke ich in einem kleinen Lokal. Ich freunde mich Wong an. Er frühstückt auch hier. Sein Bus nach Kuala Lumpur fährt bald, daher bittet er mich ihm beim Frühstück zu helfen. Ich lerne ein paar merkwürdige Details aus der thailändischen Küche kennen, an die ich mich alleine vielleicht nicht gewagt hätte.

Ich finde den Bahnhof, den Fahrkartenschalter und eine Karte im Schlafwagen des letzten Zugs um 18:45 nach Bangkok. Nun habe ich 8 Stunden Zeit. Ganz locker, ohne Gepäck, mitten im „Geschehen“. Zuerst noch ein paar stattliche Gebäude mit Banken und Hotels. Dann kommen die Geschäfte. Sie wachsen weit bis auf den Gehsteig heraus. Es wird viel gekocht, gebraten und gegrillt. Dann wieder die Tische und Stühle von Cafes.

Ich lass mich neuerlich auf eine Fußmassage ein. Erst zieht sie sanft und gemächlich über meine Füße her, blad wird sie flotter und fester im Griff. Schließlich entwickelt sie sich zum kleinen Quälgeist. Meine Zucken und Stöhnen mäßigt sie. Sie dehnt die Fußmassage aus auf Knie, Oberschenkel, Rücken, Schultern, Nacken und Kopf. Dann ist die Stunde um. Ihr Chef will 200 Baht dafür, das sind 5 Euro.

Ich entspanne mich im Restaurant bei gebratenem Reis mit Sprossen und Shrimps. Es gesellt sich Ajub Jusuf zu mir. Er kommt aus Timor, lebt nun mit Familie auf Sumatra, eine Stunde Schnellfähre entfernt von Singapur. Seine Familie ist gerade shoppen – ein Vergnügen an dem er sich nicht beteiligt. Er erzählt mir, dass er protestantischer Christ ist und seinen Glauben praktiziert. Wir kommen auf Gott und die Welt zu sprechen und verabschieden uns als Brüder im Herzen und Geiste.

Volkmar

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Freitag, 13. Januar 1012

Angekommen in Thailand

Gestern im Bus bis Hat Yai. Am Abend in den Zug nach Bangkok gestiegen. Ich bin nun in einem der Hostels im Banglamphoo Guest House Area abgestiegen.

Rückblick auf Singapur

Sich in Singapur zurechtzufinden ist wirklich sehr einfach. Die U-Bahn ist ein Erlebnis für sich. Jedenfalls für mich Hinterwäldler war es das. So viele Shopping Malls auf einen Fleck, so viele Wolkenkratzer, so viele Menschen aus 4 oder 5 verschiedenen Kulturen! Und alle Gebäude sind innen und außen blitzsauber. Riesige Glasflächen, gigantische Konstruktionen aus nichtrostendem, glänzenden Edelstahl. Wer putzt das alles? Die Bauherren haben viel Geld dazugelegt, damit die Materie nicht bloß aufeinander geklotzt wird. Man spielt mit ihr, richtig übermütig erscheint es mir zuweilen: Da gibt es einen Wolkenkratzer, dessen Säulen wie Spiralen übereinander stehen. Kürzlich sind die 3 Türme in der Marina Bay fertig geworden. Sie erheben sich in einem gewaltigen seitlichen Bogen. Oben drauf, im 57. Stockwerk, steht auf allen 3 Türmen das lange „Schiff“ mit Palmen, Hotel und Swimmingpool. Es ist unglaublich, was den singapurischen Städteplanern alles eingefallen ist, wie man Fassaden gestalten kann. Es gibt zahllose Brunnen und Wasserspiele in- und außerhalb der Gebäude von ganz Singapur. Dazu die vielen gut eingerichteten und bestens gepflegten Grünanlagen. Ich habe den Eindruck, den Stadtplanern ist kein einziger Quadratmeter entgangen. Sie haben alles am Reißbrett und in hohem Maße unter Kontrolle.

Es ist natürlich alles Natur aus 2. Hand, die Dachgärten, Parks und Grünflächen und Bäume zwischen den Schnellstraßen und Parks. Ich sehe das keineswegs als den zukunftsweisenden Weg an. Ganz im Gegenteil - nobel wird die Welt zu Grunde gehen. All die Pracht in Singapur fußt auf der Verfügbarkeit über billiges Erdöl, für den vielen Strom, für die vielen Klimaanlagen, für die Aufzüge, Rolltreppen, U-Bahnen und die Belüftung und die Beleuchtung der unterirdischen Welten. Es ist abzusehen, dass Energie knapp werden wird. Die Menschen in Vanuatu werden sich leichter daran gewöhnen können als die in Singapur.

Es lohnt sich, wenn man auf der Durchreise durch Singapur ist, einen Tag dranzuhängen, um sich das anzuschauen. Singapur ist was Besonderes, auch im Positiven, finde ich. Etwa auch deshalb, weil auch die Menschen in Singapur unter besonderer Kontrolle stehen, doch sichtlich ganz anders als in den bekannten autoritären Staaten. Das Zusammenleben der Menschen im Alltag scheint reibungslos zu funktionieren. Es gibt keine allgegenwärtige Spitzel. Polizei ist auch in Uniform kaum zu sehen.

Es leben hier Menschen aus sehr konträren Kulturen und Religionen dicht nebeneinander. Da sind einmal die Inder zu nennen. Die Frauen tragen wunderbar Sari und sind bis ins hohe Alter richtig schön. Dann gibt es die Muslime. Man sieht die Frauen im Kopftuch, sehr selten Burka. Ihre schönen Kleider tragen sie mit Würde, vom Scheitel bis hinunter über die Fußknöchel. Die Chinesinnen haben die Knöchel frei bis hinauf, wo mit dem Großen Gesäßmuskel die waagrechte Falte gebildet wird. Hier scheint das niemands religiöse Gefühle zu beleidigen. Kurze Hosen bei Männern wird vorwiegend von Chinesen und Europäern getragen. Hindutempel, buddhistische Tempel, Moscheen und Kirchen haben nebeneinander Platz.

Nun zitiere ich Wikipedia: Der singapurische Staat fasst sein Verhältnis zur Religion in der Öffentlichkeit im Konzept des "muscular secularism" (englisch, sinngemäße Übersetzung: „wehrhafter“ oder „wachsamer Säkularismus“) zusammen. Ziel dieser politischen Haltung ist laut wiederholter Verlautbarungen singapurischer Offizieller die Gewährleistung des sozialen Zusammenhalts einerseits und den Schutz des multiethnischen und multireligiösen Stadtstaates vor religiösem Extremismus andererseits. (Zitat Ende).

Volkmar

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Dienstag, 10. Januar 2012

Sorry für das Spam versaute Tagebuch

Es ist wie auf der Reise - oder wie im Leben. Es gibt Dinge, da müssen wir einfach durch. Irgendwann wird der OESYC-Webmaster aus seinem wohlverdienten Winterschlaf erwachen und eingreifen. Soll uns nichts Schlimmeres passieren.

Wie ich heute früh den plötzlichen Drang verspüre, aufzustehen, finde ich die zwei einzigen Toiletten voll besetzt und eine Warteschlange davor. (Ich muss schon wieder an die Adria denken. Da erwachen die Zikaden auch alle auf einmal, schlagartig). Für Menschen jeglichen Alters kann das zur kleinen bis mittleren Katastrophe werden. Ich habe es durchgestanden und -gegangen. Der Wasserschlauch, die einzige Vorkehrung zur Körperreinigung in der Kabine, spritzt nicht nur aus dem vorderen Loch. Er hat auch länsgseits lange Schlitze, von denen ich nicht sicher bin, ob sie zum Zwecke der Reinigung erfunden worden sind. Und der Schlauch löst sich ständig vom Auslaufhahn.

Irgendwie werde ich auch damit fertig. Soll mir nichts Schlimmeres passieren.

Ich finde die Stelle im Hostel, wo Kaffe, Toast, Toaster, Marmelade und Margarine auf mich warten. Ich beschränke mich auf Marmelade als Aufstrich. Auch wenn ich die Warteschlange vor dem Klo durchstehe, für Industrieschmiere aufs Brot bin ich zu alt.

Ich fühle mich wohl. Die Welt ist wieder gut in Ordnung, freut sich

Volkmar

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Montag, 09. Januar 2012

Und wieder ein Spam

Lieber nichts anklicken von dem vorigen Beitrag. Das führt zu nichts Gescheitem. Der Webmaster von OESYC ist vermutlich noch in den Weihnachtsferien. Ich hoffe, er reagiert bald erfolgreich.

Ich bin heute mit dem Bus nach Kuala Lumpur, der Hauptstadt von Malaysien gefahren. In China Town habe ich ein Hostel gefunden. Ich habe mich wegen Abendessen umschauen wollen. Da steh ich auf einmal in einem chinesischen Massageinstitut. Das schlage ich nicht aus. Abendessen kommt nach der Massage. In der Straße vor dem Hostel steht Restaurant neben Restaurant. Die Köche werken am Gehsteig hinterm Wok, inmitten der Gäste. Da ist allerlei los.

Eine Zusammenfassung über Singapur habe ich im Kopf. Bis bald.

Volkmar

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Samstag, 07. Januar 2012

Gehacktes

Hacker sehe ich wie Bettler am Straßenrand mit Neigung zum Diebstahl. Manchmal bringt es doch was. Bettler sind keine Zierde für das Straßenbild. Ich hoffe der Webmaster vom Oesyc entfernt die Bettler aus meinem Tagebuch und verwehrt ihnen nachhaltig den Zutritt.

Zum Verständnis: Wie meine Gründungs-Webmasterin die Website www.segelnumdiewelt.at eingerichtet hat, hat sie das Tagebuch ausgelagert auf die Webseite des Oesterreichischen Hochsee Yachtclubs. Sie hat das Tagebuch in ein stimmiges Umfeld gebracht, und das außerdem kostenlos für mich. Von SPAMs sind ausschließlich das Forum und die Blogs des Oesyc betroffen, nicht aber meine eigentliche Webseite

Hier im reichen Singapur sehe ich übrigens keine Bettler am Straßenrand oder vor Kirchen sitzen. Ich vermute, dass es verboten ist. Im armen Vanuatu habe ich ebenfalls keine Bettler gesehen. Hier funktioniert das gewachsene soziale Netzwerk anscheinend noch gut genug.

Im Kunstmuseum in Singapur ist derzeit TITANIK ausgestellt - viele Bilder und originale Fundstücke. Man kann in nachgebaute Kabinen schauen, den Wandelgang der 1. Klasse begehn, man hört die Maschine stampfen, kann den Eisberg anfassen und vieles mehr.

Mehr ein andermal.

Volkmar

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Vorsicht SPAM

Offensichtlich ist es wieder einem Hacker gelungen sich in Volkmars Blog einzuschleusen (siehe die beiden "Coach" Beiträge unten).
Ich empfehle, nicht auf die blauen Hyperlinks zu klicken. Vielleicht kann der Webmeister den Mist auch entfernen?

Dennoch viel Spass in dieser Welt der kleineren und größeren Freuden aber auch Gefahren, :-)
Max

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Freitag, 6. Januar 2012

Thailand winkt

Dem Besuch in der Botschaft des Königreiches Thailand war auch am Dienstag der Erfolg versagt. Ich musste zunächst Geld ziehen und mein Dummy-Ausreise-Flugticket auf einen Termin innerhalb der erlaubten 60 Tage umschreiben lassen. (Es war unbedacht von mir auf 64 Tage ausgestellt). Dabei ergab es sich, dass ich Brieftasche mit frischem und altem Geld, brauchbaren Kreditkarten und Führerscheinen auf die Straße gestreut habe, unbemerkt zunächst von mir.

Vier Stunden laufe ich herum wie ein Medizinmann, dessen Zauberhalskette aufgegangen ist, die Perlen sind verschwunden und er hat all seine Potenz verloren. Wer bin ich, hier im fernen, geschäftigen Singapur, ohne Zahlungskraft? Ich erkenne, auf einer Insel in den Salomonen, wo es keinen Geldautomaten gibt und die Menschen noch mit Muschelgeld handeln, wäre mein Problem ein kleines. Ich könnte an den Strand gehen und Muscheln suchen. Verhungern würde ich dort nicht, denn die Papayas hängen an den Bäumen, die Menschen sind hilfsbereit und ließen mich nicht verhungern. Und umgekehrt, der Kannibalismus ist nicht mehr Tradition. Aber hier in Singapur?

Ich habe noch 40 S$ Bares bei mir. Rupert leiht mir 60 dazu. Ich entwerfe Strategien für den Rest meines Lebens und sehe den Finder mit meiner Karte bereits die Shoppingcenters leerkaufen. Der Heilige Antonius, in dessen Hände ich in Fällen wie diesem mein Schicksal lege, führt mich an jene Stelle, wo ich aus dem Taxi gestiegen war. Ein grauhaariger Inder hat da gerade was zu schaffen. Ich sag ihm mein Problem. Sein Lächeln verrät alles: Er hat mich gleich erkannt – vom Foto auf meinem Führerschein in der Brieftasche. Er hat mein Tascherl mit Zauberpapier und Zauberkarten aufgehoben, erst vom Boden und dann in seinem Shop. Es fehlt nichts. Der Inder weicht meinem Umarmungsversuch aus. Finderlohn lehnt er ab. Ich spüre mich sehr verbunden und lege schließlich meine Hand auf seine Schulter. Er wird mein favorisierter Gemüsehändler an der Ecke Dunlop Street/Clive Street im Stadtteil Little India. Mein Hostel InnCrowd ist nur ein paar Schritte entfernt. Wir lächeln uns zu, sooft ich vorbeikomme. Auch seine Mitarbeiter lächeln schon. Nachreisende, besucht ihn! Holt euch ein Lächeln ab – was hier nur sehr selten zu bekommen ist. Doch darüber mehr ein andermal.

Mittwoch gebe ich den Visa-Antrag ab. Damit habe ich ein Zwischenziel erreicht und belohne mich mit einem Besuch im Nationalmuseum. Man hängt mir einen Zauberkasten um den Hals und klemmt Hörer auf mein Haupt. Auf Knopfdruck kann ich mir alles erzählen lassen von jedem Ausstellungsstück, vor dem ich gerade stehe. Ich lass mich 5 Stunden bezaubern. Wirklich amazing und unbelievable, was und wie das hier gezeigt wird. Ich ziehe durch die Galerie, in der Bilder von Künstlern des 19. Jahrhunderts, vorwiegend Franzosen, gezeigt werden. Dann in die permanente Ausstellung von der Geschichte von Singapur. Sie enthüllt mir Einiges vom Selbstverständnis, vom Entstehen und Bestehen der multikulturellen Nation von Singapur.

Seit gestern habe ich Pass und Visum. Das Visum lautet auf 90 Tage anstatt der vorgesehenen 60 Tage, wohl ein Rechenfehler des Botschafters. Da hätte mein vorheriges Ausreiseticket auch genügt.

Ich packe ein Paket: Segelhose, Unterwasserkamera, das lange Holzschwert von meinem Freund auf Mota Lava, der wasserdichte Sack für den Computer, Bücher vom Segeln um die Welt, 2 Spanisch-Sprachführer, die dicke Schwarte eines ausgezeichneten Englisch-Wörterbuches und meine Beute aus dem großflächigen Markt indischer Kleidung. Kaum hatte ich ein wunderschönes Kleid gekauft, begegnet mir am nächsten Stand ein noch viel schöneres. Mich überkommt ein Kaufrausch und ich rette mich einen Stock tiefer. An der Wand ein Poster: Der Mensch vermag, wie pflanzenfressende Tiere, auch durch die Haut zu atmen, denn sie hat offene Poren. Die Säure im Magen ist nur ein Zwanzigstel so stark wie bei Fleischfressern. Und er hat einen Darm von 12 mal seiner Körperlänge. Das freut mich.

Ich such mir was aus vom Angebot dieses vegetarischen Restaurants, vertraue es dem sanften pH-Wert meiner Magensäfte an, von wo es alsbald in meinen langen Darm geführt werden wird. Und ich atme mit allen meinen Poren, gestärkt mit Nahrung, wie Elefant, Pferd und Giraffe und in der Tasche die Busfahrkarte nach Kuala Lumpur.

Volkmar

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Montag, 2. Januar 2012

Thailand ruft

Ich freue mich auf Bangkok und versuche den Weg dorthin zu finden. Ich beginne im Haus gegenüber – im Institut für Thai-Massage. Die Massage tat gut. Die Frau war bei der Sache und verstand ihr Handwerk und ihre Kunst. Ich hatte sehr hohe Erwartungen, weil mir Freunde so begeistert erzählt haben davon. So toll war es aber wieder nicht. Offenbar sind meine Masseurinnen zu Hause so Spitze, dass die Thai-Mädchen nur schwer herankommen.

Meinen beiden Besuchen in der Embassy of Thailand ist der endgültige Erfolg noch versagt geblieben. Am Freitag hat man mich wieder heimgeschickt. Die wollten zuerst ein Rückflugticket sehen. Heute früh habe ich eines erworben: Singapur – Bangkok und zurück um 15 SingDollar. Fliegen kann ich damit zwar nicht – will ich auch gar nicht. Es ist nämlich ein „Dummy-Ticket“ – für die Botschaft reicht es angeblich, um mir ein Visum zu machen. Ich bin dann wieder zur Botschaft geeilt. Doch die haben mich heute schon am Tor abgewiesen: Public Holiday.

Ich liebäugle, mich mit einer neuerlichen Thai-Massage zu versöhnen und mich verwöhnen zu lassen. Doch dann ich fahre mit der U-Bahn an den Singapur-River, dort wo Singapur vor 200 Jahren begonnen hat, zu entstehen. Natürlich habe ich eine Rundfahrt auf einem kleinen Schifferl gebucht. Wir kurven ganz nahe an den Füßen riesiger Wolkenkratzer entlang. Beeindruckende Architektur. In der Ferne das größte Riesenrad der Welt.

Im nahen Alten Parlamentsgebäude entdecke ich, dass am Abend Konzert ist. Ein Kammermusik-Ensamble spielt Klassiker und Romantiker, unter anderen Danzi (Sinfonia Concertante, Opus 41) und Schostakowitsch (Walzer für Flöte, Klarinette und Piano, Opus 97c). So was habe ich mir schon lange gewünscht. Zuckersanft hat der Klarinettist sein Instrument gespielt, wunderbar gefühlvoll phrasiert im Zwiegespräch mit der Flötistin, die sich gerne tragen hat lassen von ihm. Der Walzer war so schmissig und gediegen gespielt – fast wie edle Schrammelmusik.

Zum Abschluss wieder Thailand, diesmal ein Restaurant.

Wenn ich morgen auf der Botschaft erfolgreich bin, dann könnte es sein, dass ich zum Wochenende mit einem Autobus nach Malaysien fahre, dem mittleren Fernziel Thailand entgegen.

Wer es noch nicht weiß: Ich denke daran, über Laos, vielleicht auch Vietnam mit Bus und Bahn nach Peking zu segeln. Dann mit der Transmongolischen Eisenbahn über Ulan Bator (Mongolei) nach Russland und Moskau. Das Segeln am Meer ist wunderbar. Dennoch – irgendwann reicht es, zumindest vorübergehend.

Ich freue mich schon auf herbstliches Segeln in der Adria. Sie wird mir ja doch nicht zu klein geworden sein?

Volkmar

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Samstag, 31. Dezember 2011

Breakfast with Buddha

Das war der Titel des einzigen Buches, das ich auf der 5wöchigen Fahrt von den Salomonen bis Singapur gelesen habe. Eine der Betrachtungen, die der buddhistische Mönch seinem Gastgeber zeigt, hat mich noch viele Tage beschäftigt. Sie beschäftigt mich auch heute wieder, am Altjahrestag:

„Gottes Musik spielt die ganze Zeit, für jederman. Gottes Musik ist Liebe. Diese Liebe kreist durch unsere Welt. Manchmal sagt/bedeutet sie, dass da Hilfe ist von dieser Liebe, Quelle ….“

Die Vorstellung, dass im Hintergrund Musik vom Feinsten tönt … Vordergründiges ein wenig zur Seite schieben …. hinlauschen …. Kennst du das?

Ich erinnere mich heute auch eine sehr schöne Neujahrsfeier vor vielen Jahren. Die Gastgeber hatten uns eingeladen, uns zu entspannen und dann das verklingende Jahr zu betrachten, welches Erlebnis uns in jedem einzelnen Monat besonders nahe gegangen ist. Für mich hat das immer was zu tun gehabt mit dem Wahrnehmen dieser feinen Hintergrundmusik, die liebend alles Leben durchwebt.

Falls du das versuchen möchtest, so Monat für Monat, gebe ich hier noch ein paar Hinweise, was das beispielsweise ungefähr sein könnte:

Schön gewandert. Einen Berg bestiegen. In einen besonderen See zu besonderer Stunde getaucht. Im Flusse gewesen.
Einem Menschen ein guter Zuhörer gewesen. Jemand hat dir zugehört, ohne zu beurteilen, ohne zu loben oder zu tadeln.
Freund gewonnen. Jemandens Freund geworden.
Einen Freund in einer schönen Feier mit Freunden für immer verabschiedet.
Ein neuer Mensch ist auf die Erde gekommen.
Zwei Menschen trauen sich zu gemeinsamen Leben.
Guten Sex gehabt.
Gut und schön gegessen.
Von Musik ergriffen worden – passiv zuhörend oder aktiv mitgestaltend.
Ein Bild gemalt, eine Skulptur gebildet – ehrlich, wahrhaftig.
Gesungen, getanzt, wie im Himmel.
Willkommen gewesen. Jemand herzlich kommen lassen.
Einem berührenden Gottesdienst beigewohnt oder ihn mitgestaltet.
Genesung, Heilung erfahren aus Enge, Schmerz und großer Not.

Entspanne dich und schau was kommt.

Ziele setzen, Konzepte machen fürs neue Jahr – es vermiest dir den Augenblick, das einzig Wahre, denn in deinem Kopf führst du dir all deine Blößen und Mängel vor, kreierst du Wünsche, deren Zahl endlos sein kann. Und im Augenblick macht es unglücklich.

Auf das zu schauen, was du hast und bist, auf deine Ernte – das wünsch ich uns allen heute, am letzten Tag des Gregorianischen Kalenders.

Volkmar

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Danke fürs Gewesene - Freude aufs Neue

Lieber Volkmar,

danke für deine weisen Worte, deine Hinweise werden uns in den letzten Stunden des Jahres eine willkommene Anregung sein. Übrigens waren auch deine Berichte ein Teil dieser Hintergrundmusik, sie haben uns immer wieder Neugier und Freude erleben lassen.

Ich bin vollkommen deiner Meinung, wie du über die Ernte schreibst. Einen Gedanken möchte ich zum Genießen und zum Entspannen in der Gegenwart dazustellen: Auch die Zukunft kann in der Gegenwart Freude vermitteln - bekanntlich ist ja die Vorfreude eine der schönsten Freuden. Und wenn unsere Energie unserer (unverkrampften) Aufmerksamkeit folgt, kann sie uns entspannt und gleichzeitig freudig erregt zu wunderbaren neuen Ufern geleiten.

Diese Kombination aus Genießen der Gegenwart mit der Bereitschaft zu Wachstum und Entwicklung möchten wir übrigens heuer verstärkt mit einer neuen Auflage unserer Lebenskunst Reihe erleben.

Christine und ich wünschen dir eine schöne Zeit in Singapur, es scheint eine tolle Stadt zu sein. Wenn du gleichzeitig den Wunsch in dir trägst, 2012 wieder in der Adria zu segeln, zweifeln wir nicht daran, dass sich entsprechende Gelegenheiten ergeben werden.

Wir freuen uns auf dich!
Max
www.beziehungsarbeit.at

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Ich freue mich auf euch

Lieber Max!

Danke für diese weise Ergänzung - das hat wirklich gefehlt. Mit der Zukunft habe ich manchmal Probleme, ich weiß. Klar, ich plane jetzt ja auch meine Zukunft, auf dass ich mich erfreuen kann an ihr, jetzt schon und dann, wenn sie Gegenwart geworden ist. Der Zufall wird dennoch genug Zeit und Raum bekommen, um mit mir zu spielen.

Ich plane über Malaysien nach Bangkok mit Bus oder Zug zu reisen. Dort werde ich Visa machen für Laos, China, Mongolei und Russland. Als Transportmittel plane ich Bus, Bahn und Flussschiffe (Mekong) zu nützen. Für den genauen Zeitpunkt meiner Heimkehr lasse ich dem Zufall Spielraum. Aber herbstliches Segeln in der Adria ist angeplant.

Ich freue mich auf euch!

Volkmar

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Donnerstag, 29. Dezember 2011

Das Segeln von den Salomonen bis Singapur

Es war sehr abwechslungsreich. Das Besondere an dieser Reise ist, dass wir nicht geradewegs an einem Großkreis entlang gesegelt sind, wie man angenähert Atlantik, Pazifik oder Indik überquert. Es liegt im Wesen einer Überstellung, dass das Schiff von A nach B muss, mit wenig Rücksicht auf Wind und Strömung. Erst nach Norden, bald im weiten Bogen nach Nordwest bis West. Vor Borneo dann das Abbiegen nach Norden und Hindurchfinden durch Inseln, Riffe und Untiefen bis ans Nordkap von Borneo. Zuletzt wieder nach Westsüdwest eine Woche lang bis auf 1°15‘ an den Äquator heran. Dazu das Prickeln wegen der Piraten. Die Neigung des Kapitäns lieber zu wenig als zu viel Diesel zu tanken, hat der Fahrt einen ganz besonderen Reiz gegeben. Hahaha.

Das Christkind hat uns auf offener See gefunden. Es hat für uns frischen Wind aus Nord gebracht, die südlichen Ausläufer des verheerenden Taifuns über den Philippinen. Regen war auch dabei.

Seit wir die beiden Nordspitzen von Borneo passiert haben, haben wir ständig Bohrplattformen um uns. Sie sind hell beleuchtet, manchmal mit riesiger Gasfackel, jedenfalls unübersehbar. Wir haben zunächst viele Schiffsbegegnungen. Der wenige Wind zwingt uns zum Motoren. Das saugt uns wieder Diesel ab, mehr als wir gebunkert haben, sollte es so weiter gehen bis Singapur. Rafael erhält von seiner besorgten Mutter eine Mail, worin sie vom Taifun in den Philippinen schreibt. Wir beginnen der Wettervorhersage, empfangen über Satelliten, wieder Vertrauen zu schenken. Es werden 15 Knoten Wind angekündigt. Tatsächlich sind es dann über längere Abschnitte 30 Knoten aus Nordnordost gewesen. Das ist nicht wenig, wenngleich die Richtung schräg von hinten geradezu ideal ist. Auch die Welle kommt hauptsächlich von dort.

Der Schiffsverkehr nimmt erst allmählich zu, schlagartig schließlich, als wir etwa 80 sm vor Singapur sind. Plötzlich haben wir 15 Boote am GPS/AIS-Bildschirm. Einige liegen vor Anker und rühren sich wenigstens nicht. Viele haben uns passiert, teils von vorne gekommen, teils von hinten. Wir sind die Langsamsten mit unseren 6 – 7 Knoten. Bloß das „Monster“ hinter uns hat das gleiche Tempo. Es ist ein manöverier-behindertes Ungetüm, beleuchtet wie ein Christbaum. Rupert fragt per Funk beim Monster an, ob es uns e sieht. Ja, sie hätten ein Auge auf uns – was immer das heißen mag, wenn es von einem Monster ausgesprochen wird. Vor uns taucht neuerlich ein „Parkplatz“ von Schiffen auf, die vor Anker liegen. Rupert entscheidet, sich lieber zwischen den geankerten Schiffen hindurch zu schlängeln, als noch länger den unheimlichen Christbaum hinter sich zu wissen. Der überholt uns nun. Wir erkennen, dass es ein schwimmender, sehr hoher Kran ist.

Es wird nun richtig eng. Schiffe, die zuvor noch vor Anker lagen, beginnen sich zu bewegen. Zuvor in Fahrt gewesene Schiffe ändern Kurs und Geschwindigkeit und setzen offenbar zum Ankern an. Inzwischen erreichen wir das Verkehrstrennungsgebiet. Es ist rechts und links von einer unglaublich großen Zahl von Ankerliegern gesäumt.Manchmal haben wir 40 Schiffe am Bildschirm. Wir fahren ganz rechts und handeln uns nun stundenlang an den Ankerliegern entlang. Schlafen gehen will keiner von uns. Rafael hält Ausschau. Rupert ist viel am Navigationstisch und schaut dort auf den Bildschirm, der die genauere Karte zeigt und zusätzlich Ort, Kurs und Fahrt unseres Schiffes zeigt. Ich stehe am Ruder, hauptsächlich mit Blick auf den GPS/AIS-Bildschirm. Ich kann Entfernung, Kurs und Geschwindigkeit ablesen. Das Programm errechnet ständig den Zeitpunkt der nahesten Nähe und den Abstand aus. Wenn das knapp wird, melde ich es dem Kapitän. Er entscheidet über allfällige Kursänderungen und ruft sie mir zu. Ich gebe es dem Autopiloten ein und melde den Vollzug an Rupert.

Im Morgengrauen erreichen wir den Immigrations-Ankerplatz und melden uns per Funk bei der Immigration. Die sind in kurzer Zeit mit ihrem Boot da. Wir bekommen Formulare, füllen sie aus und geben sie wieder ab. Dann die letzten 4 Meilen zur One15Marina. Die Spannung lässt nach. Wir machen uns Tee und Kaffee. Die Leute vom Nachbarboot reichen uns Sandwiche herüber.

Es ist ein sehr schöner Abschluss des Segelabschnittes meiner Reise gewesen.

Volkmar

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Dienstag, 27. Dezember 2011

Singapur Sightseeing

Vincent und Helene, die Eigner der „Hakuna Matata“, lassen uns spüren, dass sie froh sind, ihr Boot nun in Singapur zu haben. Zwei Stunden nach unserer Landung sind sie beim Boot. Sie zeigen uns die Einrichtungen der Marina, versorgen uns mit Taschengeld und Lunch.

Heute haben sie uns was von Singapur gezeigt. Zuerst bringen sie uns zu einem Einreise-Büro in Hafennähe. Unser Skipper hat noch Papierkram zu machen. Dann gemeinsames Frühstücken.

Little India heißt ein Stadtteil im Norden des Zentrums. Für mich von Interesse sind die Backpacker Hostels, die es hier gibt. Ich schau mir 2 davon an – es gefällt mir. Vor allem das Rundherum: Viele kleine Läden und Markstände dämpfen meinen Kulturschock. Das was wir zuvor von Singapur gesehen haben, sah aus wie es im Buche steht: Stadtautobahnen, immer wieder Bäume neben den Straßen, viele Baustellen, eine ungeheure Ansammlung von Wolkenkratzern, viele davon mit ausgefallener Architektur. Alles sehr sauber, sehr gepflegt und gestylt. Es sieht alles gut organisiert aus. Es ist nicht wirklich bloß steril.

Es folgt der Besuch eines unheimlich großen Supermarktes mit unvermeidlichen Einkäufen von Kleinigkeiten.

Zum Lunch haben uns die Eigner in eine richtig billige, jedoch köstliche Speisehalle eingeladen. Am Rand und auch in der Mitte stehen Reihen von Küchen, die Essen anbieten: chinesisch, indisch, indisch vegetarisch, muslimisch, thailändisch, indonesisch. Sich das Essen bis in kleinste Details auswählen zu können, zu sehen wie es gemacht wird – das halte ich für eine hohe Essenskultur und Lebensqualität.

Und nun komme ich gerade zurück vom gemeinsamen Abendessen im brasilianischen Restaurant. Salat steht am Büfett zur Selbstbedienung, Fleisch und Fisch wird von den Kellnern auf großen Spießen dargeboten und vor den Augen des Gastes mit scharfen Messern in dünnen Scheibchen abgeschnitten. Die fallen dann gleich auf dessen Teller. Die Kellner sind richtig begeistert bei ihrem Job. Sie eilen ohne Stress, allenfalls mit dem guten Eustress, zwischen den Tischen Ich fühle mich in hohem Maße willkommen in diesem Lokal. Immer wieder kommen die Kellner mit Spieß und Messer angesaust und schnipseln dir was auf den Teller, solange du nicht ablehnst. Dann kommt der nächste daher mit dem Dessert: Ananas am Spieß gegrillt. Hmmm.
(Brazil Churasco, 14/16 Sixth Avenue, Reservierung 0065 64631923).

Übers Segeln erzähle ich beim nächsten mal wieder.

Volkmar

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Montag, 26. Dezember 2011

Angekommen in Singapur!

Der neue Tag hat zu dämmern begonnen, als wir heute in Singapur im Imigrations-Feld auf die Einreiseerlaubnis gewartet haben. 2 Stunden später sind wir in der One15marina an den Steg gegangen.

Die letzten drei Tage waren in ihrer Art ein würdiger Abschluss meines Segelreise-Abschnittes. Wir hatten 3 Tage und Nächte hindurch den ersehnten Wind aus der richtigen Richtung und in der richtigen Stärke. In der letzten Nacht sind dann noch die vielen Schiffe dazugekommen, die da um Singapur herumkurven. Ich habe nur eine Stunde schlafen können, denn es war so intensiv. Mehr ein andermal, wenn ich ausgeschlafen bin.

Volkmar

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Weihnachtsgrüße

Aus dem kalten, grauen Österreich ein warmer,lichter Weihnachtssgruß an dich lieber Volkmar, ich hoffe es geht dir gut und die Piraten lassen dich und deinen Segelkollegen ungehindert ziehen. Freu mich auf ein Wiedersehen hoffentlich im kommenden Jahr, umarme dich aus weiter Ferne Birgit

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Hi Birgit, schön wieder mal

Hi Birgit, schön wieder mal von dir zu lesen und mich umarmt zu wissen. Ja, ich rücke schon näher. Es könnte sein, dass ich 2012 in der Nachsaison meine Lust am Segeln in der Adria ausleben werde. Bist herzlich eingeladen.
Volkmar

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Volkmar schrieb von UTC+8, 0427,75N, 12100,23 E,

Hallo wieder eine Sendung von Volkmar via NZ-Stützpunkt.

Herzliche Weihnachtsgrüße von Sigrid und Chris!
Hier in Neuseeland ist Sommer, viel los mit Schul-Jahresende, Studium, Weihnachten und Erdbeben,jedoch alles im grünen Bereich. Unteranderem der Grund der Verspätung im Weiterreichen, wo wir es doch vor ~ einer Woche erhalten hatten.

Weiter unten ist eine Eintragung vom 10.12 "Volkmar ist Anfang Dezember wieder über den Äquator gesegelt.
Nach meiner Rechnung müsste Volkmar so um den Jahreswechsel in Singapore ankommen.

Er schreibt: mit "üäöß" fehlten wieder und habe fast Alle eingefügt.

"Landgänge auf indonesischen Inseln

Weil unser Vorrat an Diesel zur Neige geht, steuern wir die Insel Karakelong an. An anderer Stelle lesen wir, dass sie Kepulauan Talaud heit. Sie gehrt zu Indonesien. Eigentlich drüften wir nur mit einem Visum an Land gehen. Doch für uns gilt der Notfall, dass wir ohne Nahrung, Wasser und Diesel nicht weiterfahren können.

In Melonguane, der Hauptstadt der Insel, versuchen wir zuerst, indonesisches Geld zu bekommen. Der einzige Geldautomat mag die Visa-Card von Rupert nicht. Mit meiner Maestro hat der Automat ein grundsätzliches Problem, bzw. ich mit ihm: Wenn ich das Maximum von einer Million Rupiah (etwa 80 Euro) anfordere, gibt er nur 500 000 heraus. Wenn ich 500 000 anfordere, bekomme ich 400 000. Das macht mich stutzig. Die Leute von der Bank kennen das Problem. Als man mir ein Protokoll ausdruckt, wo die ausgefolgten Beträge ausgedruckt sind, beruhige ich mich und ziehe mir mein Tagesmaximum in 6 weiteren Raten aus der Maschine. Die Leute in der Bank, die Frauen am Markt, die Kinder an der Mole  sie waren ausgesprochen freundlich und fröhlich mit uns. Mich haben die Kinder für den Santa Claus gehalten, nicht ohne die Hand aufzuhalten nach Süßigkeiten. An die 20 Kids begleiten mich fröhlich auf meinen beiden Gängen zur Bank.

Wir bekommen Wasser und Nahrungsmittel doch kein Diesel. Das gäbe es nur in Tahuna auf der 80 sm entfernten Insel Pananaru Sangihe, sagt man uns. Nach 70 sm schalten wir den Motor aus, um noch ein paar Tropfen Treibstoff fürs Anlegemanver zu behalten. Eine Stunde lang fahren wir erfolgreich mit 1-2 Knoten unter Segel weiter. Dann schläft der Wind ganz ein. Eine Strömung von etwa 2 Knoten bestimmt unseren Kurs leider in die falsche Richtung. Wir lassen die Nacht kommen. Bei Tagesanbruch finden wir uns in einem weiten, schönen Bogen erst nordwärts, dann nordostwärts versetzt, 20 sm von unserer Tankstelle entfernt. Gegen 10 Uhr kommt schwacher Wind auf. Wir nützen ihn und nähern uns wieder der Insel, bis eine widrige Strömung andeutet, dass wir hier noch ein paar Tage länger im Kreis fahren könnten. Um 14 Uhr kann Rafael einen Fischer herbeiwinken. Mit ihm und einem leeren Kanister fährt er 20 sm ins Fischerdorf, treibt dort am Sonntag Diesel auf, und kommt mit voller Kanne zurück. Wir belohnen den Fischer angemessen, kippen den Diesel in den Tank und bewegen uns nach Tahuna. Navigatorisch eine gute Leistung. Denn grundstäzlich sollte man es vermeiden, nachts unbekannte Häfen anzulaufen. Auerdem hat Rupert nur die ungenaue elektronische Karte. Wir müssen spr-en, wo der Anlegesteg in der riesigen Bucht ist. Rafael und ich stehen am Vorschiff und halten nach allflligen Seezeichen Ausschau. Rupert empfängt zum Glück das AIS-Signal einer Fähre. Das zeigt auf unserem Bildschirm den Ort an, wo die Fähre sich befindet, und auch deren Geschwindigkeit: 0 Knoten. Sie liegt offenbar an der Mole. Damit haben wir gewonnen. Am Sonntag, dem 11.12. um 23 Uhr legen wir in Tahuna an. Es stehen genug Leute an der Mole, die uns helfen. Auch von der Coast Guard ist ein Mann dabei. Nein, wir haben keine Schusswaffen und auch kein Rauschgift an Bord. Das genügt zur späten Stunde.

Am Montag wird es Mittag, bis Rupert das Paperwork mit der Coast Guard hinter sich hat. Nun kann er das Diesell bestellen. Dazu muss ein Agent genommen werden. Das restliche Geld folgt der Automat auch gegen Ruperts Visa-Karte aus. Das Diesell kann leider erst am Dienstag geliefert werden. Um 15 Uhr verlassen wir die Insel mit 430 Litern in Tank und Kanistern nicht zu viel, wie mir scheint.

Wir haben den Rest des Tages, die ganze Nacht und auch den halben Mittwoch besten Segelwind. Dann ist Schluss damit. Wir motoren wieder. Die See ist sehr ruhig, Vollmond, Sternehimmel und viele Fischerboote, manchmal ein größeres Schiff.

Heute früh bekommen wir Besuch von einem der Fischerboote. Wir lehnen die Fische ab, die sie uns anbieten. Rafael wirft eine Packung Tabak hinber. Mehr Kontakt wollen wir diesmal nicht. Es gibt hier immerhin Berichte von Piraterie. Das könnte auch so beginnen. Das Fischerboot begleitet uns in 200 m Abstand noch ein Stück. Dann dreht es ab. Unseren Kurs zu diesem Zeitpunkt hatten wir geringfgig geändert, hoffentlich ausreichend, um nicht dorthin zu fahren, wo uns andere Fischer inzwischen auflauern.

Wir planen, in ca. 2 Tagen im Nordosten von Borneo einen Zwischenstopp zu machen, um neuerlich Diesel und Vorräte zu besorgen.

Volkmar"

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Frohe Weihnacht

Lieber Volkmar,

wahrscheinlich schipperst du gerade irgendwo in der Celebes See sehr relaxed deinen neuen Zielen entgegen. Dennoch möchten wir dir sagen: Du und deine Nachrichten fehlen uns! Aber lange kann es ja nicht mehr dauern ...

Wir wünschen dir aus einem relativ warmen Österreich ohne Schnee Frohe Weihnachten!

Max und Christine

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Hallo Max und Christine! In

Hallo Max und Christine! In der Celebes See mussten wir nochmal tanken. In den letzten 3 Tagen und Nächten im Südchinesischen Meer hatten wir die Gunst der Ausläufer des Taifuns über den Philippinen zu spüren bekommen. Es war heftig. Ich bin noch immer land-sick - und genieße das Nachschwanken natürlich.
Ich wünsch euch frohe Weihnachten und viel Schnee!
Volkmar

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gruss von NZ

Schoen von euch zu hoeren und , dass ihr auch meinen Vater auf diese Weise regelmaessig besucht. Er schreibt mir zur Zeit ueber das Radio so alle 2 Wochen. Verzeiht die nicht sehr uebersichtliche Einfuegungen. Das ist erstmal die beste Reihung , die ich hinkrieg.
Euch eine Gute Weihnachtszeit auch wenn der Schnee noch auf sich warten laesst. Sigrid und Chris

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Auf dem Weg über den Äquator - Bericht 10.12.11

Auf diese Weise ein Lebenszeichen von Volkmar.

...mein Vate hat geschrieben am 10.12.11 erhalten/bearbeited 25.12.11

Über eine 'HF private coast station in the Maritime Mobile Radio Service ist dieses Email von Volkmar bei uns angekommen...ein langes Mail,.so geb ich es weiter , wobei ich es scheint daß Umlaute und so manche ß auf der Strecke geblieben sind. So manches Wort kann ich nicht enträtseln. Somit ein kleines Spiel in diesem Mail inbegriffen.
Hier in Neusealnad blühen die Rosen und Lilien im Garten...grad recht für Advent und Weihnachten.

Somit viel Spaß beim Lesen und erraten fehlender '?'Buchstaben.

'Wer langsam segelt, segelt länger'

Das Handy klingelt. Es ist der Wecker: 05:55. Um 6 Uhr beginnt meine Wache. Ich hätte viel gegeben an diesem Morgen, wenn ich noch ein, zwei Stunden hätte schlafen können. Seit wir in den Salomonen ausgelaufen sind, haben wir Wind von hinten oder gar keinen Wind gehabt, wohl aber Welle. Das sind genau die Bedingungen, die ein kleines Schiff, wie unsere 42-Fu-Ketch, hin und her schaukeln lässt, von einer Seite auf die andere. Dazu kommt das Schlagen der schlaffen Segel und halbe Zeit der Lärm der Maschine. Es war immer war immer Bewegung am Schiff.

Am Donnerstag hat bald in der Früh Wind aus Nord bis Nordost eingesetzt. Bei unserem idealen Kurs von 285 ergibt das Wind von steuerbord seitlich bis vorlich. Dank des Winddruckes auf die Segel neigt sich das Boot nun deutlich zur anderen Seite. Es ist nun nicht mehr der alleinige Spielball der Wellen des Wassers. Mageblich ? Autoritt über die Schräglag hat nun der stetige Winddruck. Das beruhigt die Schiffsbewegung, und in der Folge das Leben und das Schlafen an Bord.

Es ist noch stockdunkel, wie ich schlaftrunken ins Steuerhaus hinaufkrieche. An Bord gilt immer noch die Salomonen-Zeit von UTC + 11. Das ist identisch mit der Ortszeit am 165-Grad-Längenkreis. Unser GPS zeigt an diesem Freitagmorgen 13858 s?tliche Länge, was bedeutet, dass bei uns die Sonne und alle anderen Gestirne natürlich auch, erst 2 Stunden später auf- und untergehen als die Uhr vermuten ließe.

Und: Wir befinden uns seit Mittwoch, 30.11., etwa 04:30 wieder auf der nördlichen Halbkugel! Es ist wieder mondlose Nacht gewesen. Kein roter Strich war zu sehen. Zu meinem Wachantritt am Freitag hatten wir 0128 nördliche Breite erreicht. Wir befinden uns etwa 150 Seemeilen nördlich von Neuguinea, allerdings bereits dem westlichen Teil, der zu Indonesien gehört.

Übergang über den Äquator hat was mit Geburtstag, mit Übergang in ein neues Lebensjahr gemeinsam: Es ist am nächsten Tag alles noch genauso wie vorher. Noch steht das Kreuz des Südens am Himmel, das falsche, wie das richtige. Der helle Fixstern mit dem Namen Canapos ist zu sehen und das schwer erschaubare Sternbild des Segelschiffes wäre nachvollziehbar vorhanden, nähme ich die Sternenkarte zur Hand. Kaffeekanne nennen sagen respektlos die Neuseeländer zum Orion. Er steht hier am Äquatur und zu dieser Jahreszeit um Mitternacht im Zenith. Der Äquator zieht genau durch den mittleren der drei Knöpfe seines Grütels. Ich beginne mich von den Kreuzen des Südens zu verabschieden. In Singapur, wo ich in etwa 2 Wochen ankommen werde, sind sie noch zu sehen, vielleicht auch noch von Bangkok aus. Und irgendwann werde ich den Polarstern wieder sehen.

Der Nachthimmel, hier völlig frei von Fremdlicht-Verschmutzung, ist eine schöne Erfahrung auf meiner Reise. Es ist alle Zeit der Welt vorhanden, um immer wieder den Untergang der Sonne zu schauen. Und wenn man Wache hat, wie ich gestern, von 6 bis 9, dann sieht man wie es hell wird im Osten, manchmal rot und orange, manchmal unspektakulr silbrig weiß. Eine Stunde später beginnt die Sonne ins Cockpit zu glühen. Und tagsüber die Vielfalt der Wolken am Himmel! Schön, dass sich mir das alles zeigt.

Hier befinden wir uns im Westpazifik. Die typische Ost-West-Strömung in den Äquatornahen Breiten aller Meere endet hier. Auch der Passat (Tradewind) verliert sich. Hier beginnen die Monsune aus dem asiatischen Festland zu wirken. Insgesamt gibt das eine schwer vorherzusagende instabile Wettersituation, zur Zeit mit wenig Gefahr von tropischen Wirbelstrümen. Wir fahren halbe Zeit unter Segel. Das Schiff luft sehr gut, auch bei schwachem Wind. Die Maschine startet Rupert dann, wenn wir längere Zeit unter 3 Knoten Fahrt haben. Ich bemerke angenehm seinen Sinn für Langsamkeit. Wer langsam segelt, segelt länger.

Wir 3 Männer sind alle sehr relaxed, wie die Anglophonen sagen. No drama, ist ein geflügeltes Wort von Rupert, dem Kapitän. Er zwngt? sich immer wieder mal irgendwo in den Maschinenraum, um ein Bilgepumpe? zum Laufen zu bringen, um die Maschine zu putzen oder die Filter zu wechseln. Im Team mit mir hat er das Starter-Relais zerlegt, die Kontakte gereinigt, alles wieder zusammengebaut. Nun startet die Maschine schon beim ersten Versuch. Wir sind stolz auf uns. Rafael, der Brasilianer ist der Küchenchef. Er bäckt auch Brot besseres, als es in den Bäckereien zu kaufen gab, sind wir uns einig. Auch er sehnt sich nach Girlfiends. Girlfriends sind austauschbar meint er, aber die eigenen Kinder er hat 2 davon das fühlt sich ganz anders an, seufzt er.

Heute, nach fast 12 Tagen am Meer, sind wir nun etwa auf der Hölfte des Weges zwischen Gizo in den Salomonen und Borneo. In Borneo werden wir an der Nordostkante der Insel herumfahren und dann etwas südlicheren Kurs nach Singapur einschlagen. Das sind dann weitere 10 Tage. Es wird Weihnachten werden sehr relaxed, wie sich abzeichnet.

Volkmar

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Montag, 21. November 2011

Letzter Absprung zum Start nach Singapur

Ich bin tatsächlich am Weg nach Singapur. Es wird nicht über Mikronesien gefahren, sondern etwas südlicher. Wir werden die Inseln von Papua Neuguinea (PNG) im Süden liegen lassen. Es sollte nicht nötig werden, dass wir eine von ihnen anlaufen, denn wir haben kein Visum. Notfalls käme Kavieng in Frage. Wir werden Inseln von Indonesien berühren. Dann soll es nördlich von Celebes, nun Sulawesi geheißen, vorbei gehen. An der Nordostspitze von Borneo, sie gehört zu Malaysien, ist ein Stopp geplant. Möglicherweise will der Kapitän in Brunei seinen Bruder besuchen. Und von da ist es nicht mehr weit nach Singapur. Das Klima an Bord ist sehr gut. Der Rupert ist ein ganz fideler Typ, sehr locker und humorvoll. Seit 18 Jahren tut er Yachten überstellen. In dieser Gegend ist er allerdings auch zum ersten mal.

So richtig am Weg sind wir noch nicht. Das kam so: Als wir in Noro am Diesel-Dock stehen, ist auf einmal Samstag gewesen. Die Bank in Noro hat geschlossen. Der Kapitän hat nicht ausreichend Geld in der Tasche, auch wir alle zusammen auch nicht. Kein Geld, kein Diesel.

Wir motoren zurück Richtung Gizo. Kurz vorher machen wir an der Boje vor dem Fatboy-Resort fest. Es ist ein malerischer Ort. Das Restaurant steht auf Stelzen im Wasser. Ein Steg führt zur Insel Mbambanga. (Ich bin 10 Tage zuvor schon mal hier gewesen). Ein Schiff der NZ-Navy haben wir gerade noch auslaufen sehen. Es hatte vor dem Resort ein paar Tage vor Anker gelegen. Die Kiwi’s haben alle Vorräte des Resorts aufgegessen. Es gibt nur noch Getränke. Und ein Billardspiel. Ich spiele sehr gerne Billard, verliere aber meistens. Zu Backgammon, wo ich meist gewinne, haben weder Rupert, noch Rafael Lust. Rupert mag Schach, was mir wieder gar nicht liegt.

Was Spiele betrifft, sind wir also nicht sehr kompatibel. Aber das war sowieso noch nie der Fall, auf meiner Reise, dass ich einen passenden Spielpartner gefunden hätte.

Der Entzug des Spielens seit nun mehr als 3 Jahren wird spürbar. Im Januar, traditionsgemäß, trifft sich ein Freundeskreis im Wochenendhaus einer Familie zu einem langen, ausgedehnten Spiele-Wochenende: Mittags der wird der riesige Karpfen aufgetischt, den mein Schwager traditionsgemäß aus Böhmen herbeischafft. Am Nachmittag lang langlaufen, falls es Schnee gibt. Und dann der lange Spielabend! Ich vermisse ihn. Aus heutiger Sicht könnte ich um diese Zeit in Bangkog sein und auf die Visa nach China, Mongolei und Russland warten und auf die Reparatur meines Laptops.

Aktuell sind wir nun wieder in Nor und haben erfolgreich Diesel getankt. Und hier gibt es ein letztes mal Internetzugang. Dann vermutlich 3 Wochen nicht mehr.

Volkmar

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Volkmar ist Anfang Dezember wieder ueber den Aequator gesegelt

der follstaendige Bericht vom 10,12 so ist es jetzt um einen Bericht nach ben gerueckt worden...Sigrid 25.12.11 ....

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Freitag, 18. November 2011

Ameisen, Wuchteln und Singapur

Winzige Ameisen haben sich über meine Wuchteln her gemacht. Die Wuchteln gibt es am Markt zu kaufen. Sie sind für mich willkommenes Frühstücksgebäck geworden, abwechselnd zur Eierspeis mit Zwiebel, grünem Paprika und Melanzani, alles in der Pfanne gebraten mit Kokosnussöl. (Sehr zu empfehlen).

Heute gibt es die Wuchteln. Denn für das Zubereiten einer Eierspeis fehlt mir, zugegebenermaßen, die Ruhe. Ich schüttle 99 % der kleinen Mitesser ab. Der verbleibende Rest wird unter Einfluss meiner Magensäure sterben müssen.

Ich habe gestern abends alle meine Sachen gepackt. Wirklich trennen konnte ich mich nur von Wenigem: Eine von meinen 3 langen Hosen und meine 2. Zahnbürste für die 3. Zähne werde ich da lassen. Der Abschied fällt schwer, doch am Schiff ist wenig Platz. Jeder Kubikzentimeter zählt! Mein 47 cm Bildschirm muss mit. Meinen am eigenen Bildschirm erkrankten Laptop konnte auch in Gizo niemand reparieren.

Ja, Rafael, der Brasilianer an Bord, hatte gestern ein köstliches Abendessen bereitet. Er war in Australien eine Zeitlang Küchenchef in einem Restaurant. Damit war die Entscheidung für mich noch leichter geworden: Ich fahre mit, wenn’s passt bis Singapur.

Wasi, ein anderer guter Geist im Sunwest Motel, wird mich im 4WD (4 wheel drive car) in die Stadt bringen. In der Bäckerei wird George, der Eigner des Sunwest Motels, zusteigen. Er lässt es sich nicht nehmen, uns in die Geschäfte zu führen, wo wir uns mit den besten Lebensmitteln versorgen können. George liebt mich. In jungen Jahren ist er britischer Offizier auf einem großen Schiff gewesen. Am liebsten würde er mitkommen mit uns nach Singapur. Aber inzwischen sei er zu fett bekennt er sich lachend zu seinem Übergewicht.

Der Plan am Schiff ist: Heute nach Noro zum Tanken und Ausklarieren. Dann werden wir, Papua Neuguinea links liegen lassend in Richtung Mikronesien, vielleicht Palau, jedenfalls Indonesien und Borneo weitersegeln.

Für die gesamte Dauer der Fahrt bis Singapur rechnen wir mit 30 bis 60 Tagen. Es wird in dieser Zeit etwas still werden mit Eintragungen in meinem Tagebuch, denn am Weg dorthin sind die Internet-Zugänge rar.

Volkmar

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Donnerstag, 17. November 2011

Sehr verdächtig!

Gegen 11 Uhr verlasse ich deprimiert das Internetcafe. Noch immer kein Lebenszeichen von der 120-Fuß-Ketch, die von Australien über Papua Neuguinae nach Thailand unterwegs sein muss. Ich tröste mich am Markt mit einer sehr großen 3-S$-Kokosnuss. Das weiche Jelly war richtig gut.

Ohne Böses zu denken, schlendere ich zur Anlegestelle für die großen Schiffe. Es nähert sich eine 40-Fuß-Ketch (Zweimaster). Ich bin beim Anlegen behilflich. Nach kurzer Zeit haben wir uns und unsere Ziele bekannt gemacht: Captain Rupert aus England mit Crew Rafael aus Brasilien an Bord sind nach 19 Tagen auf See soeben aus Samoa angekommen. Sie überstellen dieses Schiff. Die Eigner sind ein Ehepaar aus Singapur. Dorthin soll die „HAKUNA MATATA“ (auf Deutsch: Keine Probleme) gebracht werden.

Das deckt sich so gut mit meinen Zielen, dass ich die beiden, nachdem sie einklariert haben, im Restaurant des Gizo Hotels wieder treffen muss. Wir werden grundsätzlich handelseins. Für heute Abend bin ich an Bord eingeladen. Wenn mich da nicht der Schlag trifft – wofür es im Augenblick keinerlei Vorzeichen gibt – dann segle ich morgen ab! Möglicherweise, ohne mich hier noch mal zu melden.

Es soll erst etwas in den Süden gehen, weil dort noch Treibstoff gebunkert werden soll. Ich vermute, dass wir zum Ausklarieren wieder nach Gizo müssen. Wie die Zwischenziele heißen, werde ich heute Abend erfahren.

Wow!

Volkmar

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Montag, 14. November 2011

Kein Bock zum Schnorcheln

Ich hatte mich für Samstag angemeldet. Noch brennen Rücken, Nacken und haarlose Stelle am Haupt von der letzten Schnorcheltour. Da beschließe ich kurzerhand, nicht hinzugehen. Ich sitze auch fast den ganzen Sonntag auf der Veranda meines Sunwest Motels und genieße den 180-Grad-Rundblick aufs Meer, schau der Brandung zu und beginne dann am Bildbericht von Vanuatu nach Salomonen zu schreiben. Um 14 Uhr fällt der Strom aus. Das verschließt mir den Computer. Ich wandere zum Yachtklub in die Stadt hinunter - 4 Schiffe stehen da. Ich unterhalte mich mit der Wirtin. Trotz offener Augen und Ohren hat sie keinen Kapitän für mich gesehen oder gehört.

Ich lass mich im Taxi heimkarren. Es ist noch immer kein Strom da. Die Nacht beginnt daher sehr früh.

Kein Strom heißt hier auch kein Wasser. Die Situation in der Toilette spannt sich an. Ich finde einen zweiten Locus, zwei Etagen tiefer. Hier fließt das Wasser allein dank Schwerkraft in den Spülkasten. John, der Gute, reicht mir unaufgefordert Klopapier dazu. Er weiß auch, dass ich heißes Wasser für Morgenkaffee schätze. Er hat es bereits bereitet. Ich fühle mich willkommen, kann ich dem John dankbar sagen.

Hier im Internet hätte ich Nachricht erwartet. Seit Donnerstag verfolge ich eine heiße Spur: Ein 42-Meter-Schiff mit viel Platz drauf hat Australien verlassen und ist auf dem Weg über Papua Neuguinea nach Mikronesien, Philippinen und Thailand. Ich habe ihnen gemailt, sie sollen einen Schwenk nach Gizo machen und mich aufpicken. Aber die haben jetzt wohl kein Internetzugang, sodass sie nichts wissen von mir.

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Freitag, 11. November 2011

Die Pfanne haut dem Fass den Boden aus

Die Bratpfanne dreht sich, wenn ich sie am Holzgriff fasse. Sie tut es genau in dem Moment, wie ich meinen rechten Unterarm knapp oberhalb des heißen Pfannenrandes habe. Schon habe ich am Unterarm eine Verbrennung 2. Grades. Die Brandblase, kaum hochgegangen, reibe ich aus Versehen ab. Und das hier, wo in diesem feuchten Klima, wo alle Wunden so langsam verheilen!

Das haut dem Fass den Boden aus – und ich übersiedle ins Sunwest Motel. Es steht am Berg, 180° Rundblick aufs Meer, zu meinen Füssen brandet es an die Korallen, ein auf- und abschwellendes Rauschen Tag und Nacht, das Motel noch kein Jahr alt, Küchengeräte voll auf Schuss, alles sehr sauber, freundliche Leute.

Meine aus Linz stammende Mitgästin E im Phoebe’s Motel war schon 2 Tage vorher hierher übersiedelt, aber schon wieder abgereist, als ich ankam. Das fand ich gut so. Es hatte unsere Freundschaft belastet, dass ich mich im Phoebe’s Motel nicht, wie sie, auch noch über das ständige Fehlverhalten der jungen Medizinstudentinnen entrüstet habe: Triefend nasse Wäsche über Sesselleinen hängen, Party bis nach Mitternacht, selbstbewusstes Auftreten, Unbelehrbarkeit usw. Ich sei ein Arshole, hatte sie mir abschließend schriftlich mitgeteilt und gleich hinter diesem Wort ihren Namen gesetzt. Wenn ich das symbolisch verstehe und an meine fallweise heftigen Blähungen denke, tut mir die Frau ein wenig leid. Manchmal hatte ich den Eindruck, sie führte im Kopf eine Beschwerdeliste mit sich, wo sie alles festhält, was ihr die Reise-Umwelt an Unzulänglichkeiten so zeigt.

Einen wohltuend menschlichen Zug hatte die Pensionistin auch: Sie fand Dinge im Kühlschrank, die andere noch gar nicht verloren hatten. Und sie bekannte sich zu ihrer kleptomanischen Neigung. Ausborgen hat sie es genannt. Und freundlicherweise hat mir nichts gefehlt (in der ganzen Bedeutung dieses Satzes), nachdem sie abgereist war. Im Gegenteil, sie hat von allen Sachen, die wir zuvor redlich geteilt hatten, reichlich Ersatz mitgebracht: eine Papaya, Kaffee und Milch.

Ich gerate so durchschnittlich einmal im Jahr an Frauen, die mir nach kurzer Zeit sehr schräg erscheinen und alsbald missgelaunt verschwinden. Ich denke an die eigenartige Eignerin des kaputten Katamarans in Whangarei und an St. Lucia, wo ich einer Frau angeboten hatte, mein Helfersyndrom zu benützen und hinterher verbal verprügelt worden bin von ihr. Wie kommt das bloß? Ich sollte mir wohl auch so eine Beschwerdeliste zum Festhalten anlegen.

Der Eigentümer des Sunwest Motels heißt George Taylor. Er ist aber nicht Schneider, sondern der Bäcker von Gizo. Das Brotbacken habe er in Australien von einem Polen gelernt, erzählt George. Das Geschäft geht gut. Sein Vetter namens Bernhard managet inzwischen die Bäckerei. Diesen Bernhard kenne ich bereits. Von ihm bin ich auf der Straße ein paar Tage vorher freundlich angesprochen worden. George baut mit dem Geld, das die Bäckerei abwirft, Häuser. Das Motel hier hat er selbst geplant und in Eigenregie errichtet. Ich habe Respekt vor ihm. Er sagt von sich, er müsse immer schauen, „what happens“. Die Erklärung gibt er auch dazu: Sein Vater ist Chinese. Auch in Gizo ist es so: Die Geschäfte werden von Chinesen betrieben, und den Schwarzen, denen das nicht so liegt, scheinen das zu schätzen.

Gestern Abend hat George Barbecue gemacht, Grillfestl auf deutsch. Wie Huhn, Fisch, Beef, Reis, Süßkartoffel, Melanzani, Kürbis und grüner Salat am Tisch stehen, faltet er die Hände: „Thank you Jesus Christ ---- Amen“, bekreuzigt sich und das Festessen beginnt.

Übers Christentum lassen die Leute hier in der Südsee nichts kommen, sie sind dankbar dafür, wusste E, die praktizierende Katholikin, zu berichten. Ich finde das in Gesprächen mit den Menschen hier bestätigt. Der Wechsel hingegen zwischen den verschiedenen Konfessionen – katholisch, Anglikaner, Protestanten, Adventisten, Baptisten, Mormonen – scheint ihnen nicht schwer zu fallen. Ich kann dem was Gutes abgewinnen, denn es schwächt die Tendenz der Amtskirchen, zum Monopol zu degenerieren.

Volkmar

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Montag, 7. November 2011

Auf den Spuren von JFK und die Qualitätsmängel in meinem Hostel

Ich lebe mich ein in Gizo. Gestern habe ich versucht, herauszufinden, ob es ein anderes Hostel gibt in Gizo, billiger im Preis, bei akzeptabler Wohnqualität. Die mindere Qualität im Phoebe’s Hostel könnte ich zwar akzeptieren, aber nicht zu diesem Preis – 200 Solomon Dollars je Nacht, das sind 22 Euro. Um dieses Geld kann ich zu Hause ein schönes Zimmer mit Frühstück bekommen. Entscheidend aber letztlich: Die 22 Euro bewegen sich an der oberen Grenze dessen, was ich auf Dauerreise zu finanzieren vermag.

Die Mängel: immer wieder kein Klopapier, die Spülung funktioniert nicht, ein 2. Spülen ist erst nach 10 Minuten möglich, weil das Wasser so langsam nachfließt, entsprechend zögerlich sprinkelt es in der Dusche aus dem Brausekopf, die Brausekammer ist nicht abschließbar (huchch), die Gasflammen am Gasherd zeigen ein zuwendungsbedürftiges Flammenbild, Zündsicherung gibt es hier sowieso nicht, keine Streichhölzer mehr, das Schloss zur Tür in meinen Schlafraum lässt sich nicht aufsperren, wenn ich nachts dringend muss, es lässt sich nicht zusperren, wie ich heute früh das Haus verlasse, um hier her ins Internetcafé zu gehen. Der Mistkübel ist seit Tagen bummvoll, es gibt keine brauchbare Bratpfanne, zu wenig Esswerkzeug und zu wenig Kochgeschirr. Alle diese kleinen Mängel sind erträglich, aber nicht zu diesem Preis.

Vorgestern habe ich mich 10 Minuten weit zu einem Resort auf einer nahen Insel schippern lassen. Von dort bin ich mit dem Kajak zur Kennedy-Insel gepaddelt. Sie heißt so, weil JFK und andere Männer, die er befehligt hatte, sich schwimmend dorthin gerettet hatten. Das ist im 2. Weltkrieg gewesen. Auf der Insel gab es kein Wasser, kein Klopapier, überhaupt keine Toiletten, keine Bratpfanne, keine Streichhölzer und keine Moskitonetze. Außerdem war es gefährlich für Kennedy und die Seinen. Sein Patrouillenboot war von einem japanischen Kriegsschiff versenkt worden. Wenn ihn die Feinde entdeckten, würde er im in deren Gefangenschaft geraten. J. F. Kennedy hatte Kokosnüsse zur Verfügung. Auf eine (oder mehrere davon?) hatte er eine Botschaft gekritzelt. Von der solomonischen Küstenwache ist die Botschaft gefunden und verstanden worden. Das hatte ihn und seinen Leuten wahrscheinlich das Leben gerettet. Ein funktionierendes Klo oder ein Gasbrenner mit gutem Flammenbild hätten das nicht gekonnt.

Einem der Männer, die hier beim Hostel den ganzen Tag im Schatten sitzen und sehr relaxed schauen, konnte ich meine Botschaft sagen. Ob ich verstanden worden bin, das wird sich zeigen, wenn ich heimkomme. Falls nicht, dann könnte ich ein paar der Kokosnüsse als Wurfgeschoße einsetzen ---. Lang herumgekritzelt wird da nicht mehr.

Volkmar

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Ärger

Na, da sieht man wieder, welche heilsame Kraft ein guter Ärger entwickeln kann ;-)

LG, Max

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Donnerstag, 3. November 2011

Schnorcheln bei Gizo

Ich habe schon am ersten Tag den „Yachtclub“ ausfindig gemacht. Vom Wasser aus ist er gut zu sehen, bloß von der Straße ist er schwer als solcher zu erkennen. Es stehen 4 Boote in der Ankerbucht. Eines davon ist dem Fabio seine „Windancer“. Er ist also auch schon angekommen. Er wollte sein Boot hier abstellen und mal wieder heim fliegen.

Gestern war ich schnorcheln mit einer Gruppe von Tauchern. Das Tauchen mit
der schweren Ausrüstung - es ist mir ein wenig unsympathisch. Und teuer ist
es auch. Ich bin mit dem Rücken nach oben an der Oberfläche geblieben. Klarer Himmel und klare Sicht. Ich schwebe wieder mal über einer wunderbaren Farben- und Formenpracht besonnten Gärten aus Korallen. Dazwischen bunte kleine und größere Fische. Auf einer schmalen Insel wird Lunch für uns bereitet. Es gibt Reis mit Erbsen, Fisch und Kürbisscheiben, alles gebraten am offenen Feuer. Es folgt ein zweiter Schnorchelgang am anderen Ende der Insel, dem „Secret Spot“. Es hat hier leichte Strömung. Ich lass mich treiben. Ich bekomme ein Wechselbad – das Wasser aus der Tiefe ist kühl, wohl keine 28 Grad. Das Wasser, das langsam über die Korallenbank treibt spürt sich an wie 37 Grad. Am Abend habe ich einen kleinen Sonnenstich - sehr müde, Schwindel und dann noch Kopfweh. So spürt sich angeblich auch beginnende Malaria an, ist es aber nicht, wie ich taufrisch am Morgen erkenne.

Nun bin ich den 3. Tag in Gizo, der zweitgrößten Stadt von Solomon Islands, Salomonen in der deutschen Bezeichnung. Die Stadt erinnert ein bisserl an Aschach an der Donau: lange Straße am Wasser entlang, Ufer (hier eine Insel) auf der anderen Seite. Häuser mit Geschäften zu beiden Seiten, manchmal offen zum Wasser hin, Anlegestelle ---. Es ist bloß ein bisserl wärmer hier. Tagsüber 32 Grad. Und es ist auch nicht alles abgezirkelt gepflastert. Es gibt entlang der Straße ein verdrecktes Gerinne. Der Plastikmüll ist relativ dünn gesät.

Die Menschen sind sehr schwarz bis mittelbraun und noch heller. Sie haben krause Haare. Doch die Kräuselung scheint bei den meisten Menschen hier nicht so dicht und streng zu sein wie bei den Melanesiern in Fidschi. Manche haben das Haar hinten zu einem Schopf gebunden oder 3, 4, oder 5 Schöpferl zur Seite und nach oben. Die Haare sind nicht so schwarz, manche haben braunes Haar und manche sind richtig blond. Bei denen ist auch die Haut heller. Es gibt auch Albinos. Da ist die Haut ziemlich weiß und meist übersät mit braunen Fleckchen. Das Haar der Albinos ist gelborange.

Die Menschen begegnen mir hier wieder sehr freundlich. Man mustert mich sanft, ich lächle hin, man lächelt zurück, Wink mit der Hand oder ein knappes Hello. Manchmal auch in der umgekehrten Reihenfolge.

Am Markt komme ich mit 2 Männern ins Gespräch. Nach 10 Minuten wird der eine ganz leise mit der Stimme – ob wir Freunde werden wollten, fragt er mich. Ich schlage ein. Wir tauschen unsere Namen aus. Ich gebe auch meine Karte mit Email-Adresse her – falls mal einer nach Österreich kommen sollte ---.

Die Wahrscheinlichkeit, hier ein Schiff zu finden, schätze ich für hoch ein. Es ist der letzte Hafen zum Ausklarieren für Segler die nach Norden und Westen wollen. Die Saison ist noch nicht zu Ende. Lawry, der Yachtclub-Eigner zeigt sich sehr kooperativ. Er weiß um das Ziel einer jeden Yacht Bescheid. Mein oranger Zettel mit Bewerbung/Angebot hängt schon an seiner Anschlagtafel.

Volkmar

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Dienstag, 1. Oktober 2011

Von Honiara nach Gizo am Passagiere befördernden Cargo-Boot

Es wimmelt von Menschen am Kai im Hafen von Honiara, als ich im Taxi mit schwerem Gepäck ankomme. Das Boot ist schon ziemlich voll, obwohl es bis zur Abfahrt noch 45 Minuten sind. Die Bänke sind alle besetzt. Viele der Passagiere haben Matten aus geflochtenen Blättern ausgebreitet und lagern darauf. Mütter mit Kindern sitzen mit ihren Kindern am Boden auf Matten und Tüchern, eingefriedet von den zahlreichen Gepäckstücken.

Mir wird ein taubstummer Mann zugeteilt. Er schleppt meinen Koffer aufs 2. Deck. Mich geleitet er aufs Oberdeck zu Steuerhaus auf der Brücke. Er weist mir eine gepolsterte Bank zu. Dann bringt er das Gepäck nach. Ich stelle mich dem Kapitän Aloysius vor, denn ich habe ihm Grüße von Adrian, dem weltreisenden Schweizer Reiseleiter aus Wien zu bestellen. Adrian und seine Freundin Ligia waren 3 Wochen zuvor Gast auf der Brücke gewesen. Adrian hatte mir die MV „Kosco“ dringend empfohlen.

Um 14 Uhr ist unser erster Halt: Yandina in den Russell Islands. Zuvor fahren wir zwischen kleinen, malerischen Inseln und unter Wasser hellgrün schimmernd Untiefen der Korallenbänke. Es gibt hier keine Seezeichen. Die Ansteuerung erfolgt exakt nach GPS. Es hat eine Karte hinterlegt einschließlich der zu befahrenden Spur. Der wird nachgesteuert, mit Kontrollblick auf das Wasser. In der mondlosen Nacht entfällt dieser Kontrollblick. Das Radar zeigt alle Überwasser-Inseln an, einschließlich allfälliger Schiffe. Es ist uns aber nie eines begegnet.

In Yandina sitzen die Frauen am Steg und bieten Früchte, Gemüse und natürlich Betelnüsse samt Zubehör an. Ich versorge mich mit Laplap. Das ist ein ziemlich fester Pudding, hergestellt aus dem Mehl einer Wurzel. Diesem Pudding wird eine dünne Lage Kokosmilch eingebaut. Es schmeckt leicht süßlich, will gut gekaut sein, klebt im Mund aber immer wieder zusammen und verursacht leichte Bauchschmerzen. Die könnten aber auch von beginnender Malaria kommen. Ich schätze sehr die grünen Kokosnüsse, weil sie mich vor dem Dehydrieren bewahren. Der Flüssigkeitsbedarf bei 32 Grad und kräftigem Fahrtwind ist enorm.

Um 23 Uhr erreichen wir Mbunikalo, ein Ort auf der ersten Insel der Western Province. Ein Schubschiff der Holzschlägerungs-Company liegt neben uns am Steg. Ein Einheimischer erklärt mir, dass die riesige Mengen an Holz schlägern, vermutlich bis kein Baum mehr steht. Doch die Bevölkerung findet Arbeit, hat Einkommen und keine Ahnung, dass sie nach den Schlägerungen sehr arm sein werden. Aus Malaysien mussten sich die Holzschlägerer zurückziehen, weil sie von der Regierung nicht mehr so geduldet sind. Ich vermute, dass Borneo inzwischen ziemlich abgeholzt ist und das Schlägern damit zu Ende gekommen ist. Ich versorge mich mit Fisch und Reis am mitternächtlichen Markt und frische meinen Vorrat an Kokosnüssen auf.

Nach 1 Stunde ist alle Fracht für diese Insel entladen. Ich verbringe die Nacht liegend auf der weichen Bank, manchmal auch im Freien auf Deck. Wer meine nächtliche Fahrt durch die große Lagune im Westen und Norden der Insel auf Google Earth verfolgen möchte: Wir halten in Gazin (nahe Cheara), Chea und in Seghe. Es tagt, als wir in eine malerische Flussmündung einbiegen und vor Viru an den Steg gehen. Der 2. Weltkrieg ist den Salomonern allgegenwärtig. Ein einheimischer Fahrgast zeigt mir die Kanone auf der Anhöhe, mit der die Japaner Flusseinfahrt kontrolliert hatten.

Nächster Halt ist Uahele (Mburuku). Nun geht es bei Tag durch die Lagune südlich des westlichen Zipfels von New Georgia. Zahllose kleine Inseln ziehen vorbei, entfernt vergleichbar mit Teilen in Kroatien, hier jedoch üppiges Grün. Wir begegnen immer wieder Menschen in kleinen hölzernen Kanus, manchmal einem Motorboot. Hier braucht man Boote, keine Autos. Wir fahren eine kurze Strecke sehr nahe am Ufer entlang. Zum Greifen nah ein kleines Dorf. Die ganze Schule ist außer Rand und Band – weil die „Kosco“ vorbei zieht.

Bald geht es durch die sehr enge Wasserstraße zwischen Kohinggo (Arundel) und New Georgia. Dahinter breitet sich eine Bucht aus. In Noro gibt es viel Ware zu entladen. Dann noch nach Ringgi auf der Insel Kolambangara. Ich tanke neuerlich Kokosnusswasser und Kleingebäck fürs Frühstück. Es ist Montag, 17 Uhr, als die „Kosco“ sich durch die Korallenbänke vor Gizo schlängelt. Hier gibt es Seezeichen: rote Quadrate an Steuerbord, grünblaue, auf der Spitze stehende Quadrate an der Backbordseite.

In Gizo finde ich in Phoebes Resthouse Unterkunft. Nach 2 schönen Tagen und einer schlafarmen Nacht falle ich ziemlich müde ins Bett.

Volkmar

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Samstag, 29. Oktober 2011

Fahrkarte gekauft

und schon kann ich tapfer wieder positiv denken.

Im Fernsehen habe ich vorvorgestern das Rot auf den Straßen libyscher Städte gesehen. Heute bin ich im Blood Reach gewesen, jene Landschaft in der Nähe von Honiara, wo Amerikaner und Japaner sich im WW II erbittert abgeschlachtet haben. Vor erst 100 Jahren sind die Salomoner noch Kopfjäger gewesen und haben sich gegenseitig in den Tod gejagt. Doch das Rot auf den Straßen von Honiara ist nicht Menschenblut, es ist nur Spucke.

Uns Europäern ekelt davor, weil wir im Kopf haben, das hat jemand ausgespuckt, der zuvor Betelnuss gekaut hat. In Mitteleuropa ist es aus gutem Grund tabu geworden zu spucken. Wir wissen um die Infektionsgefahr durch Sputum und schlucken lieber alles runter, was auch nicht immer das Beste ist. Das Rauchen, die verbreitetste Sucht bei uns, ist inzwischen, aus gutem Grund, auch teil-tabuisiert worden.

An Malaria sterben jährlich eine Million Menschen. Trotzdem besuchen wir Malariagebiete. Wir fahren sogar auf Straßen mit schnellen Untersätzen, obwohl das sehr gefährlich ist.

Es ist mir nicht bekannt, dass jemand ernsthaft erkrankt oder gar gestorben wäre, weil er in auf den Salomonen in rotes Sputum getreten ist.

Ich beginne das Rot zu schätzen. Ich sehe die Spur von Menschen, die sich einem harmlosen Genuss hingeben. Betelnuss lässt das Gemüt sanft werden, habe ich mir sagen lassen. Das Kauen dieser Frucht scheint mir die erfolgreiche Frucht der hier praktizierten Friedensarbeit zu sein.

Es zieht mich zur Fußgänger-Unterführung, um dort die bespuckten Wände ins rechte Bild zu bringen. Aus der zu Beginn immer scharlachroten Farbe ist ein zwischen ein Braunrot geworden, ähnlich dem Pigment Persisch Rot. Ein großer Künstler mit Heiligenschein – das Volk würde ihn huldigen dafür. Hundertwasser, schau owa! Es handelt sich bei den Wänden der Markt-Unterführung um ein kollektives, unbewusstes Kunstwerk, ohne viel Ziel und Absicht, einfach so geworden.

Während ich mich der Galerie mit gezückter Kamera nähere, zupft was an meinem Rucksack. Das war in Panama Alltag – aber hier? Ich dreh mich um. Ich schau ihm ganz böse in die Augen. Der junge Mann ist sichtlich kein Profi auf diesem Gebiet. Er blickt sehr ertappt zurück. Unartikuliertes tönt aus meiner Kehle. Dann beginne ich mich zu fassen: „Why did you touch my Backbag?“ Ich halte ihn für besserungfähig. „I want to know where are you come from,“ hat er die wirklich übliche Frage bei der Hand. „If you want this you may speak with me“, belehre ich ihn. Dann gehe ich auf seine Frage ein. Es beginnt ein kleines Gespräch. Es gipfelt darin, dass ich ein Foto von ihm mache.

Dann wende ich mich und die Kamera den Misthaufen des Marktes zu. Das Angebot an Obst und Gemüse ist reichlich und breitgestreut. Ich erwerbe Nüsse, eine Melone, Mangos und grüne Kokosnüsse, meinen Proviant für 2 Tage und eine Nacht am personenbefördernden Cargo-Schiff „Krosc“ nach Gizo. Ich erwarte mir eine kurzweilige Reise mit vielen Aufenthalten bei kleinen Dörfern.

Volkmar

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Freitag, 28. Oktober 2011

Weg von hier – ich kaufe eine Fahrkarte nach Gizo!

Der Schweizer Adrian aus Wien, derzeit in Fidschi seine eigene Infektion auskurierend, warnt mich vor der Malaria. Ich solle um himmelswillen meine Doxycycline-Tabletten absetzen und sogleich auf Mefloquine umsteigen. Gegen Doxycycline gäbe es bei den hiesigen malariaauslösenden Plasmodien Resistenz. Daher habe es ihn erwischt, ist er sicher.

Nachdem ich in der 1. Nacht im Rain Tree Cafe gestochen worden bin, habe ich meine Prophylaxe mit dem Doxycycline wieder begonnen. Nach 2 Tagen wird sie wirksam. Ich bin also einige Tage ungeschützt herumgelaufen. Und nun noch die Nachricht von der angeblichen Resistenz der hiesigen Erreger vor meinen Tabletten! Ich mach mich schlau in Wikipedia. Ich stoße auf die Empfehlungen zur Malariavorbeugung der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit (DTG). Darin wird das von der Resistenz bestätigt. Ich lese, dass die Salomonen zu den Ländern mit dem höchsten Malaria-Risiko gehören. Hervorgehoben werden die Insel Gudalcanal und die Stadt Honiara – da wo ich gerade bin. Guten Morgen, sag ich da nur.

Ich beschließe, zunächst mal nach Gizo zu übersiedeln. Dort soll es übrigens mehr Segler geben als hier und hoffentlich weniger Mücken der Gattung Anopheles. Die Mefloquine Tabletten habe ich schon besorgt. Die Nebenwirkungen sind anders, erscheinen mir aber in Summe nicht schlimmer. Es gäbe welche im psycho-vegetativen Bereich. In einem Forum berichtet jemand, er habe paranoide Auffälligkeit an sich bemerkt. So was beobachte ich auch an mir, noch bevor ich das Medikament einnehme: Ich fühle mich ständig gestochen, gestern hatte ich Bauchweh und war sehr müde - eine Malaria kann so auch beginnen, lese ich. Beruhigt hat mich der Apotheker. Er sei hier geboren und noch nie an Malaria erkrankt. Natürlich fällt mir dazu ein, dass bei der hohen Sterberate nach einer Malariaerkrankung mir hier nur vorwiegend nie-infiziert gewesene Menschen begegnen können. Ich sollte wohl man am Friedhof Nachschau halten, was mir dort erzählt wird.

So, nun habe ich mir den worst Case angeschaut und zur Schau gestellt. Das soll gut sein, um wieder konstruktiv denken und handeln zu können, der Sache besser dient. Ich bin in Barcelona, St. Lucia, Trinidad, Venezuela und Panama den dort auftretenden klein- und mittelkriminellen Individuen halbwegs gut entkommen. Hier habe ich mit den einzelligen Erregern Plasmodium falciparum, Plasmodium vivax, Plasmodium ovale und Plasmodium malariae zu tun. In Manila, sollte ich dorthin ausfliegen, wartet nur noch Plasmodium knowlesi. Wir werden sehen.

Danke fürs Zuhören bei Krankheitsgeschichten, die nicht real sind, aber als denkbare Scenarios etwas störend im kopfigen Raum herumstehen! Mit der Fahrkarte nach Gizo in der Tasche werde ich mein Augenmerk wieder den gesunden Dingen zuwenden können und nächstes mal darüber berichten.

Volkmar

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Donnerstag, 27. Oktober 2011

Von Sola in den Banks Islands in Vanuatu nach Nata auf der Insel Ndende, zur Santa-Cruz Inselgruppe in den Salomonen gehörend, fahren wir 3 Tage und 2 Nächte am Stück. In Nata klarieren wir ein, wie es sich gehört. Nach erfolgter Amtshandlung verziehen wir uns tiefer in die Graciosa Bay. Wir finden eine friedliche Bucht nahe einem stillgelegten Sägewerk.

Wir haben den Anker noch kaum gesetzt, paddelt James im wackeligen Boot ohne Ausleger zu uns heraus. Er ist eine der 4 Franziskaner-Brüder. Sie haben auf der Anhöhe ein kleines Kloster, wo sie in der Natur leben. Er vermittelt uns Gemüse aus dem Garten von Anita und John. John ist der Seelsorger für Schüler und Lehrer einer Ausbildungsstätte für Priester. Ich tausche Schulhefte, Kugelschreiber und Bleistifte gegen Melanzani, Kürbis und mehrere Exemplare einer großen Bohnenfrucht.

Ich habe an diesem Tag beschlossen, den anglophonen Melanesiern nicht länger die Aussprache meines Namens zuzumuten. Weil der Tag des Heiligen Karls (wer war das eigentlich?) auf meinen Geburtstag fällt, nenne ich mich ab nun Charles oder Charly. Das geht meinen Mitmenschen hier leicht von der Zunge. Auch Luisa, die Italienerin hatte meinen unaussprechlichen Namen auf Vol reduziert. Voli, so haben mich alle genannt, bis ich mit 8 Jahren – erfolgreich in der Familie – protestiert habe dagegen. Es wurde immer mit dick assoziiert, was ich auch gewesen bin und mich daher gehänselt hat.

Am nächsten Morgen hole ich mit dem Schlauchboot Wasser aus der ufernahen Bergquelle. Im Kanu begegnet mir ein Mann. „Good morning, how are you“ „I’m fine“ folgt darauf, was denn sonst. Dann stell ich mich vor mit meinem neuen Namen: „I’m Charles from Austria“. Der Mann im Kanu sagt „I’m Vol“. Das erste mal in meinem Leben begegne ich einem Menschen, der die Kurzform meines Namens trägt – und ich habe ihn am Vortag abgelegt!

Nach zwei weiteren Tagen und Nächten gehen wir in der Bucht vor Kirakira auf Makira vor Anker. Hier müssen wir „nachklarieren“, denn der Beamte in Nata war nur der von der Quarantäne. Es ist wieder mal Sonntag und ausgenommen von der Kirche ist alles zu. Der Gottesdienst ist schon vorbei. Father Martin hat sich bereits unters betelnusskauende Volk an der Landestelle begeben. Er begrüßt uns mit Handschlag

Volkmar

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Dienstag, 25. Oktober 2011

Ich bin gestern ins Quester House der Anglikan Brotherhood übersiedelt. Es ist ein langgestreckter „Kasten“ auf der Anhöhe hinter der Hauptstraße von Honiara. Der Tipp, hierher zu gehen kam aus dem „Lonely Planet“ und vom Adrian. Es liegt für mich strategisch günstig, weil nahe dem Yachtclub. Dorthin werde ich mich künftig allnachmittags begeben, um den crewsuchenden Kapitänen beim Bier aufzulauern und ihnen eine Chance zu geben, mich kennen zu lernen. Dort gibt es auch Wifi-Internet-Zugang, sodass ich die Zeit nicht bloß beim Bier verbringen muss (das ich auf den Rat meiner Ernährungsberaterin hin sowieso vermeide).

Das Quester House ist überraschend sauber. Das hat mich veranlasst, mich gleich mal der Putzfrau vorzustellen. Sie heißt Judy. Sie nennt mir auch gleich die Namen ihrer beiden Kolleginnen: Rosi und Philisity. Die beiden lerne ich auch bald kennen. Ich gewinne den Eindruck, die machen ihre Arbeit gerne und gut.

Das Haus hat außen und innen angenehme Architektur. Bei aller Sachlichkeit ist es innen richtig schmuck und fein. Dazu eine breite Terrasse mit Blick auf die Dächer von Honiara und auf den Hafen. Vor meinen Augen wird ein riesiges Containerschiff entladen. „Die cleveren Chinesen haben für Weihnachten eingekauft“, erklärt mir ein schwarzer Salomone, der es zu wissen scheint. Weiter draußen liegen etwa 5 Schiffe vor Anker. Kleinere Fischerboote haben längsseits angelegt und laden ihren Fang in die großen Schiffe – so weiß mir das mein Gesprächsfreund auf der abendlichen Terrasse zu erzählen. Ich erfahre noch einiges mehr von ihm über Land und Leute und über Schiffsverbindungen nach Papua Neuguinea. Die Chinesen im Land hält er für sehr nützlich und wichtig. Dass sie viel Geld ansammeln, scheint die Melanesier nicht zu stören. Solche „Reichtümer“ dürften der großen Mehrheit wenig bedeuten. Nur 20 % der arbeitsfähigen Bevölkerung sind Dienstnehmer. Die Mehrheit ist glücklich mit den Früchten aus dem Garten, in den Häusern, die sie aus Material bauen, das im Wald daneben wächst.

Die Nacht ist sehr warm. Ich liege nackt am Bett und schwitze bis weit über Mitternacht hinaus. Die Luft ist spürbar weniger feucht als am Boot. Meine Kleider haben Gelegenheit, wieder mal richtig zu trocknen. Für meinen Fotoapparat dürfte es etwas zu spät sein. Er beginnt Verfallserscheinungen zu zeigen, für die ich die fortschreitende Korrosion im feucht-salzigen Segelboot verantwortlich mache.

Adrian mailt aus Fidschi, er sei an Malaria erkrankt. Er könne sich das nur auf den Salomonen geholt haben, denn Fidschi ist malariafrei (zumindest gewesen, ehe Adrian dort ankam). Er scheint seinem schmerzhaften Fieberzustand viel Positives abzugewinnen. Jetzt schaue die Welt, das eigene Leben anders aus, verstehe ich seinen Tagtraum-Bericht. Er wird sich der vielen glücklichen Begebenheiten und Fügungen bewusst, die ihn bisher geleitet haben. Er denke wegen der Malaria nicht ans Abschließen mit dem Leben, scheint mir aber eine Art Zwischenbilanz zu genießen. Ich beglückwünsche ihn und beneide ihn um diesen schönen Krankheitsverlauf. Meine vorbeugenden Tabletten werfe ich nun wieder ein. Aus Sorge vor den Nebenwirkungen hatte ich sie vor 2 Wochen draußen am Meer, wo es ja auch gar keine Mücken gibt, abgesetzt. Am Markt finde ich hier reichlich frische Früchte. Kokosnusswasser ist wieder mein Hauptgetränk, hoffend, dass sich mein Immunsystem darüber freut und dass im Übrigen mein innerer Arzt hinter mir steht.

Volkmar

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Sonntag, 23. Oktober 2011

Ich sitze heute den ganzen Tag auf meinem Zimmer im „Rain Tree Cafe“ im Westen von Honiara. Es ist hier nicht das Billigste, liegt aber direkt am Meer, es alles ganz gut auf Schuss und sauber, gute Küche und – es gibt Internetzugang. Ich frische alle meine Anfragen/Angebote in den Internetseiten auf: Neues Ausgangsland, neue Zeiträume meiner Verfügbarkeit, Segelerfahrung um 505 Seemeilen gewachsen und so weiter.

Vom Adrian Vonwiller finde ich sehr schöne Erlebnisberichte in der Inbox. Er ist mit seiner Freundin Ligia von Wien mit dem Zug ans andere Ende der Türkei gefahren, dann weiter über die Kaukasusländer nach Indien und Vorderindien. Sie haben Borneo, Indonesien, Osttimor und Australien besucht. In Vanuatu sind wir uns auf der Oyster Island begegnet. Sie sind 4 Wochen vor mir hier in den Salomonen gewesen. Ich erlebe alles so, wie der Adrian es beschreibt:

Von gluecklichen Paradeisern

Die Eingeborenen der Salomonen sind wirklich sehr sehr schwarz; schwaerzer als die meisten Afrikaner. Sie haben aber zarte aeusserst ebenmaessige Gesichtszuege und man findet unter ihnen viele ausgesprochen schoene Menschen: feindgliedrige, elegante, einfach schoene Frauen und Maenner. Sie sind schoener als die Vanuater, sie werden der Bezeichnung Melanesier, die Schwarzen, voll gerecht. Verglichen mit ihnen sind die Polynesier Weisse, taetowierte Weisse.

Was das Entzuecken an der Schoenheit der Salomonenbewohner etwas schmaelert , ist ihre Angewohnheit Betelnusse zu kauen und die rote Spucke ueberall hin ausspuecken, und zwar alle: Frauen, Maenner und Jugendliche, sogar Kinder. Ich kenne das Betelnusskauen aus Suedindien und Papua, aber hier ist es am schlimmsten.

Sie suchen sich eine der gruenen Nuesse aus, beissen ein Stueck ab und kauen es, dann wird ein laenglicher gruener Staengel - schaut aus wie eine Fisole- in Kalkpulver getaucht und dann ein gutes Stueck abgebissen, und ebenfalls gekaut. Das Ganze verfaerbt den Mund und die Zähne nachhaltig rot. Das schaut nicht gut aus. Manchmal läuft die rote Spucke aus den Mundwinkeln. Nach einer gewissen Zeit wird das rote Zeugs ausgepuckt. Überall auf der Strasse gibt es rote Flecken. Man könnte sagen, der Boden vom Honiara, der Hauptstadt der Solomon Inseln auf der Insel Guadalcanal, ist blutrot, wenn das nicht so eine Doppelbedeutung hätte: Hier fand eine der blutigsten Schlachten des Zweiten Weltkriegs statt. Im pazifischen Krieg versuchten sowohl Japaner wie Amerikaner verbissen, die Landepiste von Guadalcanal zu halten. Tausende verloren ihr Leben: am Grund des Meeres vor Honiara, der deswegen in “Iron Botton-Sound” umgetauft wurde, liegen 65 Kriegsschiffe, heute ein Paradies für Wreck-Diver.

Danke Adrian!

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Samstag, 22. Oktober 2011

Gestern, am Freitag, 21. 10. sind wir in Honiara vor Anker gegangen. Dem ist eine 7stündige Fahrt unter Motor vorausgegangen. Wir hatten in der Lagune hinter einer kleinen Insel (Rua Sura) einen Ankerplatz gefunden. Hier sind wir 2 Tage und 3 Nächte geblieben, denn es hat sehr gestürmt, geregnet und gewittert.

Doch nun der Reihe nach. Am Mittwoch, 5. 10. sind wir in Luganville ausgelaufen. Nahe der mir sehr vertrauten Oyster-Insel haben wir Halt gemacht. Wir sind im motorgetriebenen Schlauchboot flussaufwärts zum großen Blue Hole gefahren. Ich hatte die Fahrt 4 Wochen vorher – wie früher bereits berichtet – im Kajak gemacht. Von jener Ruhe und Stille, jenem Zauber, der mir im Paddelboot begegnet war, ist im Dinghi freilich nichts zu merken. Das knattert den Fluss dahin. Dann sind wir im blauen Loch, warten 20 Minuten bei abgeschaltetem Motor. Ich nehme ein Bad. Dann knattern wir wieder flussab.

Die nächste Nacht ankern wir nahe Hog Harbour. Diese Bucht kenne ich bereits von Landausflügen (Lonnoc Bay Bungalow Resort). Dann gibt es eine Nachtfahrt nach Vanua Lava in der Banks-Inselgruppe. Eigentlich wollte Fabio nach Ra segeln, um dort den Father Luke auf seinem Anwesen zu besuchen. Aber er befand, dass weder dort, noch bei der ganz nahen Insel Mota Lava ein geeigneter Ankerplatz ist. Das hatte mit der Wirklichkeit nichts zu tun, eher mit Fabios Mangel an tauglichen Seekarten. Der Zufall wollte es, dass Father Luke in diesen Tagen auch in Vanua Lava weilte. Hier, etwa 10 sm von Ra entfernt, besitzt Father Luke 2 weitere Bungalows. Sie werden von seiner Tochter betreut. Hier treffen wir auf ihn und die Wiedersehensfreude war groß.

Wir spazieren am Sonntag im recht sauberen Dorf herum. Am Montag amtswaltet die Polizei wieder – wir brauchen sie, um auszuklarieren, denn wir werden nun die Inselwelt von Vanuatu verlassen und zu den Salomonen segeln. Die Solomon Islands sind ein ausgedehnter Archipel und ein eigener Staat. Nach 2 Tagen und 2 Nächten gehen wir in der Graciosa-Bucht auf der Insel Ndende, Provinz Santa Cruz an den Steg der Stadt Lata. Hier dürfen wir einklarieren.

Die Santa Cruz Inseln liegen ganz im Südwesten des Staates. Wir sind noch einmal über Nacht unterwegs. Dann landen wir in Kirikiri auf Makira. Es ist wieder einmal Sonntag. Frauen an kleinen Tischen verkaufen grüne Früchte. Es sind Betelnüsse. Die Menschen sitzen herum und kauen sie. Davon bekommen sie nachhaltig rote Zähne und vorübergehend ein gutes Gefühl. Die Wirkung soll viel sanfter sein als die von Marihuana, aber auch sanfter als die vom Kava in Vanuatu. Das Gekaute wird ausgespuckt. Es ist rot. Das hat den Vorteil, dass man dem Sputum am Boden ganz leicht ausweichen kann, im Gegensatz zu dem was die Vanuatuer nach Kava-Genuss noch stundenlang und farblos ausspucken. Wir sind kaum aus dem Dinghi gestiegen, da begrüßt uns ein anglikanischer Priester (erkennbar am Metallkreuz auf der Brust, mit Metallkettchen um den Hals gehängt) mit Handschlag. „Father Martin“ heißt er. Der Gottesdienst ist schon zu Ende und er begibt sich unters betelnusskauende Volk. Im Laden eines Chinesen können wir Landeswährung ertauschen. Bäcker gibt es keinen. Luisa und Fabio werden zum Frühstück sich mit Crackers begnügen müssen. Das Müsli schmeckt den beiden nicht. Es wird mir bleiben. Früchte bringen 5 Männer im Kanu zu uns ans Boot: Papaya, grüne Kokosnüsse, Sternfrüchte. Fabio hat 3 Liter Rotwein für die Boys. Nachher tut es ihm leid, denn die Burschen hier – so ist zu lesen und zu hören – sind Alkohol gar nicht gewöhnt, sie werden rasch gewalttätig davon.

Wir brechen auf zur letzten Etappe – zur eingangs erwähnten Insel Rua Sura.

Gesegelt sind wir sehr sehr wenig. Anfangs war wirklich kein Wind. Wenn später dann Wind aufkam, war er entweder zu stark von vorne oder zu stark von hinten, oder überhaupt zu stark. Den Spi-Baum – gut zum Ausbäumen des Vorsegels bei Wind von hinten – wollte Fabio nicht setzen, denn das gibt immer Schwierigkeiten, sagt er. Manchmal müssen wir Strom machen. Dann läuft die Maschine immer mit. Manchmal müssen wir Wasser machen, obwohl reichlich im Tank vorhanden, doch Wassermacher lieben es, regelmäßig eingeschaltet zu werden. Dann lärmt es im Salon, dass ich meine, in der Ölmühle zu sein.

Ich bin frohgemut heute von Bord gegangen. Im Yachtclub scheint alles zu schwanken, wie das so ist, wenn man längere Zeit auf schwankendem Schiff gelebt hat. Ich bin nun im Rain Tree Cafe abgestiegen. Hier gibt es Internetzugang – ich lasse in Kürze wieder von mir lesen.

Volkmar

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Auf deinen Spuren

Lieber Volkmar,

während du dich auf der anderen Seite der Welt langsam wieder heimwärts bewegst, habe ich jetzt meiner Sehnsucht nachgegeben, zumindest ein kleines Stück deiner Abenteuer nachzuerleben.....

Ich werde gemeinsam mit Freunden Mitte Februar zwei Wochen lang die Karibik zwischen Guadeloupe und Dominica mit einem tollen Lavezzi 40 Katamaran besegeln. Sollte eine/r der begeisterten LeserInnen deiner Reiseberichte dieselbe Sehnsucht spüren: Wir haben derzeit noch eine Kabine mit zwei Kojen frei.

Nähere Informationen unter http://beziehungsarbeit.at/segeln-und-lernen/lebenskunst-in-der-karibik

Ich freue mich schon auf deinen nächsten Bericht!

Max

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Hallo Max!

Pass auf, dass du nicht umfällst mit dem Katamaran. Seine stabilste Lage ist die, mit dem Mast nach unten und den Kielen nach oben. Sinkbar ist er trotzdem. Immer brav mitrechnen, wegen dem rechtzeitigen Reffen. Spüren tust du es nicht. Aber geräumig ist er schon.
Volkmar

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Danke für den Tipp

Ich werde aufpassen - und es gibt ja auch meist unten zur Not eine Ausstiegsluke ... ;-)

Ahoi, Max

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Auch bei 30 Knoten Wind

kann das Bier am Tisch im Salon stehen bleiben. Es wird nichts verschüttet. Das ist ein gewaltiges Plus ;-)
Volkmar

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Wir sind nun in Kirkiri auf

Wir sind nun in Kirkiri auf der Insel San Cristobal in den Solomon Islands angekommen. Einklariert in den Staat Salomonen haben wir bereits auf der Insel Santa Cruz.

Wenig Wind, alles gesund.

Wir sind nun am Weg nach HONIARA, der Hauptstadt dieses Inselstaates. Ich hoffe dort auf schnelleres Internet - in etwa 5 Tagen.

Volkmar

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Dienstag, 4. Oktober 2011

Wir haben gestern am Nachmittag an der Boje vor dem Aora Ressort festgemacht. Es liegt auf der Insel Aora, auf der anderen Seite des 6,5 breiten Kanals vor Luganville. Es gibt eine Fähre zum Hin- und Herfahren. Dieser Platz bietet besseren Schutz vor östlichen Winden, als wenn man direkt vor Luganville festmacht.

Von östlichen Winden haben wir auf der Fahrt von Port Vila hierher allerdings wenig bemerkt, auch kaum was von anderen Winden. So war auch die See sehr ruhig. Wir haben einen Ankerplatz gefunden nahe der Insel Epi. Ariel aus Israel mit Familie hat uns dort im Restaurant mitgeteilt, dass nach dem jüdischen Kalender nun ein neues Jahr (füntausendsiebenhundertsechzigundeinwenigmehr, so genau konnte er es auch nicht sagen) angebrochen sei und hat mit uns einen Apfel geteilt. Wir durften ihn in Dattelsirup tunken - möge das neue Jahr ebenso süß werden!

Im Süden der großen Insel Malekula sind wir hinter der sehr kleinen Insel mit dem sehr kurzen Namen Ui vor Anker gegangen. Das halbe Dorf samt Chief namens Kaisa haben uns per Kanu besucht. Wir habe der Schule einen Gegenbesuch abgestattet.

Auf halber Höhe an der Ostküste von Malekula gab es eine menschenleere Bucht zum Ankern. Auf der kleinen Insel Vao kommen wir zum Sonntagsgottesdienst in der katholischen Kirche zurecht, bzw. zu spät. Der Pfarrer bereitet in monotonem Gesang soeben das Abendmahl vor. Ich höre stark das Traurige an der Geschichte heraus. Das scheint dem Priester zu liegen. Kraftvoll, lebensfroh und mehrstimmig singt die Gemeinde.

Hinter der wiederum sehr kleinen Insel finden wir eine schöne Bucht. Sie ist im seichten Teil mit einem wunderbaren Korallengarten bewachsen. Während Fabio schnorchelt, sitze ich im Schlauchboot und schau mir die Korallen von der Luft aus an. Denn irgendwo habe ich meine Schnorchelbrille liegen gelassen - "sie lassen alle mal was liegen, die Großen dieser Welt .... Souvernier, Souvernier" summe ich, mich tröstend damit. Ich wüsste gerne, welch horrende Preise nachkommende Generationen für all meine liegen gelassenen Taschenmesser, Schirmmützen, Schnorchelmasken einst erzielen werden - - -

Das Bordklima ist gut. Fabio hat eine Frau aus Italien eingeladen. Sie ist kurz vor dem Auslaufen aus Port Vila angekommen und zugestiegen. Ich schätze sehr ihre Kochkunst, und halte es für unmöglich, ihr darin auch nur im Geringsten das Wasser reichen zu können. Mein Part ist das Geschirrspülen.

Morgen geht es weiter in den Norden. Es ist denkbar, dass ich nicht vor dem 20. Oktober (2011) wieder Gelegenheit finde, hier was über mich zu berichten. In "Aktuelle Reise" auf der Webseite www.segelnumdiewelt.at gibt es seit einer guten Woche Bebildertes, nahezu bis in die Gegenwart. Ich darf meine Fans auf die Möglichkeit verweisen, dort was aus den letzten Wochen meiner Reise zu erschauen und erlesen.

Volkmar

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Frost-Rugby-Van-Erdbeben-Öl im Meer

Hi , kia ora, grias eich god alle

Wo jetzt mein Vater nicht schreiben kann bin ich wohl wiedermal dran. Ja hier in NZ ist der Frühling ausgebrochen und die Arbeit im Garten ist vielfälltig. Nun es ist Frostwarnung für die Nacht angesagt. Damit erwarten wir auch die Windmaschienen und Hubschrauber, welche in dem frühen Morgen die Luft in Bewegung halten werden und somit uns eine eher unruhige Nacht bevor steht. Die 'Rugby World Cup games' sind im Viertel Finale und alles ist aufgeregt. Sogar die Schulferien wurden wegen den Spielen verschoben. Die überlangen Schulwochen Blocks sind ermüdent für Viele. Die Menschen in Canterbury und Christchurch sind zusätzlich mit den Folgen der Erdbenen und Nachbeben -heute alleine ueber 13 -belastet. Hier in Waipara spüren wir nur die ueber 4.
Vatis van haben wir nun erfolgreich verkauft. Zuerst hatten wir gedacht wir könneten den Van in Auckland verkaufen, wo doch die meisten ,World Cup Tourists, ankommen. Nach einigen Monaten da oben stehen, hatten Freunde den Van günstig nach Waipara gebracht. Mit etwas Zuwendung von Chris ware der Van dann auch bald verkauft.
Und wieder gibte es Gewinner und Verlierer, höchstwahrscheindlich Hubschrauberlärm in der Nacht und hoffentlich keine Nachbeben. Sicher ist, dass der Schiffunfall im Bay of Plenty eine Tragödie ist, welche Wasser, Tiere und viele Menschen trifft mit all den Konsequenzen aber auch hoffentlich viele Menschen zum Denken und neuen Handelen bringen wird. Gute Nacht....Sigrid

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Sonntag, 25. September 2011

Am Freitag bin ich auf die „Windancer“ übersiedelt. Sie stand noch in der Trockenmarina „Port Vila Boat Yard“. Am Nachmittag begann der 1. Versuch, das Boot ins Wasser zu lassen. Es gibt dazu eine schräge Ebene aus Beton, einen Wagen, der unter das Gestell geschoben werden kann, auf dem das Boot steht, einen Traktor mit Seilwinde und 5 Mann, davon 3 fallweise mit Neoprenanzug, Schwimmflossen und Schnorchelzeugs. Der Traktor schiebt den Wagen mit einer Stange vor sich her. Ein Räderpaar des Wagens ist vom Traktor aus hydraulisch lenkbar. Nun schiebt der Traktor den Wagen mit dem Boot, dessen Heck voran, zur schiefen Ebene wasserwärts. Der Traktor fährt nicht mit ins Wasser. Das letzte Stück wird der Wagen über eine Umlenkrolle weiter draußen am Meeresboden ins Wasser gezogen und mit einem anderen Seil dagegen gehalten. Die Schnorchler haben nun dafür zu sorgen, dass der Wagen auf seiner Bahn bleibt, denn die Lenkungs-Hydraulik zum Traktor ist inzwischen abgekoppelt.

Wie unser Boot getrailert wird, geht einem der Räder, bereits weit unter Wasser, die Luft aus. Es gibt ein Zwillingsrad, daher kippt unser Schiff nicht um. Das Schiff muss wieder herausgezogen werden. Der Reifen wird gewechselt. Die Tide ist inzwischen zu niedrig geworden.

Es gibt einen neuen Anlauf am Samstag um 6 Uhr früh bei Anbruch des neuen Tageslichtes. Doch auch da ist das Wasser schon wieder zu niedrig. Es ist schließlich 14 Uhr, als uns die neue Flut aufhebt.

Man hat uns vorsorglich an die nahe Boje gehängt. Dorthin verziehen wir uns kurzzeitig. Dann fahren wir unter Motor rund um die kleine Insel Tiririki und finden eine freie Boje im Bojenfeld der Port Vila World Marina.

Heute Sonntag hat uns das neue Großsegel beschäftigt. Es passt alles wie bestellt. Mit Fabio ist es ein Leichtes, Hand in Hand zu arbeiten. Ich kann ziemlich leicht erkennen, was sein nächster Handgriff ist, bzw. welchen Handgriff von mir er erwartet. Errate ich es nicht, ist es für Fabio kein Grund, anderwärtig aufgestaut gewesenen Ärger über mich zu ergießen – wie das schlechte Skipper angeblich tun, wie auch von mir selbst erfahren. (Siehe zum Beispiel „Der Unskipper“ in „Frühere Reisen“ auf meiner Webseite
http://www.segelnumdiewelt.at/Reiseberichte/unskipper.html )

Morgen hat die Tankstelle wieder geöffnet. Dann werden in den Norden aufbrechen können. Zuerst mal 20 Meilen noch an der Westküste an unserer Insel Éfaté entlang, in die Bucht Havanna Harbour. Dann Malekula auf ein paar Tage und schließlich nach Luganville auf Espiritu Santo. Ich freue mich auf meine Freunde in der Ölmühle und auf frisches kaltgepresstes Kokosnussöl (Kopraöl). Vielleicht geht es sich aus, dass ich dem Fabio und seiner Freundin eine Führung mache in der Mühle.

Es kann sein, dass es im Tagebuch nun eine Woche nichts zu lesen gibt von mir. Das nächste Internetcafe ist erst in Luganville zu erwarten.

Inzwischen saluti cordiali und mille bacci, wem das gut tut!
Volkmar

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Donnerstag, 22. September 2011

Freud und Leid im Alltag mit den ni-Vanuatu

Wer in Vanuatu einem Stamm angehört, ist ein ni-Vanuatu. Grundsätzlich gehört man zum Stamm des Vaters. Ist der Vater ein Weißer oder ein Asiate, dann gehört das Kind dem Stamm der Mutter an – so ist es mir berichtet worden. Kommt man mit Menschen ins Gespräch, erfährt man sehr bald, von welcher Insel er/sie stammt. Der Name der betreffenden Insel wird mit einem Hauch von gesundem Stolz genannt. Jeder freut sich, sagen zu können, von welcher Insel er stammt. Das setzt sich auch in den nächsten Generationen so fort. Wessen Großvater von Malakula nach Port Vila gezogen ist, der wird immer sagen, dass er/sie von Malakula stamme.

Ich finde die Menschen sehr humorvoll. Sie können sich über Kleinigkeiten zerkugeln vor Lachen. Es ist nicht ungewöhnlich, dass das Lachen in johlende Aufschreie gipfelt. Ich kann gut scherzen mit den Menschen. Die Mimik und Gestik ist leicht zu deuten, weil der unseren sehr ähnlich. Eingeschnappt sein – das habe ich noch nie beobachtet hier.

Erzählen sich die Leute was Erstaunliches, dann geben Zuhörende in der Regel ein nach innen gesaugtes Z-z-z-z von sich. Beifälliges Erstaunen wird mit einem Pfeifen durch die Lippen kommentiert: Der Ton geht glissando erst ein paar Stufen runter, dann eine Oktave rauf und endet dann wieder ein paar Töne tiefer.

Frauen pfeifen übrigens immer mal. Sie tun das, wenn sie einer Tätigkeit nachgehen, die nicht der vollen Aufmerksamkeit bedarf, zum Beispiel den Tisch decken. Männer hingegen habe ich auch pfeifen gehört, aber nicht so oft.

Das lautstarke Hervorhusten von Schleim und Ausspucken desselben gehört zum guten Ton, bei Männern, wie auch Frauen.

Ich habe die letzte Nacht im „Tui Family Motel“ vor mir. Morgen übersiedle ich aufs Boot. Wir sind hier eine Familie, sagt Marie, die Betreiberin der Herberge zu mir und lädt mich ein zum Abendmahl – nicht zum ersten mal. Mit am Tisch wird die Therese sein, der Gute Geist des Hauses und der Tensly, nachts Security-Mann, tags Gärtner rund ums Haus und im Gemüsegarten.

Und es gibt die ganz normalen Familientragödien, wie bei uns, auch hier: Ein Mann gibt vor, Singel zu sein, lebt 7 Jahre mit einer Frau zusammen. Eines Tages entscheidet er, seine Ehefrau doch wieder ins Haus herein zu nehmen – und die jahrelange Freundin wird auf die Straße gestellt, wie im Musical „Evita“: „Wohin soll ich nun gehen?“

Ja, diese leidvollen Geschichten, die die Menschen auch hier untereinander auszutragen haben, sind mir aus eigenem Erleben unbekannt geblieben. Dafür reichen 4 Monate nicht aus.

Volkmar

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